Österreichisch-bayerische Wirtschaftszone
Weißblau-rotweißrote Geschichten

Längst verbindet Bayern und Österreich mehr als die einstige Traumhochzeit von Herzogin Sissi mit dem österreichischen Thronfolger Franz-Joseph. Bayern und Österreich sind auf dem Weg zu einer gemeinsamen Wirtschaftszone. Firmenverlagerungen zeigen: Was nie zusammengehörte, wächst zusammen.

MÜNCHEN. Am 3. Januar 1778 verabredeten Kaiser Joseph II. und Kurfürst Karl Theodor von Bayern in Wien, dass Bayern ein Teil von Österreich wird und Karl Theodor dafür Belgien bekommt. Daraus ist bekanntlich nichts geworden. Am Karfreitag des Jahres 2005 unterzeichneten Georg Randa von der Münchener Hypo-Vereinsbank und der österreichische Unternehmer Hans Binder den Kaufvertrag über 50 Hektar Land bei Ingolstadt für den Bau einer riesigen Holzfabrik. Daraus ist etwas geworden.

Was beide Geschichten miteinander zu tun haben, davon soll im Folgenden auch die Rede sein. Österreich und Bayern, das ist eine besondere und eine ganz aktuelle Angelegenheit.

Interpark heißt die gewaltige Fläche von 1,2 Millionen Quadratmetern östlich von Ingolstadt, die, voll erschlossen, lange Jahre darauf wartete, von fleißigen Unternehmern besiedelt zu werden. Hans Binder, früher Formel-1-Rennfahrer, jetzt in der Nachfolge seines Vaters Sägewerksbesitzer aus dem Zillertal, das bekanntlich in Tirol liegt und damit seit längerem zu Österreich gehört, hätte sich lange Jahre nicht träumen lassen, einmal in Bayern Millionen zu investieren. Man kennt das ja alles: Hochlohnland, Bürokratie, Steuerwirrwarr ...

Folglich wollte Binder, dessen Firmengruppe im vorigen Jahr mit sechs Standorten gut 1 100 Menschen Arbeit gab und 290 Millionen Euro umsetzte, in der Slowakei expandieren. Im Herzen des neuen Wirtschaftswunderlandes, in Banska Bystrica, hatte Binder geglaubt, fündig geworden zu sein. Doch dann kamen die Enttäuschungen: „Am Ende fand sich in der ganzen Region nicht ein für uns passender Standort“, sagt der drahtige Unternehmer mit der Kurzhaarfrisur.

Und so sann der Mann, der im Windschatten Niki Laudas einst Grand-Prix-Punkten hinterherjagte, nach Alternativen. „Ich habe mich damals gefragt: Müssen wir eigentlich so weit weg von der Heimat sein?“ erzählt Binder. Und so kam auch das gute alte Deutschland in Gestalt Bayerns ins Spiel.

Bayern und Österreich, das ist eine ganz besondere Geschichte, eine Geschichte vieler Gemeinsamkeiten. Sieben Millionen Österreicher sprechen, hochdeutsch betrachtet, bayerischen Dialekt, die Unternehmer beiderseits der Grenze sprechen also buchstäblich dieselbe Sprache. „In der Mentalität gibt es praktisch keine Differenz“, sagt Hans Binder, der Holzunternehmer aus Tirol.

Seite 1:

Weißblau-rotweißrote Geschichten

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%