Ökonomen warnen
Konjunktur droht der Benzinpreis-Schock

Der hohe Benzinpreis wird zum Risiko für die Wirtschaft im gesamten Euroraum. Steigen die Preise weiter, könnte die Konjunktur einbrechen. Ökonomen warnen eindringlich und fordern die Politik zum raschen Handeln auf.
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BerlinÖkonomen in Deutschland halten angesichts der hohen Benzinpreise einen Konjunktureinbruch für möglich und sehen nun die Politik am Zug, weitere Preissteigerungen zu stoppen. „Ein hoher Ölpreis ist in der Tat Gift für die gesamte Volkswirtschaft“, sagte die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Claudia Kemfert, Handelsblatt Online. „Die erhöhten Kosten für die deutsche Wirtschaft durch die Ölverteuerung gehen schnell in einen zweistelligen Milliardenbetrag, Geld das besser für die finanzielle Unterstützung von alternativen Kraftstoffen eingesetzt werden sollte.“ Ob die konjunkturelle Entwicklung abgewürgt wird, hängt nach Kemferts Einschätzung allerdings davon ab, wie stark der Ölpreis noch steigen und wie lange er hoch bleiben werde. Der vergleichsweise schwache Euro dämpfe derzeit die noch starken Steigerungen.

Pünktlich zur Osterreisewelle hatte der Benzinpreis Rekordhöhen erklommen. Am Freitagmittag lag der Preis für die verbreitetste Sorte Super E5 im bundesweiten Durchschnitt bei 1,704 Euro. Gegenüber dem Tagesdurchschnitt vom Donnerstag bedeutet das einen Anstieg von 1,4 Cent. Diesel verteuerte sich um 0,9 Cent auf 1,531 Euro pro Liter.

Auch der deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) hatte bereits gewarnt, die hohen Benzinpreise gefährdeten das Wirtschaftswachstum. „Bei zwei Euro an der Preistafel fängt die Konjunktur an zu knirschen“, sagte DIHK-Präsident Hans-Heinrich Driftmann der „Bild“-Zeitung. Hohe Anschaffungskosten für Energie und Rohstoffe seien für die Wirtschaft das „Geschäftsrisiko Nummer eins“.

Diese Einschätzung bestätigt auch Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der britischen Investmentbank Barclays Capital in Deutschland, der negative Auswirkungen auf den Konjunkturverlauf fürchtet. „Die steigenden Energiepreise bergen in der Tat ein ganz erhebliches konjunkturelles Abschwungpotenzial für den Euroraum“, sagte Polleit Handelsblatt Online. Verschärft wird die Situation seiner Einschätzung nach zusätzlich durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die ohnehin bereits inflationär ausgerichtete EZB-Geldpolitik begünstige den Preisauftrieb durch steigende Öl- und Benzinpreise und führe letztlich zu noch höheren Inflationsraten mit der Folge, dass die Kaufkraft nachlasse und die gesamtwirtschaftlichen Ausgaben abgebremst würden.

Dies dürfte für die Euroraum-Konjunktur umso gefährlicher sein, weil sich die Anzeichen für eine Kreditklemme mehren“, sagte Polleit. Der Barclays-Chefökonom wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Wachstum der Bankenkredite im Euroraum bereits abnehme, in inflationsbereinigter Rechnung sogar schrumpfe. „Das spricht dafür, dass der Abwärtsdruck auf die Konjunktur bei weiter steigenden Energiepreisen ganz erheblich ausfallen wird“, warnte Polleit. Wie Kemfert hält auch er ein Eingreifen der Politik für nötig. „Das Herabsetzen der Steuerbelastung für Energie wäre die geeignete Maßnahme, um den Abwärtsdruck auf die Konjunktur zu vermindern“, sagte er. „Sie zielt auch ordnungspolitisch in die richtige Richtung: die Steuer- und Abgabenlast für Bürger und Unternehmer zu senken.“

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Kommentare zu " Ökonomen warnen: Konjunktur droht der Benzinpreis-Schock"

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  • Ach nein, jetzt plötzlich mehren sich die Anzeichen für eine Kreditklemme wieder wo es gerade mal in eine Argumentation passt nachdem einem die ganze letzte Zeit erzählt wurde, dass die überwunden sei. Was soll man denn da überhaupt noch glauben?

  • @So-isses

    Statt das billige Geld der EZB und FED in die Realwirtschaft oder in Staatsanleihen zu investieren, wird damit an der Rohstoffbörse spekuliert.

    Das traut sich aber kein Politiker auszusprechen. Sie müssten ja einen Fehler zugeben.

  • Es gibt für die Bundesregierung überhaupt keinen Grund, auf die steigenden Benzinpreise zu reagieren. Die Politik greift schon viel zu oft in das Marktgeschehen ein; und trägt mit dazu bei, dass es zu noch größeren Verwerfungen an den Märkten kommt.
    Es muss alles unterbleiben, was die Durchsetzbarkeit von Preiserhöhungen begünstigt!

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