Offizielles Eingeständnis
400 Handys in Berliner Gefängnis geschmuggelt

In den Berliner Gefängnissen herrschen haarsträubende Zustände: Über die Außenmauern werden en gros Drogen und Handys in die Innenhöfe geworfen, selbst eine Leiter flog schon hinein. Offenbar rächt sich die rigide Haushaltspolitik der finanziell klammen Bundeshauptstadt.

HB BERLIN. Justizsenatorin Gisela von der Aue sagte der „Berliner Morgenpost“ über die Jugendstrafanstalt Plötzensee: „Es werden sehr viele Mobiltelefone geworfen. Wir haben allein in diesem Jahr schon 400 Handys eingesammelt. Und wir haben Drogen sichergestellt: Haschisch und Ecstasy.“ Über die Mengen an Drogen wollte sie keine Angaben machen.

Drogenschmuggel sei nicht nur in der Jugendhaftanstalt Plötzensee ein Problem, meldete die „Berliner Zeitung“. Häftlinge der Justizvollzugsanstalt Tegel hätten berichtet, Gefangene organisierten sich ihren eigenen „Lieferservice“. Regelmäßig würden nachts mit Heroin oder Ecstasy gefüllte Tennisbälle über die Mauer geworfen. Eingesammelt würden sie von Häftlingen, die morgens zum Müllbeseitigen eingeteilt seien. Der Drogenschmuggel werde erleichtert, weil wegen Personalmangels nur noch wenige Wachtürme besetzt seien.

Der Berliner „Tagesspiegel“ meldete, in Plötzensee habe es darüber hinaus einen Ausbruchsversuch gegeben, der erst in letzter Minute vereitelt worden sei. Nach offiziellen Angaben wurde eine dreiteilige Aluminiumleiter in den Hof des Gefängnisses geworfen, während dort eine 20-köpfige Sportgruppe ein Lauftraining absolvierte. Von der Aue bestätigte zwar den Vorfall, betonte aber, es habe zu keinem Zeitpunkt die Gefahr eines Fluchtversuchs gegeben. Die Leiter sei sofort sichergestellt worden.

Von der Aue, Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) und Polizeipräsident Dieter Glietsch erörterten am Sonntag auf einer Krisensitzung Gegenmaßnahmen. Dabei wurde nach Angaben von der Aues vereinbart, die Sicherheitspräsenz auf beiden Seiten der Mauern der Jugendstrafanstalt deutlich zu erhöhen. Die Polizei werde dies im Außenbereich mit offenen und verdeckten Maßnahmen machen. Die Justizvollzugsanstalt werde das Personal der Hofposten nochmals verstärken.

Darüber gibt es der Senatorin zufolge ab sofort häufigere Kontrollen der Hafträume, um unerlaubte Gegenständen aufzufinden. Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden der Vorfälle in der Jugendstrafanstalt im Frühjahr veranlasste von der Aue nach eigenen Angaben Maßnahmen, um den Drogenschmuggel zu unterbinden. Vorgesehen seien Vorsatzgitter, die verhindern können, dass Gegenstände in die Hafträume gelangen. Allerdings habe es Lieferprobleme der mit der Sicherheit beauftragten Firma gegeben.

Der justizpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sven Rissmann, legte der Senatorin den Rücktritt nahe. In jedem anderen Bundesland hätte sich ein Justizminister in vergleichbarer Lage ernsthaft mit solchen Gedanken auseinandergesetzt, sagte er.

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