Ökonomen-Kritik: "Neutralität der Bundesbank aufs Spiel gesetzt"

Ökonomen-Kritik
"Neutralität der Bundesbank aufs Spiel gesetzt"

Erstmals melden sich Ökonomen im Fall Sarrazin zu Wort, darunter EZB-Chef Jean-Claude Trichet und der ehemalige stellvertretende Direktor der Bank of England. Sie kritisieren nicht nur den Berliner Ex-Senator sondern auch die Bundesbank.
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DÜSSELDORF. Die Reihe der Sarrazin-Kritiker ist zwar lang: hochrangige Politiker sind unter ihnen – Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Wulff an forderster Front – auch Kirchenvertreter und Prominente. Nur Sarrazins Kollegen hielten bisher still. Ökonomen äußerten sich zunächst nicht zu den umstrittenen Thesen. Doch jetzt melden sich renommierte Wirtschaftswissenschaftler aus dem In- und Ausland zu Wort.

„Als Bürger finde ich die Aussagen abstoßend“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet am Donnerstag. Der ehemalige stellvertretende Direktor der Bank of England, Howard Davies, distanziert sich ebenfalls von den Sarrazins Aussagen. "Angesichts ihrer enorm wichtigen Rolle in der Wirtschaftspolitik sollten sich Notenbanker aus kontroversen Debatten über andere Themen heraushalten. Die Unabhängigkeit der Notenbanken ist ein hohes Gut, das mühsam erkämpft wurde und nicht als selbstverständlich betrachtet werden darf", sagte Davies, der jetzt Direktor der London School of Economics ist. Wenn die Bank in andere Bereiche der Politik abschweife, besteht das Risiko, dass die Politiker die Unabhängigkeit der Bank beschneiden, so Davies.

Davies kritisiert auch heftig den großen Einfluss der Politik bei der Besetzung der Bundesbank-Posten. "Unsere Zentralbanker haben keine offene Verbindung zu einer Partei und versuchen alles, um den Eindruck zu vermeiden, dass sie die eine oder die andere Partei unterstützen. Ich denke, solch ein System ist das bessere, wie die Kontroverse in Deutschland derzeit zeigt."

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  • Wie gut das englische System ist wissen wir ja seit der bankenkrise genau. Mr. Davies sollte vor allen Aussagen seinen Gehirnkasten einschalten, falls er noch weiß wo der Schalter ist.

  • Wenn Vorstände der bundesbank politisch besetzt werden, dann dürfen sie auch freie Meinungsäußerungen wie Herr Sarrazin tätigen.
    Wenn wir uns alle tagtäglich anhören was andere Politiker von sich geben, so wäre es meines Erachtens ein Verstoß gegen die freie Meinungsäußerung Herr Sarrazin seines Amtes zu entheben.
    Exkurs: Anderesseits gibt es auch nachgewiesene (ehemalige) informelle Mitarbeiter der Stasi die noch ein bundestagsmandat haben haben.
    Hat Sarrazin dazu beigetragen, dass Menschen in haft kommen und gefoltert werden?

    Also lasst den Mann doch die eine oder andere Meinung tätigen, der im Exkurs genannte Politiker ist ja auch immer für einen Lacher gut, auch wenn dessen Hintergrund und Tätigkeitsfeld viel "dramatischer" ist.

  • Man lese bitte aus offenbar unverfänglicher Quelle (http://en.wikipedia.org)

    "..both the extent and location of the maternal ancestral deme from which the Ashkenazi Jewry arose remain obscure. Here, using complete sequences of the maternally inherited mitochondrial DNA (mtDNA), we show that close to one-half of Ashkenazi Jews, estimated at 8,000,000 people, can be traced back to only four women carrying distinct mtDNAs that are virtually absent in other populations, with the important exception of low frequencies among non-Ashkenazi Jews. We conclude that four founding mtDNAs, likely of Near Eastern ancestry, underwent major expansion(s) in Europe within the past millennium.."[1][20]

    Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Ashkenazi_Jews#Medical_genetics

    und die auf israelischer Arbeit basierende Zeilen:

    According to Daphna birenbaum Carmeli at the University of Haifa, Jewish populations have been studied more thoroughly than most other human populations because:[11]

    Geneticists are intrinsically interested in Jewish populations as a disproportionate percentage of genetics researchers are Jewish. israel in particular has become an international center of such research.
    Jewish populations, and particularly the large Ashkenazi Jewish population, are ideal for such research studies, because they exhibit a high degree of endogamy, yet they are sizable.
    Jewish populations are overwhelmingly urban, and are concentrated near biomedical centers where such research has been carried out. Such research is especially easy to carry out in israel, where cradle-to-grave medical insurance is available, together with universal screening for genetic disease.
    Jewish communities are comparatively well informed about genetics research, and have been supportive of community efforts to study and prevent genetic diseases.
    Participation of Jewish scientists and support from the Jewish community alleviates ethical concerns that sometimes hinder such genetic studies in other ethnic groups.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Medical_genetics_of_Jewish_people

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