Oettingers Kronprinz
Mappi-Schnappi, der Grünen-Fresser

Seine Ambitionen waren ein offenes Geheimnis, jetzt ist Stefan Mappus fast am Ziel. Der 43-Jährige CDU-Politiker soll Günther Oettinger als Ministerpräsident in Baden-Württemberg ersetzen. Hinter der Unterstützung durch die CDU im Südwesten steht aber ein Fragezeichen.
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HB STUTTGART. Er gilt als konservativer Haudrauf und „Grünen-Fresser“. Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Stefan Mappus gab erst kürzlich eine Kostprobe, als er das Bündnis von CDU, FDP und Grünen an der Saar bewertete: „Jamaika finde ich unterirdisch“, sagte der 43-Jährige. Bereits 2006 soll er eine schwarz-grüne Koalition in Baden-Württemberg verhindert und Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) dazu gedrängt haben, die CDU/FDP-Regierung fortzusetzen. Bundesweit ist Mappus aber noch eher unbekannt. In der CDU-Spitze in Berlin wird er als „Wadenbeißer“ gehandelt, weil er öfter mal das „fehlende Profil“ der Partei unter Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bemängelt.

Rivalität schwelt schon lange zwischen Oettinger und seinem Kronprinzen. Dass der machtbewusste CDU-Mann aus Pforzheim eines Tages Regierungschef werden wollte, gilt als offenes Geheimnis. Die beiden sind komplett unterschiedliche Typen, persönlich und in vielen Dingen auch politisch. Hier der schwäbische Schnellsprecher Oettinger, Finanzexperte und Marktliberaler, und dort der bullige Mappus, Instinktpolitiker und Wahrer der CDU-Tradition.

Justizminister Ulrich Goll (FDP) hat dem impulsiven und ehrgeizigen Mappus mal den Spitznamen „Mappi-Schnappi, das kleine Krokodil“ verpasst. Der zweifache Vater kann den Vergleich nicht leiden, auch weil er darauf hindeutet, er könnte Oettinger wegbeißen. Unbedingt wollte Mappus den Ruf eines potenziellen „Königsmörders“ vermeiden. Auf CDU-Landesparteitagen wurde er dennoch immer mit miesen Ergebnissen als Parteivize bestraft. Seine Beliebtheit in der Südwest-CDU dürfte das größte Fragezeichen sein, wenn es um seinen Aufstieg zum Regierungschef geht.

Mappus muss auf die Unterstützung der Landtagsfraktion setzen, der er seit viereinhalb Jahren vorsteht. Hier genieße er Rückhalt, heißt es in seinem Umfeld, obwohl er bei den jüngsten Wahlen zum Fraktionschef nur 81,3 Prozent erhielt. Dennoch sieht sich der Hobby-Pilot für höhere Weihen geeignet. Es wäre der größte Schritt auf der Karriereleiter, die er früh nach oben stieg. Mit 32 war er Staatssekretär und fünf Jahre später Umwelt- und Verkehrsminister in Baden-Württemberg unter seinem Ziehvater, dem ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

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