Offener Bruch in Gewerkschafts-Spitze
Krise der IG Metall verschärft

Im Machtkampf um die künftige Führung der IG Metall ist es zum offenen Bruch zwischen dem Gewerkschaftschef Klaus Zwickel und seinem designierten Nachfolger Jürgen Peters gekommen. Zudem war auch einen Tag vor der entscheidenden Vorstandssitzung keine Lösung für den seit Tagen eskalierenden Streit in Sicht.

Reuters FRANKFURT. Der nach Kritik von Gewerkschaftschef Zwickel schwer unter Druck geratene Peters ging am Montag mit einer Pressekonferenz in die Offensive. Er beschuldigte Zwickel, eine Kampagne gegen ihn zu betreiben. Zwickel indes blieb anschließend in einer kurzen Erklärung bei seinem Vorwurf, Peters und der ostdeutsche Bezirksleiter Hasso Düvel hätten den Vorstand der IG Metall bei dem gescheiterten Metaller-Streik in Ostdeutschland getäuscht.

In der Sitzung der zehn geschäftsführenden Mitglieder des Vorstands am Montag forderte Zwickel nach Angaben aus Kreisen der IG Metall seinen Vize namentlich auf, auf den Chefposten zu verzichten. Peters gab sich hingegen kämpferisch und warf Zwickel Vorverurteilungen mittels Unterstellungen und Unwahrheiten vor. Der 59-Jährige bekräftigte seine Kandidatur für den Vorsitz der IG Metall auf dem Gewerkschaftstag im Oktober und lehnte einen Rücktritt von seinem derzeitigem Stellvertreterposten ab. Der Täuschungs-Vorwurf sei falsch.

„Alle Beteiligten waren in ausreichendem Maß informiert. Der Vorwurf der Täuschung ist böswillig und völlig aus der Luft gegriffen“, sagte Peters in Frankfurt vor Journalisten. „Wer diesen Vorwurf konstruiert, ist offenbar nur daran interessiert, meine persönliche Integrität in der Organisation zu beschädigen.“ Zuvor hatten die geschäftsführenden Mitglieder des Vorstands bereits über den Streik beraten.

Zwickel hielt Peters und dem Berliner Bezirksleiter Hasso Düvel, die gemeinsam für den Streik verantwortlich waren, erneut vor, die Gewerkschaftsführung über die Auswirkungen des ostdeutschen Arbeitskampfes auf Westdeutschland getäuscht zu haben. Dass in einigen Betrieben faktisch dauerhaft gestreikt wurde, sei nicht beschlossen worden. Wegen des Streiks bei ostdeutschen Zulieferern war es zu Produktionsausfällen in westdeutschen Automobilwerken gekommen.

Der für Tarifpolitik verantwortliche Peters listete indes auf, wann sich welche Gremien mit Streiktaktik und möglichen Folgen für Betriebe in Westdeutschland beschäftigt hatten. „Die Erfahrung zeigt, dass Fernwirkungen ab einer bestimmten Streikdauer nicht zu vermeiden sind, nicht zuletzt durch unsere vernetzte Wirtschaft“, sagte er.

Im Vorfeld der Sitzung des Hauptvorstandes am Dienstag wurde in Gewerkschaftskreisen auch über einen möglichen geschlossenen Rücktritt der Peters-Gegner spekuliert. Dann müsste bereits vor Oktober ein außerordentlicher Gewerkschaftstag einberufen werden. Zugleich werde erwogen, den Vorstandsbeschluss vom April über die Nominierung von Peters als Zwickel-Nachfolger mit dem baden-württembergischen Landesvorsitzenden Berthold Huber als neuem Vize wieder aufzuheben. Peters hatte sich im April im Vorstand knapp als designierter Nachfolger Zwickels gegen Huber durchgesetzt, der von Zwickel vorgeschlagen worden war.

Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete vorab aus ihrer Dienstagausgabe, Zwickel werde auf der Vorstandssitzung ein Papier präsentieren, in dem die IG Metall als „nachhaltig geschwächt“ dargestellt werde und für Politik und Medien zum zahnlosen Tiger zu werden drohe. Nun erwarteten die Mitglieder der Gewerkschaft und die Öffentlichkeit das, was die IG Metall in Unternehmen immer wieder fordere: „Das neben der politischen Verantwortung auch Verantwortung übernommen wird von jenen, die als Person und in ihrer Funktion diese Verantwortung tragen.“ Peters wiederum werde vor dem Vorstand selbstkritisch sein, aber den widrigen politischen Rahmenbedingungen und Fehlern in der Kommunikation die Schuld an der Niederlage im Streik geben.

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