Ökonomie des Terrors Das Franchise-Unternehmen Al-Kaida

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Experten untersuchen das von einem Al-Kaida-Anschlag verwüstete Argana-Café in Marrakesch. Quelle: dpa

Experten untersuchen das von einem Al-Kaida-Anschlag verwüstete Argana-Café in Marrakesch.

(Foto: dpa)

Bin Laden selbst sei in den vergangenen Jahren ohnehin im Wesentlichen nur noch "mit dem Selbstschutz beschäftigt gewesen", sagt der Terrorexperte Rolf Tophoven. Eine "neue Generation von Al Kaida ist nachgewachsen, die Bin Laden gar nicht persönlich kannte, sondern nur von seinem Geist des Kampfs gegen die Ungläubigen beflügelt ist".
Andererseits führe das Ausschalten der Schlüsselfigur bin Laden auch zu einem Machtvakuum - zumindest im "spirituellen" Raum von Al Kaida, prophezeit Terrorismusforscher Brück. "Es wird jetzt einen Machtkampf um die Nachfolge geben, mit dem positiven Nebeneffekt, dass die Organisation sich etwas auf sich selbst konzentrieren wird", ist sich Brück sicher und verweist auf Erfahrungen aus dem Kampf gegen die Mafia und andere organisierte Kriminalität. Vereinzelte Schläge gegen die Köpfe dieser Banden könnten "durchaus eine bremsende Wirkung haben", so Brück. Allerdings könne der Kampf um die Nachfolge und der Kampf um die Legitimation des Nachfolgers auch mit "schrecklichen Attentaten" verbunden sein. "Bin Ladens Nachfolger - und es können möglicherweise auch mehrere Personen werden-, wird sich auch militärisch beweisen müssen. So wird die Spirale von Gewalt mit dem Tod von bin Laden nicht enden."

Al Kaida ist nach der Einschätzung des Ökonomen Friedrich Schneider auch nach dem Tod bin Ladens finanziell gut aufgestellt. Nach Einschätzung Schneiders, der als Wirtschaftsprofessor an der Johannes-Kepler-Universität in Linz die Finanzströme islamischer Extremisten untersucht hat, speist sich die Finanzierung der Organisation vor allem aus Einnahmen aus dem Drogenhandel in Afghanistan (50 Prozent). Ihr Vermögen werde auf rund fünf Milliarden Dollar geschätzt, sagte er Handelsblatt Online

Weitere wichtige Einnahmequellen seien der illegale Diamantenhandel aus Zentral- und Westafrika (15 Prozent), Kleinkriminalität wie Entführungen und Schutzgelderpressung (10 Prozent) sowie Spenden und Zuwendungen (15 Prozent). Das Vermögen Bin Ladens mache nur etwa zehn Prozent der Gesamtfinanzierung aus.

Neben Pakistan, wo die Untergrundtruppe Lashkar-e-Taiba mit Al Kaida kooperiert, und Afghanistan mit den Taliban sind Al-Kaida-Zellen vor allem im Jemen, in Zentralasien sowie in den nordafrikanischen Maghreb-Staaten stark. Immer wieder ist es dort zu Anschlägen von "Dschihadisten" gekommen, wie sich die angeblichen Gotteskrieger selbst nennen. Allerdings haben die Al-Kaida-Ableger weder in Tunesien noch in Ägypten oder Libyen eine Rolle bei den dortigen Umstürzen spielen können. Mit den "Facebook-Revolutionären" in der arabischen Welt haben die Dschihadisten nie eine gemeinsame Sprache gefunden.

"Das Timing der amerikanischen verdeckten Operation im pakistanischen Abbottabad ist dabei ein zusätzliches Problem für die Gotteskrieger", sagt Al-Kaida-Experte Thomas Rid von der Universität Konstanz. "Der heilige Krieg wird wohl noch unübersichtlicher. Das könnte seine Eindämmung erschweren." Es wachse "die Gefahr, dass Terroristen, mit dem Rücken zur Wand, verzweifelten Tatendrang entwickeln".

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7 Kommentare zu "Ökonomie des Terrors: Das Franchise-Unternehmen Al-Kaida"

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  • Ich halte Ihre Überschrift für absurd. Erfolgreiches Franchising setzt im Gegensatz zum "Terrorgeschäft" von Al Kaida eine starke Systemzentrale voraus.

    Das Erfolgskonzept der asymmetrischen Kriegsführung durch Terrororganisationen, das auf der Unsichtbarkeit des Angreifers beruht, wird mit Ihrem Vergleich auf den Kopf gestellt.

    Gruß U. Kessler

  • Nichts gegen den Artikel an sich, aber der Vergleich von Al-Kaida mit einem Franchise-Unternehmen hinkt nicht nur, sondern ist schlichtweg falsch. Dieser Vergleich wird inzwischen regelmäßig unhinterfragt übernommen. Wer nur ein wenig vom Franchising versteht, weiß, dass alle zentralen Elemente von Franchise-Systemen nicht auf Al-Kaida zu treffen. Franchise-Blog.de nennt derzeit viele gute Argumente, warum dieser Vergleich nicht mehr verwendet werden sollte.

  • Wiedermal ne Aufwärmung des Terror-Drogenmärchens.
    Steht es mit der Weltwirtschaft tatsächlich schon soo schlimm dass mal wieder so ne Ablenkung von Nöten ist? Es schaudert mich in der Berichterstattung ständig so selektiv bedient zu werden.
    Zur Klärung des 9-11 Events wäre für mich eine Analyse, wer direkt und inzwischen welche finanzwirtschaftlichen Veränderungen erlebte wichtig. Schauen wir uns mal in aller Ruhe den nächsten Schelmenstreich in Richtung Weltherrschaft an...

  • Das die Al Quaida sich mit Drogenhandel finanziert kann nicht stimmen, da diese genauso wie die Taliban strikt gegen Opiumanbau in Afghanistan waren.
    In der Zeit in der die Taliban in Afghanistan regiert haben gab es dort fast keinen Opiumanbau / Heroinproduktion – das ist eine Tatsache die gerne verschwiegen wird.
    Ein eventueller Auslöser für die „Ent-Talibanisierung???“
    (Die schnellste Quelle die ich zu dieser Info gefunden habe: http://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan#Drogenproduktion) Nein nicht von mir editiert.

    Erst seitdem die USA die Taliban vertrieben haben floriert wieder die Opiumproduktion, denn die Drogenbarone zahlen den armen Bauern pro Tonne Opium mehr als für Weizen oder andere Lebensmittel... Somit ist das für die Bauern vermeintlich lukrativer.

    Das man aber nun die so gesehen „Erzkonservative“ Al Quaida als Drogenhändler betitelt ist genauso propagandistisch wie die Taliban als Terroristen beschimpfen.

    Im Focus gab es (ich denke so gegen 2003) einen Interessanten Artikel in dem sich hohe Kommandeure der Bundeswehr zu ihrem Afghanistaneinsatz äußern. Darin wird klar beschrieben das die nicht gegen Terroristen alla Bin Laden kämpfen die sich im Gebirge verschanzen sondern gegen - mit besten Waffen ausgerüstete - Soldaten der Drogenbarone.

    Eine Bitte an die Autoren Neuerer, Brüggmann und Scheidges, vielleicht könntet ihr das mal ein wenig recherchieren vor allem der damalige Focus Artikel war echt klasse.

    Viele Grüße
    CV
    Nein ich bin weder Araber noch Moslem noch irgendein Verschwörungstheoretiker...
    Ich lauf lediglich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und glaube nicht alles ohne darüber kurz nachgedacht zu haben ; )

  • "...arbeitet wie ein Firmengeflecht, finanziert sich aus dem Drogenhandel, der Unternehmenszweck ist der Terror. Experten sind überzeugt, dass das "Unternehmen" von der Tötung Bin Ladens sogar profitieren wird." ... damit kann nur der CIA gemeint sein.

  • Sehr richtig bemerkt. Verschwände Al Kaida wäre auch das Sicherheitsgewerbe arbeitslos und ohne Existenzberechtigung.Im Wirtschaftsleben wäre es ein fundamentaler Fehler, diejenigen zu beseitigen von deren Existenz man abhängt. Kein Kaufmann bringt seinen "Hauptabnehmer" um die Ecke und hofft auch noch davon zu profitieren. Im Gegenteil, ein kluger Kaufmann stärkt die Kaufkraft seiner Kundschaft.

  • Eine ganz interessante wirtschaftliche Analyse! Nur fehlt hierzu nun Teil 2 èber all jene Personen/Organisationen, die im westlichen Lager mit den Aktivitäten von al-Qaida ihr Sèppchen kochen oder gar davon abhängen. Man denke da an politische Scharfmacher, die die Bürgerrechte noch weiter einengen wollen, an den Staatsapparat (Polizei, Armee, Geheimdienste), der damit seine Budgetwünsche begründet, das gesamte Sicherheitsgewerbe, das mit al-Qaida groß geworden ist und mit deren Verschwinden um seine Existenz bangen müßte, usw usw. Da würde eine Analyse erst richtig interessant und auch brisant.

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