
BERLIN. Viele Landes- und Kommunalpolitiker verlieren das Vertrauen, zeigen sich zusehends nervös. Sie sehen den Grund für die Misere in der Parteizentrale, an deren Spitze Westerwelle steht.
Für Berlins Landeschef Christoph Meyer, der im kommenden Jahr eine Landtagswahl zu bestehen hat, liegt das Stimmungstief „wie Mehltau“ über der Arbeit seines Landesverbandes. „Die FDP steckt in einer Vertrauenskrise, weil die Erwartungshaltung unserer Anhänger in den letzten neun Monaten tief enttäuscht worden ist“, sagt Meyer. Die Bundesregierung müsse jetzt ein Bild abgeben, mit dem sich FDP-Wähler identifizieren könnten.
Doch bei diesem Appell will es der Berliner FDP-Chef nicht belassen und droht mit Konsequenzen. „Guido Westerwelle muss in den nächsten Wochen dokumentieren, dass er die Stimmung in der Partei verstanden hat“, sagt Meyer. Wie er das in seinen drei Funktionen als Außenminister, Vizekanzler und Parteivorsitzender intern für sich organisiere, sei zunächst ihm überlassen. „Sollte aber ein Jahr nach dem Start der Bundesregierung keine messbare Stimmungswende eintreten, müssen wir auch über eine Neustrukturierung der Aufgabenverteilung sprechen“, kündigt Meyer schon einmal an.
Wie schwierig diese Aufgabe für Westerwelle sein wird, zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage. Danach liegt die FDP seit Monaten bei fünf Prozent und hat damit fast zehn Prozentpunkte seit der Bundestagswahl eingebüßt. Zum Vergleich: Die Grünen kommen auf 20 Prozent. Westerwelle sieht dennoch keinen Anlass für Kurskorrekturen. „Die Zustimmung zur FDP wird sehr schnell wieder steigen, wenn die guten Ergebnisse auch unserer Politik immer sichtbarer werden“, ist Westerwelle überzeugt.