Ökostrom-Umlage
CSU will die Energiewende auf Pump

Die bayerische Landesregierung will die Energiewende zum Teil per Kredit finanzieren. Die Ökostrom-Umlage könnte dann – wenn es nach Wirtschaftsministerin Ilse Aigner geht – deutlich sinken.
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MünchenBayern will den Streit über steigende Strompreise als Folge der Energiewende einem Zeitungsbericht zufolge mit einem neuen Finanzierungsmodell entschärfen. Der Vorschlag aus dem Landeswirtschaftsministerin unter Führung von Ilse Aigner (CSU) sehe im Kern vor, große Teile der Energiewende über Kredite zu finanzieren, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ (Samstagausgabe). Die Stromkunden würden demnach nur noch einen Festbetrag für den Ausbau der erneuerbaren Energien zahlen, der sich an ihrem Verbrauch orientieren könnte. Darüber hinaus benötigtes Geld könnte über einen Fonds am Kapitalmarkt aufgenommen werden. Die Stromkunden sollten die Schulden dann über viele Jahre abtragen.

„Eine echte sofortige Entlastung“ lasse sich so realisieren, wirbt das CSU-Papier. Damit käme auch die zuletzt heftig umstrittene Ökostrom-Umlage aus dem Schussfeld. Mit ihr werden die Stromkunden an den Kosten für Wind- und Sonnenstrom, Geothermie- und Biomassekraftwerken beteiligt.

Durch den massiven Ausbau erneuerbarer Energien war diese Umlage in den vergangenen Jahren jedoch stetig gestiegen - von gut zwei Cent im Jahr 2010 auf mittlerweile 6,2 Cent je Kilowattstunde. Einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt kostet die Förderung des Ökostroms damit in diesem Jahr fast 220 Euro, verglichen mit 70 Euro vor vier Jahren. Rund 20 Milliarden Euro kamen allein 2013 so zusammen, Tendenz steigend.

Der Aigner-Vorschlag würde diese Dynamik durchbrechen. Laut „Süddeutscher Zeitung“ rechnet das bayerische Wirtschaftsministerium dies in dem Papier für eine fixe Umlage von 4,9 Cent durch, was 170 Euro je Haushalt und Jahr ausmachen würde. Weil so nicht genug Geld zusammenkäme, um alle Zusagen zu finanzieren, soll der Rest aus einem „Streckungsfonds“ bestritten werden. Auf bis zu 72 Milliarden Euro könne dieser in den kommenden zehn Jahren anwachsen.

Verbraucherschützer begrüßten den Vorstoß. „Damit ließen sich die Strompreise auf Jahre hinaus stabilisieren“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Der Fonds ersetze aber keine Reform des Fördersystems. „Das Ganze macht nur Sinn, wenn der Ausbau günstiger und effizienter wird als bisher.“ Die Branche selbst warnte vor dem Fonds. Er belaste künftige Generationen zusätzlich, hieß es dem Bericht zufolge beim Ökoenergie-Verband BEE. Auch sei fraglich, ob die EU mitspiele.

Die neue Bundesregierung will das Fördersystem für erneuerbare Energien möglichst rasch reformieren. Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel hatte kürzlich einen Neustart der Energiewende angekündigt. Er will bald Eckpunkte für eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes vorlegen.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ökostrom-Umlage: CSU will die Energiewende auf Pump"

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  • Für diese "gute" Idee sollte man der Ilse wirklich einmal die Hosen ordentlich stramm ziehen.
    Der Vorschlag kommt geradewegs aus dem Hause Goldman sucks.
    Der Fonds wird von der Bank finanziert und wirft sichere und gute Zinsen ab.D.h. am Ende sind die Schulden doppelt so hoch.Das hat in Griechenland hervorragend funktioniert.
    Mit ein paar CDS und anderen Tricks kann man die Schulden leicht aufs zweifache oder dreifache potenzieren.Bankster sind da sehr erfinderisch.
    Jetzt fehlt nur noch Horstl das schnurrende Schmusekätzchen und Hr.Sommer vom DGB.

  • Wie unsozial sich diese EEG-gesteuerte Energiewende doch entwickelt. @Robin Hood, Ihr Beitrag macht deutlich, dass die Energiewende steuerfinanziert werden muss. Die Eigennutzer oder Optimierer sind niemals autark. Finanzstark verabschieden sie sich schleichend von der Finanzierung der Infrastruktur (Netze, Ersatzkraftwerke ..).

    Die nicht privilegierten Stromverbraucher zahlen die hinterlassene Milliarden-Zeche zunehmend alleine. Weitere Steigerungen der schon höchsten Strompreise sind so vorprogrammiert.

    Mit der Differenz zwischen den rund 4 ct/kWh Marktwert und den 30 ct/kWh, den der normale Stromverbraucher bezahlen muss, wird vieles finanziert. Sehen Sie sich die Preisbestandteile an. Was wird damit im Einzelnen finanziert?! Begonnen mit der sogenannten Konzessionsabgabe, die die Kommunen kassieren. Man wird sich beim Bürger wieder schadlos halten (müssen). Das gilt für die gesamten staatlichen Haushalte.

    Die Unternehmen im Wettbewerb mit ausländischer Konkurrenz werden begründet entlastet. Ausländische Mitwettbewerber zahlen diese Umlage nicht. Es ist widersinnig, hocheffektive Industrie zu vertreiben. Das ist nicht gut für Klima und Umwelt. Die Arbeitsplätze nicht vergessen. Ja, es gibt Missbrauch, den gibt es aber im gesamten EEG-Konstrukt. Es ist ein Armutszeugnis der Politik, was hier zugelassen wird.

    Wer hier gefördert und bereichert wird ist auszumachen. Es ist eine treffliche Ablenkung, wenn behauptet wird, Stromkunden finanzieren die Gewinne der befreiten Unternehmen. Die einfachen Stromkunden finanzieren die zwanzig Jahre lang garantierten Einspeisevergütungen und somit die Renditen der EE-Einspeiser. Eine nie dagewesene Umverteilung von Arm nach Reich. Nichts gegen "Optimal Energiesparen", damit wird aber ebenfalls nicht selten Profit zu Lasten der Verbraucher generiert ohne dass diese einen Nutzen davon hätten. Dort nur Gut, hier nur Böse? Nein, die Eigenverbraucher und Optimierer verabschieden sich weiter egoistisch, das kann so nicht bleiben!

  • Warum soll der Bürger die Energiewende beim Strom bezahlen? Der neue Versuch den Energieendkunden hohe Strompreise als Dauerzustand einzureden und Ökostrom als Sündenbock vorzuschieben, ist genauso plump wie falsch.
    Denn mit den Photovoltaik-Einnahmen lassen sich mit dem EEG keine hohen Renditen mehr erzielen. Im Bereich Eigenstromverbrauch dagegen schon. In Verbindung mit Hausstromspeicher + wirtschaftlich unschlagbaren Wärmewellenheizungen sind Einsparquoten über 80% längst umsetzbar. Es bleiben noch 20% Fremdenergiebezug (Strom+Heizungswärme). Die EEG-Umlage spielt dabei keine Rolle.
    Mit neuer Technik sind sogar Bewohner von Mietwohnungen in der Lage, Strom+Heizungswärme selbst zu erzeugen und sparen weit über 30%. Es ist schon ein entscheidender Vorteil, wenn die zweite Miete von Strom+Heizungskosten gleichzeitig um mehr als 1/4 runter geht.
    Um die technische+ wirtschaftliche Überlegenheit der neuen Energiesysteme zu verstehen hilft das Buch „Optimal Energie sparen beim Bauen, Sanieren und Wohnen“. Anhand der dort analysierten Energieeinsparmaßnahmen und teilweise besonders niedrigen Investitionskosten wird deutlich, welche Gefahren den „alten“ Energieversorgern durch massive Umsatzeinbußen und Kundenabwanderungen drohen, wenn die Energiewende beim Heizen, d.h. weg von der Verbrennung von Öl+ Gas, erst einmal ins Rollen kommt.
    Gabriels Auftrag ist es, energisch sinnvolle Konzepte zu fördern. Die bundesweite Umstellung auf CO2-freie Energieversorgung ist und bleibt eine staatliche Aufgabe, genauso wie die jahrzehntelange Steuerförderung der Atomkraft. Dies kann niemals zu Lasten der aktuellen und zukünftigen Stromkunden erfolgen.
    Schon gar nicht dürfen die teilweise finanziell angespannten Stromkunden die Gewinne der von den Umlagen befreiten Unternehmen finanzieren. Sonst produziert man sich unnötige Energiearmut.
    Bleibt zu hoffen, dass Energiearmut nicht mit zusätzlichen Krediten bezahlt wird und die Bürgerenergiewende durchstartet, notfalls auch ohne Politik.

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