Offizielle Anfrage

Peres will Beschneidungen schützen

Die Diskussion um die Beschneidung von Jungen erreicht höchste diplomatische Kreise. Nun hat den israelische Staatspräsident Schimon Peres seinen Amtskollegen Gauck gebeten, das religiöse Ritual zu schützen.
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Israels Staatspräsident möchte die rituelle Beschneidung in Deutschland schützen lassen. Quelle: dpa

Israels Staatspräsident möchte die rituelle Beschneidung in Deutschland schützen lassen.

(Foto: dpa)

JerusalemDer israelische Staatspräsident Schimon Peres hat den deutschen Staat gebeten, das Ritual der Beschneidung zu schützen. In einem am Donnerstag in Jerusalem veröffentlichten Brief an Bundespräsident Joachim Gauck verwies er darauf, dass die Beschneidung von Jungen ein wichtiger, seit Tausenden Jahren im Judentum praktizierter Brauch sei. Er begrüßte die Ankündigung des Berliner Justizministeriums, im Herbst einen Gesetzentwurf zum Schutz des Brauchs vorzulegen.

Auch im Deutschen Ethikrat zeichnet sich eine Mehrheit für eine gesetzliche Erlaubnis von Beschneidungen mit Betäubungsvorschrift ab. In einer öffentlichen Sitzung des Beratergremiums von Bundestag und Bundesregierung sprachen sich am Donnerstag Juristen, Theologen und Mediziner für eine solche rechtliche Regelung aus. Auch der jüdische Vertreter im Ethikrat, der Medizinprofessor Leo Latasch, zeigte sich offen für lokale Betäubungen. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) reagierte entsetzt.

Latasch sowie das muslimische Mitglied im Ethikrat, der Mainzer Medizinethiker Ilhan Ilkilic, hoben die herausragende Bedeutung der Beschneidung im Verständnis beider Religionen hervor. Der Kölner Strafrechtsprofessor Wolfram Höflin plädierte für "eine Anerkennung der Beschneidung als Elternrecht", allerdings unter der Bedingung, dass diese "fachgerecht" und "schmerzvermeidend" vorgenommen werde.

Latasch betonte, die Gabe von "Zäpfchen gegen Schmerzen", betäubenden Salben sowie "Lokalanästhetika im Lendenbereich" seien in Deutschland bei Beschneidungen bereits heute üblich. Er verwies zugleich darauf, dass es "keine einzige Untersuchung" gebe, die nachweise, dass eine Beschneidung zu einem Trauma führe. Er zeigte sich überzeugt davon, dass das Bundesjustizministerium einen für Juden zustimmungsfähigen Vorschlag vorlegen werde.

Der Hamburger Rechtswissenschaftler Reinhard Merkel betonte in der Sitzung, eine Beschneidung ohne Betäubung halte er "für rechtlich wie ethisch inakzeptabel". Diese dürften nicht erlaubt werden. Er fügte hinzu, "ohne Anästhesie ist eine Beschneidung nicht nur schmerzhaft, sondern qualvoll". Aus seiner Sicht wäre nur eine Vollnarkose "wirklich effizient". Diese sei aber nach einhelliger medizinischer Überzeugung für Neugeborene zu gefährlich sei. Merkel äußerte sich grundsätzlich skeptisch zu einem Recht auf frühkindliche Beschneidung. Er warnte vor einem "jüdisch-muslimischen Sonderrecht" und einem "Sündenfall des Rechtsstaates".

Der Ärzteverband BVKJ sprach von einem Skandal. "Kindeswohl und das Recht der Kinder auf körperliche Unversehrtheit haben bei der heutigen Entscheidung offenbar keine Rolle gespielt", sagte BVKJ-Präsident Wolfram Hartmann. Das erst im Januar in Kraft getretene Bundeskinderschutzgesetz schütze muslimische und jüdische Kinder nicht. "Ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit ist offenbar zweitrangig. Das ist ein Skandal", sagte Hartmann weiter.

„Existenzielle Bedeutung für die Religion“
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20 Kommentare zu "Offizielle Anfrage: Peres bittet um Schutz von Beschneidungen"

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  • Religiöse Rituale sollen geschützt werden und damit straffrei bleiben? Was ist, wenn jemand sagt Nazigut ist eine Religion. Ist dies das schützenswert wie unsere Juristen und Politiker es wollen? Warum bekämpfen wir dann teilweise den Islam(Tötet Andersgläubige, Fatwa usw.)?

  • Is ja toll!
    Täter nehmen Einfluß auf Gesetze, die ihre Straftat betreffen.
    Das eröffnet ja viele Möglichkeiten. Frauen- und Kinderverprügler fordern dann bald unter Verweis auf jahrtausendjährige Tradition, unterfüttert mit geeigneten Bibelzitaten die Staffreiheit bei religiös motivierter häuslicher Gewalt. Auch Steuersünder haben jetzt gute Argumente (5. Mose 26,12)

  • Wahltag ist Zahltag!
    Bei der Abstimmung über die mögliche Legalisierung von religiös motivierten
    Zwangsverstümmelungen, eine besonders perverse Form des Kindsmißbrauchs darf es keine
    Fraktionzwang und anonyme Abstimmung geben.Die von uns gewählten Abgeordneten müssen offen kundtun
    ob sie für Kinderverstümmelung sind oder nicht. Es wird mein künftiges Wahlverhalten nachhaltig
    bestimmen.

  • "Wem die Gesetze nicht passen in der Gegend wo sie gelten, der möge bitte weiterziehen" Goethe

    Herr Graumann vom ZdJ vertritt nur eine ganz kleine Minderheit der jüdischen Mitbürger die hier leben, dies shceint er aber immer zu vergessen

  • Allein immer das Argument, das machen wir schon 100 Jahre so..
    was soll denn das?
    Und aus welchem wirklichen Grund wird das gemacht? Da gibt es nämlich schlicht keinen wirklich stichhaltigen
    Es wrd Zeit, dass das Judentum und der Islam endlich mal eine Reformation bekommen, die brauchen mal einen Martin Luther
    Wir Christen leben ja auch nicht mehr nach dem Alten Testament.
    Wir haben in Deutschalnd Religionsfreiheit ab 14 Jahre. Wenn mir mein Sohn dann erklärt, er geht nicht mehr in den Reli-Unterricht, kann ich nichts mehr machen.
    Also sollte das auch bei der Beschneidung so sein.
    Ab 14 sollen die Kinder selbt bestimmen, ob sie das wollen oder nicht
    Aber usnr durchgeknallten deutschen Politiker wrden mal wieder einknicken und in hündischen Kriechen und Gehorsam vor allem Fremden alles tun, was von denen verlangt wird. Ekelhaft

  • VMC
    Sie vergessen nur, dass in Deutschland Hautiere und Topfflanzen besser und liebevoller gepflegt werden als Kinder

  • Nordwind
    ich fidne, das haben sie kurz, knapp und völlig richtig gesagt

  • Eine fanatische religiöse Minderheit stellt "Gottes Gesetz" über unserer demokratische Verfassung und Menschenrechte. Und bläst zun Frontalangriff auf die Schutzrechte unseres GG.
    Es geht um weitaus mehr als um die Vorhaut einiger Knaben. Es geht um unsere Freiheit und Demokratie. Gegen den Willen der übergroßen Mehrheit soll das GG in die Tonne getreten werden, ausgeführt von gewählten Volksvertretern, die eigentlich ihrem Gewissen verpflichte sein sollten und nicht den Lobbyisten eines bronzezeitlichen Menschenbildes. Wenn durch Verbiegung des GG die Verstümmelung von Kindern erlaubt wird, so ist das erst der Anfang. Was folgt danach? Die Scharia? Das Frauen im Bus hinten sitzen müssen? Ramadan im öffentlichen Dienst und Schulen?
    Wann wird Widerstand zur Pflicht? (Artikel 20/4 GG)

  • Fakt ist eben dass nicht jede Religion mit unseren Werte und Rechtsprinzipien vereinbar ist.

    Fakt ist aber auch, dass das viel zu hoch gehängt wird. Es geht um ein Stückchen Haut, nicht um die Massakrierung von Kindern.

  • Betäubung darf keine Entschuldigung für Genitaloperationen an Minderjährigen sein.
    Selbst bei Beschneidungen, die unter Betäubung von qualifizierten Personal durchgeführt werden, kommt es regelmäßig zu schweren Komplikationen.

    Dieser Ethikrat setzt sich zum größten Teil aus Religiösen und Klerikern zusammen, die Entscheidungen über die ethische Zulässigkeit nach deren religiösen Befindlichkeiten treffen. Niemand der Ratsmitglieder verfügt über eine besondere Fachkenntnis zur Beschneidung und deren Folgen. Dies wird an den Aussagen des jüdischen Mitglieds Latasch deutlich. Er behauptet dass es keine Untersuchung gebe, die nachweise, dass Beschneidungen zu einem Trauma führen könne. Tatsächlich gibt es in der medizinischen Literatur eine Vielzahl veröffentlichter Studien, die genau das belegen.

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/psychologische-aspekte-der-beschneidung/psychologische-auswirkungen-der-beschneidung.html

    Auch eine wirksame Betäubung ist im Neugeborenenalter defakto nicht durchführbar.

    http://www.beschneidung-von-jungen.de/home/argumente-gegen-beschneidung/schmerz-der-beschneidung-und-schmerzbehandlung.html

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