Ölpreis noch ohne Einfluss
«Neuer deutscher Patentrekord unterstreicht Konjunkturbelebung»

Die Anmeldung von Patenten hat in den ersten sieben Monaten einen neuen Höchststand erreicht. Experten sehen dies als einen Beweis für die Konjunkturbelebung in Deutschland.

HB BERLIN. Der Boom deutscher Patentanmeldungen scheint ungebrochen. Bereits nach den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres sei ein neuer Rekord abzusehen, sagte der Präsident des Deutschen Patent- und Markenamts, Jürgen Schade, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» in ihrer Samstagausgabe. In diesem Zeitraum habe die Zahl der Anmeldungen im Vergleich zum Vorjahr bereits um fünf Prozent zugelegt.

In den letzten Jahren hätten sich die Patentanmeldungen auf jeweils knapp 60.000 belaufen. «Der Boom hält an», sagte Schade. Er sehe den Erfindergeist als Zeichen dafür, dass die Wirtschaftskraft in Deutschland ungebrochen sei. Als Beleg für eine konjunkturelle Belebung verwies Schade zudem auf den zehnprozentigen Anstieg bei den Anmeldungen im Markenbereich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. «Markenanmeldungen bilden einen besonders sensiblen Seismographen für konjunkturelle Einflüsse», sagte er. Die hohe Zahl der Anträge gebe «deutlich zu spüren, dass die Unternehmen wieder Hoffnung schöpfen und für die Zukunft planen».

Auch die Volkswirte und Wirtschaftsforscher sehen mehrheitlich eine konjunkturelle Belebung in Deutschland – trotz des hohen Ölpreises. Der Chefvolkswirt des Versicherungskonzerns Allianz, Michael Heise, sagte der «Bild am Sonntag», ein Preis von über 40 Dollar sei zwar ein großes Problem. Dennoch rechne er weiterhin mit einem Wachstum von 1,75 Prozent für 2004. Die Rohölpreise hatten am Freitag an den Handelsplätzen in London und New York neue Höchststände bei deutlich über 49 Dollar je Barrel (159 Liter) erreicht, waren am Abend aber wieder deutlich gefallen.

Unterdessen geht der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, von einem Wachstum von 1,8 Prozent in diesem und 2,1 Prozent im kommenden Jahr aus. Er sehe grundlegende Gefahren für die Wirtschaft in dem anhaltend hohen Ölpreis, wenn er «über 50 Dollar steigt», sagte Zimmermann der «Bild am Sonntag». Einen deutlichen Rückgang des Ölpreises halte er vorerst für unwahrscheinlich.

Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung sieht Zimmermann indessen eher optimistisch: «Der deutsche Aufschwung hat klar begonnen und wird sich fortsetzen», sagte er dem Zeitungsbericht zufolge. Auch international werde der Aufschwung «noch an Kraft gewinnen.» Die deutsche Industrie profitiere von starken Exporten und demonstriere ihre Wettbewerbsfähigkeit. Skeptischer beurteilte der DIW-Chef dagegen die Entwicklung des Konsums in Deutschland.

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