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15.02.2008 
Schuldengrenze

Oettinger geht auf arme Länder zu

von Donata Riedel

In der Debatte um eine Schuldengrenze bietet Stuttgart einen neuen Kompromiss an. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) will eine wirksame Schuldengrenze für den Bund und alle 16 Bundesländer durchsetzen. Den drei ärmsten Ländern will er notfalls direkte Budgethilfe zahlen, damit auch sie schuldenfreie Etats erreichen.

BERLIN. „Es kann nicht sein, dass einzelne Länder das Ziel eines schuldenfreien Haushalts gar nicht erreichen“, sagte Oettinger. Gemeinsam mit SPD-Fraktionschef Peter Struck leitet er die Föderalismuskommission.

Das Gremium beriet gestern über ein Konzept von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) für eine Schuldenbremse. Es sieht vor, dass die Neuverschuldung von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen in normalen Konjunkturzeiten maximal 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen darf.

In schlechten Zeiten darf es höhere Schulden geben, in guten Zeiten müssen Überschüsse erwirtschaftet werden. Außerdem lag der Kommission ein Bericht über die Schuldenlage des Bundes und der Länder vor. Aus ihm geht hervor, dass sich allein der Bund, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf harte Schuldengrenzen in der Verfassung festlegen wollen.

„Die meisten Länder sind theoretisch durchaus für eine harte Schuldengrenze“, sagte Baden-Württembergs Finanzminister Gerhard Stratthaus. „Die drei ärmsten Länder sagen aber, dass sie es nicht schaffen können.“ Die Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Bremen und dem Saarland trafen sich vor der Kommissionssitzung mit Oettinger und Struck.

Oettinger erläuterte, dass es zunächst darum gehe, darüber zu sprechen, „wie groß das strukturelle Defizit dieser Länder tatsächlich ist, wenn man mitteleuropäische Standards bei der Ausstattung mit Lehrern, Polizisten und Infrastruktur zugrunde legt“.

Die drei Länder stimmten in der Föderalismuskommission zu, dass ihre Haushalte von einer externen Expertengruppe analysiert werden. Ein Bericht darüber soll in fünf Wochen vorliegen. Wenn sich dabei herausstelle, dass die Länder tatsächlich aus eigener Kraft keinen Haushaltsausgleich schaffen können, will Oettinger über Hilfen reden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Mein Ziel ist eine Reform, der alle Ministerpräsidenten zustimmen können“

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