Öffentlicher Dienst
Zehntausende streiken in NRW und Berlin

Zehntausende Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes sind in Nordrhein-Westfalen und Berlin in den Warnstreik getreten. Der Nahverkehr wurde lahmgelegt, der Müll nicht abgeholt. Doch die Arbeitgeber bleiben hart.
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Düsseldorf/BerlinDie Warnstreiks im öffentlichen Dienst haben am Mittwoch in Nordrhein-Westfalen und Berlin Millionen Menschen getroffen. Zehntausende Mitarbeiter traten in Nordrhein-Westfalen in den Ausstand. Sie legten den öffentlichen Nahverkehr im bevölkerungsreichsten Bundesland weitgehend lahm. Das befürchtete Verkehrschaos blieb jedoch aus. Viele städtische Kitas blieben geschlossen. Der Müll wurde nicht abgeholt. Erstmals wurde auch in Berlin gestreikt - allerdings in erheblich kleinerem Umfang.

Eine Woche vor der nächsten Verhandlungsrunde in Potsdam blieben die Fronten aber verhärtet. Die Arbeitgeber wollen ihr bisheriges Angebot trotz der Gewerkschaftsdrohung mit einem Flächenstreik nicht nachbessern. „Wir werden kein weiteres Angebot vorlegen, sondern wir wollen am 28./29. März zu einem Ergebnis kommen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Manfred Hoffmann, im Deutschlandfunk.

Die Arbeitgeber hatten 3,3 Prozent mehr Lohn über zwei Jahre angeboten. Mehr lasse die Finanzausstattung der Kommunen nicht zu. „Wir können auch nicht die Bäume in den Himmel wachsen lassen“, sagte Hoffmann. Es sei „schlichtweg nicht mehr Geld da“.

Zudem wollen die Arbeitgeber laut Hoffmann am Flächentarifvertrag festhalten. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter sollten nicht für wohlhabende und ärmere Regionen getrennt verhandeln, „weil wir natürlich auch verhindern wollen, dass die Beschäftigten zwischen einzelnen Arbeitgebern pendeln“, sagte Hoffmann. „Es ist ja auch nicht so, dass die Verhältnisse der einzelnen Kommunen immer gleich sind, sondern das unterliegt Veränderungen.“

Verdi fordert für die bundesweit rund zwei Millionen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes 6,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro.

An den NRW-Warnstreiks vor zwei Wochen hatten sich laut Verdi 55.000 Beschäftigte beteiligt. Diesmal sollte die Zahl der Streikenden erhöht werden. In den Großstädten Düsseldorf und Köln sowie in den Ruhrgebietsmetropolen traten Bus- und Straßenbahnfahrer mit Beginn der Frühschicht in den Ausstand. Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem erfolgreichen Start des 24-Stunden-Streiks.

In Berlin holte die Stadtreinigung (BSR) den Müll nicht ab. Arbeitsniederlegungen waren auch für Beschäftigte im Kanzleramt, in der Bundestagsverwaltung und in Arbeitsagenturen angekündigt. Anders als in NRW fuhren aber Busse und Bahnen.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Öffentlicher Dienst: Zehntausende streiken in NRW und Berlin"

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  • Verdi ist das schlimmste, was man sich nur vorstellen kann. Ich kenne genug, die im Öffentlichen Dienst arbeiten. Lauer geht's nicht!

    Im übrigen: Wenn die Gewerkschaften so für den Euro als "politisches Projekt" sind, dann sollen sie die eigene Klientel schon mal auf die Kosten desselben vorbereiten. Es wird noch gespart werden müssen wie in Griechenland. Der dumme Michel hat's noch nicht begriffen. Die Gewerkschaften sowieso nicht.

    Man kann eben nicht alles haben: "Politische Projekte", die Deutschland Hunderte von Milliarden kosten und einen steigenen Lebensstandard. Da beißt die Maus keinen Faden ab!

  • Das sind 1,65 Prozent mehr Lohn im Jahr, das die Arbeitgeber anbieten !!! Eine Schande. Ich bin 30 Jahre im öfentlichen Dienst beschäftigt und habe noch nir mehr als 3 % Lohn bekommen im Jahr. 1988 bekamen wir 5,1 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit 3 Jahren. Damals bin ich aus der Gewerkschaft ausgetreten. Etliche Nullrunden, Erhöhung der Arbeistzeit auf 41 !!!!!! Stunden, Streichung des Urlaubsgeldes, Halbierug des Weihnachtsgeldes. Leistungen wurden immens zusammengestrichen. VW, Audi BMW etc. zahlen Sonderprämien bis zu 10.000 Euro, zahlen, W eihnachtsgeld, urlaubsgeld, ein Auto gibt es mit Vergünstigungen von über 20 %. Das will niemand sehen, man schimpft lieber über den öffentlichen Dienst. Schuld sind doch die Gewerkschaften, die sich immer nur wie geprügelte Hunde davonschleichen.

    Beamte dürfen nicht streiken ! Sie gehören dem öfentlcihen Dienst an. Aber wenn es den Beamten endlich einmal auf den Magen schlägen sollte und sie krank zu Hause bleiben, dann wäre das auch mal ein Zeichen !!

  • Ich bin für diesen Streik, er sollte noch schlimmer werden.
    Heute sind wir dran, bei uns fahren weder Busse noch Bahnen, viele sind nicht zur Arbeit gekommen, der Müll wird nicht geholt.
    Aber was solls. Sollte mal so drei Wochen am Stück sein, damit mal die Arbeitgeber wach werden
    Und eines sollten die Gewerkschaften gleich mit fordern: Sollten anschließend die Gebühren steigen, muß umgehend Klage eingereicht werden.
    Städte und Gemeinden verschleudern Geld für Unsinnigkeiten also können sie auch ihre AN ordentlich bezahlen

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