Offener Brief an Angela Merkel
Start-up-Szene fühlt sich von Schäuble betrogen

Gern machen Politiker während des Wahlkampfs Halt bei innovativen Start-ups – und versprechen das Blaue vom Himmel. Die Realität sieht anders aus. In einem offenen Brief klagen 30 Gründer über Schäubles Steuerpläne.

BerlinDie Start-up-Szene ist derzeit ziemlich verwöhnt, was die Beachtung durch die Politik angeht. Kein Tag vergeht, an dem sich nicht irgendjemand aus dem politischen Berlin in das unternehmerische Berlin begibt und die jungen Gründer für ihre Innovationskraft und ihren coolen Arbeitsstil in den Himmel lobt. Gern mit Beweisfoto vor dem Kickertisch und immer mit dem Versprechen, die besten Bedingungen für ein deutsches Silicon Valley schaffen zu wollen.

Einzige Ausnahme: Wolfgang Schäuble. Der Finanzminister hat kürzlich einen Entwurf für ein Investmentsteuerreformgesetz veröffentlicht, das unter anderem höhere Steuern für die Veräußerung von Streubesitz vorsieht. Davon betroffen sind auch die sogenannten Business-Angels, die in frühen Phasen kleine Beträge zwischen ein paar tausend und ein paar hunderttausend Euro in ganz junge Unternehmen investieren.

Bisher müssen Business Angels beim Verkauf ihrer Unternehmensanteile kaum Steuern auf ihren Gewinn zahlen, so lange sie das Geld wieder neu investieren. Das soll sich ändern. In der Start-up-Szene nennen sie den Entwurf darum nur das „Anti-Angel-Gesetz“. Und für sie passt es überhaupt nicht mit den Sonntagsreden von Schäubles Kollegen zusammen.

Darum haben 30 von ihnen jetzt einen Protestbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben.

Unterzeichnet haben ihn die Gründer von Start-ups wie Delivery Hero, Hello Fresh oder Soundcloud, genauso wie Investoren wie Christoph Gerlinger, Fabian Heilemann oder Frank Thelen. Die von ihnen geführten, beziehungsweise unterstützten Unternehmen, behaupten die Unterzeichner, würden zusammen 50.000 Mitarbeiter beschäftigen. Träte das Gesetz wie geplant in Kraft, so die Drohung an die Bundeskanzlerin, würden diese Arbeitsplätze nicht noch einmal so entstehen.

Zu den Absendern gehört auch Dirk Graber, Gründer und Chef des Onlinebrillenhändlers Mr Spex. „Die letzte Neugründung im Dax ist 30 Jahre alt: SAP“, sagt Graber. Im internationalen Vergleich werde in Deutschland schon heute viel zu wenig in junge, innovative Unternehmen investiert. „Wir brauchen das Engagement erfolgreicher Unternehmer, sich als Business Angels finanziell für junge Startups zu engagieren, da diese meist als einzige noch eine hohe Risikobereitschaft zeigen. Eine Schlechterstellung ist komplett unverständlich.“

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