Ökonomie des Terrors
Das Franchise-Unternehmen Al-Kaida

Al Kaida arbeitet wie ein Firmengeflecht, finanziert sich aus dem Drogenhandel, der Unternehmenszweck ist der Terror. Experten sind überzeugt, dass das "Unternehmen" von der Tötung seines Chefs sogar profitieren wird.
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DüsseldorfNach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird der Tod von Osama bin Laden das Terrornetzwerk Al Kaida mehr stärken als schwächen. "Sein Tod wird eine neue Generation von Gotteskriegern motivieren, sich auf sinnlose ideologische und gewalttätige Schlachten einzulassen", schreibt der Leiter der Abteilung Weltwirtschaft am DIW, Tilman Brück, in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. "Oft sind diese Kämpfer, die untersten Glieder der Wertschöpfungskette im globalen Terrorismus, motiviert, sich individuelle Anerkennung und einen Lebenssinn zu schaffen. Das Aufopfern für einen überlebensgroßen Anführer kann hier eine wichtige Rekrutierungsstrategie des mittleren Managements der Terroristen sein." Die Kommandoaktion gegen bin Laden könne daher sogar zu einem "verstärkten Zulauf und einer Radikalisierung der Terroristen führen, mit negativen Konsequenzen für westliche Demokratien".

Brück, zu dessen Forschungsschwerpunkt auch die Ökonomie von Terrorismus zählt, sieht in Al Kaida eine Organisation mit Unternehmensstrukturen. Das Netzwerk sei "mittlerweile eine weitverzweigte, wenn nicht zersplitterte, Gruppe - eher einem Franchise-Unternehmen ähnlich, wenn nicht einem ganzen Marktsegment", beschreibt es der Ökonom. Die Organisation existiere auch, "weil ihre Gründer Plattformen suchen, sich und ihre Ideen darzustellen und weil sie Macht über ihre Untergebenen ausüben wollen", erläutert Brück. "Ähnlich wie andere Gruppen-basierte Institutionen einschließlich Firmen konkurrieren die Terrorzellen um Finanzierungen und Mitarbeiter - unter anderem mit einem Wettstreit der Angriffe und des Presseechos. Größere, ungewöhnlichere Angriffe verbreiten die eigene Ideologie - aber ziehen auch neue Ressourcen und Täter an." So entstehe ein Teufelskreis. Diese "Logik der Gewalt" könne durch das Ausschalten einzelner Anführer nur bedingt unterbrochen werden. "Al Kaida ist zu etabliert, als dass es als One-Man-Show nur von bin Laden abhängen würde", schreibt der DIW-Ökonom.

Die Tötung Bin Ladens ist "zweifellos ein schwerer Schlag für Al Kaida", ist sich auch der pakistanische Taliban- und Terrorexperte Ahmed Rashid sicher. "Aber seit Jahren schon hat das Netzwerk seine stark zentralisierte Hierarchie aufgegeben."

Rashid bezeichnet Al Kaida ebenfalls als "ein Franchise-Unternehmen", das nach dem Motto operiere "Ein Mann, eine Bombe." Sie würden jetzt aus Rache für die Ermordung Bin Ladens Anschläge verüben. "Al Kaida wird nicht so schnell verschwinden", sagt Rashid.

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  • Ich halte Ihre Überschrift für absurd. Erfolgreiches Franchising setzt im Gegensatz zum "Terrorgeschäft" von Al Kaida eine starke Systemzentrale voraus.

    Das Erfolgskonzept der asymmetrischen Kriegsführung durch Terrororganisationen, das auf der Unsichtbarkeit des Angreifers beruht, wird mit Ihrem Vergleich auf den Kopf gestellt.

    Gruß U. Kessler

  • Nichts gegen den Artikel an sich, aber der Vergleich von Al-Kaida mit einem Franchise-Unternehmen hinkt nicht nur, sondern ist schlichtweg falsch. Dieser Vergleich wird inzwischen regelmäßig unhinterfragt übernommen. Wer nur ein wenig vom Franchising versteht, weiß, dass alle zentralen Elemente von Franchise-Systemen nicht auf Al-Kaida zu treffen. Franchise-Blog.de nennt derzeit viele gute Argumente, warum dieser Vergleich nicht mehr verwendet werden sollte.

  • Wiedermal ne Aufwärmung des Terror-Drogenmärchens.
    Steht es mit der Weltwirtschaft tatsächlich schon soo schlimm dass mal wieder so ne Ablenkung von Nöten ist? Es schaudert mich in der Berichterstattung ständig so selektiv bedient zu werden.
    Zur Klärung des 9-11 Events wäre für mich eine Analyse, wer direkt und inzwischen welche finanzwirtschaftlichen Veränderungen erlebte wichtig. Schauen wir uns mal in aller Ruhe den nächsten Schelmenstreich in Richtung Weltherrschaft an...

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