Ökonomen zu Griechenland „Athen sollte Sprung in eigene Währung wagen“

Seite 9 von 9:
Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums am IfW

„Einen Konflikt zwischen zwei Vertragspartnern lässt sich nicht dadurch lösen, dass man ein einseitiges Referendum abhält, das den Konflikt nur bestätigt. Auch wenn sich die Regierung Tsipras nun innenpolitisch bestätigt fühlt, so steht sie wirtschaftlich weiterhin vor dem Scherbenhaufen ihrer Politik. Mit dem gestrigen Mehrheitsvotum sind die Voraus-setzungen für eine Besserung der Lage in Griechenland schlechter und nicht besser geworden.

Die ökonomisch inkompetente und gegenüber den europäischen Partnern offen feindselig auftretende Regierung hat in den ersten sechs Monaten ihrer Amtszeit nicht nur kostbare Zeit vergeudet, sondern sie hat durch ihr chaotisches Agieren die ökonomische Entwicklung des Landes weit zurückgeworfen und das Vertrauen nicht nur der europäischen Partner, sondern – wichtiger noch – der so dringend benötigten Investoren pulverisiert. Nun steht zu befürchten, dass der das gesamte Land lähmende Attentismus, also die abwartende Haltung in der Hoffnung auf eine sich bessernde Situation, in die nächste Runde geht.

Darunter werden am stärksten diejenigen zu leiden haben, denen sich die amtierende griechische Regierung besonders verpflichtet zu fühlen glaubt, nämlich die Schwächsten der Gesellschaft. Diese sind dringend darauf angewiesen, dass die institutionelle Dysfunktionalität in Griechenland überwunden wird, damit marktfähige Produktionsstrukturen entstehen können, ohne die sich der allgemeine Lebensstandard nicht heben lässt.
Das Eurosystem hat keinerlei Mandat, die Reformunwilligkeit der griechischen Regierung monetär zu alimentieren. Um die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik nicht weiter zu beschädigen, muss (und kann) sich die EZB vor dem nationalen Missbrauch der Druckerpresse schützen, indem sie das griechische Bankensystem von der Geldschöpfungsmöglichkeit ausschließt.

Damit sieht sich das Land nun dem härtesten monetären Regime gegenüber, das es jemals hatte. Auch diese Konsequenz stand implizit zur Wahl beim gestrigen Referendum. Ein drittes Hilfsprogramm ist unter den jetzigen Bedingungen kaum in Sicht. Damit rückt vermutlich der Austritt des Landes aus dem Euroraum näher, auch wenn damit keines der Kernprobleme des Landes gelöst wird.“





Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite
Seite 123456789Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Ökonomen zu Griechenland - „Athen sollte Sprung in eigene Währung wagen“

78 Kommentare zu "Ökonomen zu Griechenland: „Athen sollte Sprung in eigene Währung wagen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Barry Eichengreen zur Schuldenkrise„ Griechenland braucht einen Marshallplan“: Natürlich braucht Griechenland einen Marshallplan. Wie sollte es auch anders wieder auf die Füße kommen mit einer Wirtschaft, die völlig am Boden liegt und auch in den Jahren von 2000 bis 2015 mit Hilfe aus Steuergeldern der EU –Staaten in eine Sackgasse gelockt worden ist, ein Land, das zum Spielball von Dilettanten wurde, die 1988 beschlossen, die deutsche Einheit gibt es nur über die Zwangsvereinigung Europas, weit weg von demokratischen Umgangsformen miteinander, über eine Währungsunion zu einer EUDSSR, zu der aber auch Griechenland als „Keimzelle Europas“ gehören muss – ein Beitrag tumber Politiker und überwiegender deutscher Staatsbürger mit Halbbildung. Vernünftige Staatsbürger in Deutschland haben in den 90er Jahren bis hinauf zum BVerfG mit Bildern gewarnt, die wir heute sehen – und nicht nur in Griechenland, sondern bei genauerem Hinsehen bis in unser Land: Die Zwangsvereinigung Europas war ein Misserfolgsmodell, das bis heute zu fast irreparablen Schäden geführt hat, die zwar dem imperialistisch geprägten Vermögens- und Finanzbereich unwahrscheinlichen Reichtum beschert, aber der Masse der Menschen in Europa nur traurige Wahrheiten offerierten, auch als Lehrbeispiel, wie eine Demokratie nicht funktionieren kann. Was Griechenland auch braucht, ist vor allem die Erkenntnis: Das war der völlig falsche Weg einer europäischen Einigung – Und je eher wir umkehren, umso besser für die Menschen in Europa. Die Erkenntnis, daß man die Einigung Europas nicht einigen Vertrauten des imperialistischen Großkapitals wie Draghi und Juncker überlassen darf, die keinerlei demokratische Legitimation besitzen, aber alle Vollmachten zu handeln.

  • @ Benzinkanister
    Das mit dem Sumpf und den Fröschen könnte man natürlich auch gut für das sonntägliche Referendum anwenden !!!!!

  • Ich frage mich ernstlich, ob nicht unsere Fachleute unter Quarantäne gestellt werden sollten.
    Warum nur sollten die Griechen aus dem Euro und der Union freiwillig austreten? Was hätten die Griechen davon?
    Alle Zuflüsse von aussen sind zusätzliche Schulden und festere Knebel. Kommen die weiterhin ... fein! Kommen die nicht, dann eben nicht. Das Land benötigt für die Binnenwirtschaft ein funktionierendes Tauschmittel. Kommt vom Schwarzmarkt oder von der Regierung. Alle weltweit valutierbaren Währungen gibt es zusätzlich. Punkt.
    Der Rest sind die Probleme der Aussenwelt..
    Pleite ist pleite. Erst durch den Ausschluß von Gläubigern wird der Binnenbesitz wieder werthaltig. Und der ist ja da. Importieren kann man mangels Zahlungsfähigkeit sowieso nicht.
    Bleiben die Kostbarkeiten "Mitglied" zu sein. Dies ist der einzige Wert, der noch Aussenwirkung hat. Warum sollten die Griechen ersatzfrei darauf verzichten? Weil die Griechen dümmer als die Fachleute sind? Geht das überhaupt?

  • Wenn ich mir die Namensliste dieser Ökonomen anschaue und google welche Interessensgruppen diese vertreten, wundert mich nichts mehr.
    „Will man den Sumpf austrocknen, läßt man nicht
    die Frösche darüber abstimmen.“

  • Als der Euro in Griechenland eingeführt wurde, wurden die in Drachme lautende griechische Anleihen einfach in EURO umgewandelt, die Verzinsung aber blieb die gleiche, also sehr hoch.
    Jetzt, falls die Drachme in Griechenland wieder eingeführt wird, sollten die in Euro lautende Anleihen in Drachme umgeschrieben werden, mit der gleichen Verzinsung, das heißt circa 2%.
    Das wäre einfach gerecht.

  • @ Bert TheAce -

    >> Griechenland hat sich mit seinem OXI von Europa völlig entfernt und selbst disqualifiziert. >>

    Griechenland ist nach wie vor ein Land in Europa, Mitglied der EUtopia und auch der € - Zone ( die Betonung liegt hier natürlich auf "Zone " ).

    Griechenlands Konsequenz sollte es sein, die EUtopia und die Zone zu verlassen.
    Ihr Vorteil : 100 %-er Schuldenschnitt, Neuanfang und weiterhin souverän.

    Der Verbleib in der Zone und in der EUtopia bedeutet weiterhin Knechtschaft.

    Die Griechen haben es nur noch nicht verstanden, dass die EUtopia sie ausbeutete, ausbeutet und weiterhin ausbeuten wird.

    Die Parallelen zur UdSSR tun sich auf :

    - die UdSSR war ein LAND, IN DEM RUSSLAND AUF EIGENE KOSTEN DIE Peripherie-Republiken ALIMENTIERTE UM SIE IDEOLOGISCH BEI LAUNE ZU HALTEN, bis Russland das nicht mehr konnte und wollte. Die UdSSR fand mit dem Zerfall sein logisches Ende.

    - die EUtopia ist ein Verbund, in dem der Kern Europas ( D, F, Au, NL) auf Kosten der Peripherie-Länder ( Gr, I,P,Sp,etc. ) versucht sich seinen Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Die Peripherie-Länder werden nach und nach das nicht mehr wollen und können. Die EUtopia wird zerfallen und im Streit ausseinander gehen.

    Ein kluger lernt immer aus Fehlern der Anderen, ein Dummkopf muss die Lehre auf eigenem Leib machen.

  • Die Frage von papadopoulos an Marc Otto von 17:30 Uhr kann man ganz grundsätzlich beantworten: natürlich haben weder der Kommentator noch ich eine direkte Überweisung Richtung Hellas gemacht (Funktionären der Grünen habe ich allerdings mehrfach vergeblich empfohlen, statt wohlfeiler Forderungen zu Lasten Dritter private Spenden aus ihrem üppigen Gehalt an Bedürftige in GR zu tätigen…). Aber ohne die jahrzehntelange unendliche Verschwendung (zwar auch über Athen an die Banken, aber nicht nur!) hätte unser Finanzminister schon häufig die Steuern senken können, zumindest für kleinere und mittlere Verdiener. Er hätte auch die auf nachfolgenden Generationen lastenden deutschen Schulden zurückbezahlen können. Nein, wir haben schon genug mit dem unseligen und wenig produktiven innerdeutschen Länder-Finanzausgleich, der indirekt Faulheit belohnt und Fleiß bestraft. Einen europäischen gleich welcher Art lehnen wir strikt ab. Dummerweise sind wir aber dank EZB und den selbsternannten EU-"Eliten" da schon mitten drin.

  • Der Begriff 'Europa' ist der Name der Tochter des Königs Agenor aus Phönikien in der Sage der Antike. Mit dem modernen Europa als politische Einheit hat dieser Begriff absolut NICHTS zu tun. Deshalb hat auch Griechenland mit Europa keinerlei Verbindung. Griechenland hat sich mit seinem OXI von Europa völlig entfernt und selbst disqualifiziert.

    Der GREXIT ist die logische Konsequenz aus der Volksabstimmung.

    Die EU muss nun rasch handeln !!!

  • Streitet euch nicht, Marc Otto ist nicht Gordon flash und einen Goldklumpen im Wert von 5 Mio hat er auch nicht.

    Für diese kindischen Streitereien ist es viel zu heiß und der Dalai Lama wird heute achzig. Orientiert euch am Weisheitpotential dieses Menschen und trinkt ein kühles Bier.

    Das mache "Ich" gerade in der Erkenntnis,das es dieses überschätzte "Ich" gar nicht gibt. "g"

  • MARC OTTO,

    Was genau willst du? hast du irgend ein Cent an irgend einen Griechen bezahlt und wenn ja, nenn mir warum und wie!
    Aber bitte nicht mit deinem Troll gelaber...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%