Ökonomische Wochenschau
Deutschlands Dienst-Leister

Im Juli 1973 wertete die Bundesregierung den Zivildienst auf. Gesellschaftlich war das eine große Errungenschaft. Volkswirtschaftlich jedoch richteten die "Zivis" mehr Schaden an, als sie Nutzen stifteten.

BOCKHORN. Peter Tobiassen ist Pazifist - ein staatlich geprüfter. Deswegen ist er auch eine Kämpfernatur. Seit 30 Jahren streitet der Friese für ein Grundrecht: das Recht, den Wehrdienst aus Gewissensgründen zu verweigern. Bis in die 70er-Jahre hätte Tobiassen als "Muster sozialer Abweichung" gegolten. Konservative hätten ihn einen "Drückeberger" geschimpft - jemanden, der jedenfalls nichts Gutes gegen Vater Staat im Schilde führt.

Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen die Staatsgewalt? "Ein bisschen was hatte es sicher davon", erinnert sich Tobiassen, 52. Zumindest ist der Zivildienst ein politisches Statement - bis heute. Tobiassen serviert Tee mit Kandis, dazu belegte Brötchen. Sein Widerstandsnest liegt unter dem Dach eines Backsteinhäuschens, das in einem verwilderten Garten steht. Neben der Klingel steht "Zentralstelle für Recht und Schutz der Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen (KDV)". Bis zum Deich ist es ein Katzensprung. Hier, wo die Landschaft flach ist und der Himmel weit, in Bockhorn am Jadebusen, laufen heute die Fäden für Deutschlands Kriegsdienstverweigerer zusammen.

Peter Tobiassen arbeitet nicht nur für die Zentralstelle KDV, er verkörpert die Organisation geradezu. Angefangen hat er 1978 als Hilfskraft. Inzwischen ist er Geschäftsführer. Sein Leben hat er dem Kampf gegen die Wehrpflicht verschrieben: "Wir machen aber keine Propaganda, sondern begleiten und beraten Menschen bei ihrer Entscheidung, den Dienst mit der Waffe zu verweigern." Seit Gründung der Bundeswehr 1955 haben das mehr als drei Millionen junge Männer getan. Eine Erfolgsgeschichte?

Vor 35 Jahren, am 1. Juli 1973, trat das "Dritte Gesetz zur Änderung des Gesetzes über den zivilen Ersatzdienst" in Kraft. Es stellte Wehr- und Ersatzdienst zwar nicht im juristischen Sinne gleich; das ist bis heute nicht der Fall. Die Reform setzte aber einen Schlusspunkt unter eine kontroverse gesellschaftliche Debatte.

Der Einsatz fürs Volk jenseits von Kanone und Kaserne erhielt Bundesamt und Bundesbeauftragten. Der Zivildienst galt nicht länger als vaterländischer Verrat. Die Folge: Immer mehr Männer folgten ihrem Gewissen. Aus der Betreuung von Alten, Kindern und Behinderten waren die "Zivis" bald nicht mehr wegzudenken. "Drückeberger" wurden zu "Engeln auf Zeit" - und in den Augen vieler Befürworter fast zu einem neuen Wirtschaftsfaktor.

Seite 1:

Deutschlands Dienst-Leister

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%