Deutschland

_

„Offensichtlicher Unsinn“: FDP will Steuerklasse V abschaffen

exklusiv Die Liberalen halten die Steuerklasse V für unsinnig und demotivierend. Noch vor der Bundestagswahl will die Partei das Steuerklassensystem deshalb umkrempeln. Andernfalls wird es an der Front zum Wahlkampfthema.

Die FDP will das Steuerklassensystem vereinfachen. Quelle: ap
Die FDP will das Steuerklassensystem vereinfachen. Quelle: ap

BerlinDie FDP drängt in der Regierungskoalition darauf, das System der Einkommensteuerklassen zügig zu vereinfachen und damit Erwerbsarbeit vor allem für verheiratete Frauen steuerlich attraktiver zu machen. „Die Steuerklasse V sollte endlich abgeschafft werden“, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Johannes Vogel, dem Handelsblatt (Mittwochausgabe). Diese Steuerklasse „bestraft faktisch vor allem verheiratete Frauen, die arbeiten wollen“, begründete Vogel den Vorstoß. Dieser Effekt sei „offensichtlicher Unsinn“.

Anzeige

Die FDP strebt an, ihre Reforminitiative möglichst noch vor der Bundestagswahl umzusetzen. „Ich hielte es für sehr gut, wenn die Koalition die Abschaffung noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen würde“, sagte Vogel. „Andernfalls wird es ein wesentlicher Bestandteil des FDP-Wahlprogramms sein“, kündigte er wenige Tage vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der Liberalen an.

Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP. Quelle: picture alliance / dpa
Johannes Vogel, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der FDP. Quelle: picture alliance / dpa

Bisher greift bei Ehepaaren, die wegen unterschiedlich hoher Einkommen vom Ehegattensplitting profitieren, für den höher verdienenden Partner in der Regel die günstige Steuerklasse III. Dafür muss dann die Partnerin mit dem geringeren Einkommen die ungünstige Steuerklasse V akzeptieren, und damit besonders hohe Abzüge vom Lohn. Nach dem FDP-Vorstoß wäre diese ungleiche Lastenverteilung beim Lohnsteuerabzug nicht mehr möglich.

Die vorgeschlagene Reform ziele vor allem auf eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und sei damit auch ein Beitrag gegen drohende Fachkräftemangel, betonte Vogel, der auch Chef der Jungen Gruppe in der FDP-Bundestagsfraktion ist. Die Steuerklasse V sei eine „entscheidende Stellschraube, um die Hürden zur Vollzeiterwerbstätigkeit von mehr Frauen zu senken“, sagte er.

E-Autos, Gold-Tricks, Wehrdienst Wie sich die Steuern 2013 verändern

  • E-Autos, Gold-Tricks, Wehrdienst: Wie sich die Steuern 2013 verändern
  • E-Autos, Gold-Tricks, Wehrdienst: Wie sich die Steuern 2013 verändern
  • E-Autos, Gold-Tricks, Wehrdienst: Wie sich die Steuern 2013 verändern
  • E-Autos, Gold-Tricks, Wehrdienst: Wie sich die Steuern 2013 verändern

Die FDP kann sich dabei auch auf einer im Herbst veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung stützen. Diese hatte gezeigt, dass die Effekte Ehegattensplittings in Kombination mit den Abgabenvorteilen für Minijobs einen schrittweisen Aufstieg am Arbeitsmarkt gerade für verheiratete Frauen finanziell extrem unattraktiv machen.

Melkkuh Verbraucher Diese Kosten erdrücken die Bürger

  • Melkkuh Verbraucher: Diese Kosten erdrücken die Bürger
  • Melkkuh Verbraucher: Diese Kosten erdrücken die Bürger
  • Melkkuh Verbraucher: Diese Kosten erdrücken die Bürger
  • Melkkuh Verbraucher: Diese Kosten erdrücken die Bürger

Mit dem FDP-Vorstoß würde zwar das Ehegattensplitting selbst nicht verändert, da nur die vorläufigen Lohnsteuerabzüge anders aufgeteilt würden. Doch gerade die „psychologische Bedeutung des Blicks auf die eigene monatliche Gehaltsabrechnung“ sei entscheidend und „für Erwerbstätige in der Steuerklasse V einfach demotivierend“, betonte Vogel.

 

  • 02.01.2013, 13:44 UhrHandels-is-platt

    was war FDP nochmal gleich...
    Fangt Drei Prozent :o)

  • 02.01.2013, 11:13 Uhrmerxdunix

    Ob wir die FDP da richtig verstanden haben? Im Gesetzentwurf wird dann wohl weniger von der Abschaffung der Steuerklasse 5, sondern viel mehr von der 5%-Hürde die Rede sein. Holzauge sei wachsam!

  • 02.01.2013, 11:04 UhrDagobert-Duck

    @Gagaga

    Sie haben Recht - der Vorschlag der FDP entlarvt die FDP bezüglich ihrer Unfähigkeit.

    Noch mehr solche Vorschläge und die FDP erreicht nicht mal 2%.

  • Die aktuellen Top-Themen
Anti-Euro-Partei: AfD-Chef will nicht zurück zur D-Mark

AfD-Chef will nicht zurück zur D-Mark

Der Vorsitzende der AfD-Partei Bernd Lucke will nun nicht zurück zur D-Mark, sondern ist für einen Euro-Ausstieg der südeuropäischen Staaten. So könnten die Süd-Länder allmählich wieder an Wettbewerbsfähigkeit gewinnen.

Hilfe für Krisenländer: Riskante Planspiele der EZB sorgen für Empörung

Riskante Planspiele der EZB sorgen für Empörung

Die Europäische Zentralbank arbeitet an Modellen, um Südeuropas Wirtschaft wiederzubeleben. Dabei schreckt die EZB auch vor riskanten Manövern nicht zurück. Berlin ist alarmiert und reagiert mit einer deutlichen Warnung.

Bei Wahlsieg: Wiesehügel will Mindestlohn schnell einführen

Wiesehügel will Mindestlohn schnell einführen

Sollte Rot-Grün die Bundestagswahl gewinnen, dann will Klaus Wiesehügel als Arbeitsminister einen Mindestlohn rasch umsetzen. Im Übrigen hat Kanzlerkandidat Steinbrück auch für das Thema Energie einen Kandidaten gefunden.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…