Ökostromkosten explodieren
„Klimaschonende Energie hat ihren Preis“

Die Ökostrom-Förderung, die alle Verbraucher mitbezahlen, steigt 2011 auf ein Rekordhoch. Hinter den Kulissen tobt eine Debatte über Sinn und Unsinn der Förderung. Im Fokus: die hohen Solarsubventionen. Nun versuchen Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und die Ökobranche, den Vorwurf der Preistreiberei zu entkräften.
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HB BERLIN/HAMBURG. Jedes Jahr zum 15. Oktober müssen die Netzbetreiber die Festlegung der Summe für das kommende Jahr bekannt machen. Und die hat es in sich: Die Umlage werde 2011 um rund 1,5 Cent auf ein Rekordhoch 3,530 Cent je Kilowattstunde, teilten die vier Übertragungsnetzbetreiber am Freitag mit. Damit belaufe sich die Einspeisevergütung für Produzenten von Strom aus regenerativen Energiequellen auf 16,7 Milliarden Euro.

Je stärker die Verbraucher den teuren Ökoenergieausbau im Geldbeutel spüren, desto stärker wird auch nach der Sinnhaftigkeit der Förderung gefragt werden. Die Verteidiger der grünen Energie geraten in die Erklärungsdefensive. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und die Ökostrom-Branche führen den hohen volkswirtschaftlichen Nutzen ins Feld.

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer (VEA) verlangte die Abschaffung der Ökostrom-Umlage. „Die Bundesregierung muss das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) abschaffen oder den Ausbau der Erneuerbaren Energien wenigstens deckeln“, sagte das geschäftsführende Vorstandsmitglied Manfred Panitz. Sein Verband vertritt vor allem Stromkunden aus dem Bereich mittelständischer Firmen und öffentlicher Einrichtungen. Die Subventionen für den Ausbau der Erneuerbaren verteuerten unnötig den Strompreis, ohne in gleichem Maße den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern. Der energiepolitische Sprecher der Unionsfraktion Thomas Bareiß, warnte, die Verbraucher dürften nicht zu stark belastet werden, sonst verlören die Erneuerbaren Energien an Akzeptanz.

Sein Parteikollege, Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), verteidigt dagegen die Ökostrom-Förderung vor Kritik an den steigenden Kosten für Verbraucher. „Der ökonomische Wert der erneuerbaren Energien übersteigt die Kosten bei weitem“, sagte er der „Financial Times Deutschland“. „Nachhaltige und klimaschonende Energiesicherheit ist ein Wert, der auch einen Preis hat“, sagte Röttgen. So biete die Branche inzwischen 340 000 Arbeitsplätze, eine rasant wachsende Wertschöpfung und entscheidende Innovationsimpulse.

Der CDU-Politiker stellte sich auch hinter die Solarenergie, die für den Großteil der Mehrkosten verantwortlich ist. „Langfristig brauchen wir alle verfügbaren Technologien, um eine sichere und klimaschonende Energieerzeugung zu erreichen.“ Zugleich rief er die Solarbranche auf, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. „Es ist jetzt an der Branche, durch Innovationen, Senkung der Kosten und die Erschließung von Auslandsmärkten ihre Abhängigkeit vom deutschen Markt zu vermindern.“

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  • Genauso lieber Torsten Steinberg: Eben, eben. Hier geht es doch nicht um Kernkraft. Auch wenn ich nicht so sicher bin, dass "Global Warming" auf CO2-Zunahme in der Atmosphäre zurückzuführen ist, ist doch Tatsache, dass die fossilen Energieträger begrenzt sind. Und wenn dann erneuerbare Energien, dann doch die,die volkswirtschaftlich am meisten Sinn machen, und dazu gehört die Photovoltaik hier in Deutschland nicht.

  • Lieber FoCS,

    mein vor ihrem beitrag geäußerter Vorschlag zielt gerade darauf ab, solche beiträge wie den ihren zu vermeiden. Mit der Zeit sollte doch auch ihnen klar geworden sein, dass solche Einwände, wie Sie regelmäßig vorbringen, von der Gegenseite mit ebenso "sachlichen" Zahlen über die wahren Kosten der Kernkraft beantwortet werden. Auf diese Weise sind weder wir fachlich unbedarften und ideologisch vorbelasteten Kommentatoren der Wahrheit einen Schritt näher gekommen, noch ist damit einer sachlich fundierten Meinungsbildung in der Politik, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit ein Dienst getan.

    Es macht meines Erachtens auch keinen Sinn, in der Frage unserer zukünftigen Energieversorgung zum jetzigen Zeitpunkt ganz populistisch irgendwelche vermeintlichen Mehrheiten zu beschwören und nach einer Volksabstimmung zu rufen. Zuerst einmal sollen unbestreitbare Fakten eruiert werden, und da bietet sich an, mit der Kostenfrage zu beginnen, denn pecunia non olet, womit ich soviel sagen viel, Geld ist ein gut meßbarer Parameter, egal ob es nach Gülle riecht oder Kohlenstaub.

  • Aus dem SPiEGEL 50/2009: CO2-Vermeidungskosten für Photovoltaik 610 €/t, Windkraft 91 €/t. Für das Recht, 1 t CO2 zu emittieren, werden etwa 30 € gezahlt.

    Ein Arbeitsplatz in der Solarindusrie wird mit 150000 €/Jahr subventioniert, das ist etwa 4 mal so viel wie einem Kohle-Kumpel (70000 DM in den 90ern). ich habe auch schon die Angabe 210000 € pro Jahr und Arbeitsplatz gesehen.

    Unter Kanzlerin Claudia Roth wird alles noch viel besser (incl. anatolische Zuwanderung in die sozialen Netze), also schön grün wählen!

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