Ohne Krankenschutz
Die Unversicherten

In Deutschland ist eine Krankenversicherung per Gesetz Pflicht. Und doch gibt es Hunderttausende, die keine Versicherung haben. Eine Katastrophe im Krankheitsfall – nicht nur für die Betroffenen.
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DüsseldorfEs ist mal wieder soweit. Seine Muskeln verkrampfen sich, er hat sie nicht mehr unter Kontrolle und beißt sich auf die Zunge. Ihm wird schummrig. Dann kippt er um. Marek Majcrzak ist Epileptiker. Weil er seine Beiträge bei der Krankenkasse nicht bezahlen kann, lässt er sich bei der Malteser Migranten Medizin in Köln-Lindenthal nahe der Innenstadt untersuchen. Denn dort ist die Versorgung kostenlos.

In Deutschland haben hunderttausende Menschen keine Krankenversicherung, obwohl das nach Gesetzeslage eigentlich unmöglich ist. 2007 führte das Parlament die Versicherungspflicht für die gesetzliche, 2009 für die private Krankenversicherung ein. Die Bundesregierung hat die Gesetze erlassen, weil die Zahl der Unversicherten immer weiter anstieg. Nach Hochrechnungen des Statistischen Bundesamtes waren 2007 196.000 Menschen in Deutschland nicht krankenversichert. Vier Jahre später waren es noch 137.000.

Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nur Menschen mit festem Wohnsitz. Obdachlose oder Ausländer, die sich illegal in Deutschland aufhalten sind nicht mit eingerechnet. Es sind aber nicht nur Randgruppen, die keine Versicherung haben. Auch etliche selbstständige Unternehmer sparen sich aus finanziellen Gründen die Versicherung. Die Folgen: Unversicherte werden in Krankenhäusern nur behandelt, wenn es sich um einen Notfall handelt. Also bei lebensbedrohlichen Krankheiten oder akuten Schmerzen.

Eine Frau betritt die Malteser Migranten Medizin (MMM) in Köln. Sie kommt aus Angola und versteht kaum Deutsch. Die Empfangsdame versucht sich mit Zeichensprache mit der Frau zu verständigen, doch es klappt nicht. Eine Kollegin kann aber Portugiesisch und so kann die Behandlung beginnen.

Die MMM gibt es in 13 deutschen Städten und nicht nur Migranten suchen sie auf. In ihrem Standort in Berlin ist jeder dritte Patient deutsch, in München jeder Fünfte. Insgesamt arbeiten etwa 80 bis 90 Menschen ehrenamtlich für die MMM. Darunter befinden sich Allgemeinmediziner und Fachärzte wie Kinder- und Zahnärzte oder Gynäkologen. Außerdem helfen Empfangsdamen oder Dolmetscher.

Seit ihrem Bestehen besuchten 90.000 Patienten die MMM, 1300 Kinder wurden mit ihrer Hilfe geboren. Oft zögern die Patienten der MMM lange bis sie zum Arzt kommen. „Die Patienten kommen zu spät und so wird aus einer behandelbaren Krankheit ein ernste Erkrankung mit bleibenden Schäden“, sagt Claudia Kaminski, Pressesprecherin der Malteser. Häufige Erkrankungen der Patienten der MMM sind Zahnprobleme, Tumorerkrankungen, Infektionen oder Verletzungen durch einen Unfall.

Nicht nur Patienten ohne Versicherung werden nur im Notfall behandelt. Das gilt auch für Patienten wie Marek Majcrzak, die sich ihre Beiträge nicht mehr leisten können. Majcrzak, der in Wirklichkeit anders heißt, ist Mitglied bei der „AOK“. Seit 18 Jahren lebt der Pole in Deutschland. Durch einen Gefängnisaufenthalt verlor er vor zwei Monaten seine Wohnung und seinen Beruf. Seitdem lebt er in Köln auf der Straße. Für seine Beiträge bei der AOK hat er kein Geld. Deshalb besucht er die MMM.

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  • Jeder, jeder muss zwangsweise einzahlen. Es kann nicht sein, das diese (...) von der Allgemeinheit leben dürfen.

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wenn die GKV nicht ständig ihre Leistungen kürzen würde, wären die Beitragssteigerungen noch höher als in der Privaten. Es ist einfach, auf der PKV herumzuhacken - viele (unwissende) plappern natürlich die Bildparolen nach.
    Wer glaubt denn, dass die Überführung der Rückstellungen in die GKV das Problem lösen würde? Die Milliarden hätte die Öffentliche Hand schneller verprasst für Flughäfen, Bahnhöfe oder Elbphilharmonien als wir piep sagen können!

  • Solange sich die Politiker hinstellen und immer wieder unser Gesundheitssystem in den Himmel heben, wird sich am Grundübel nichts ändern.
    Die Politiker werden von der Gesundheitslobby dazu eingespannt, in keinem Falle etwas am System zu ändern.
    Jeder fährt gut dabei und kann die Versicherten abzocken.
    Egal ob GKV oder PKV jeder will nur Junge versichern in der Hoffnung das keine Leistungen entstehen.
    Man nehme die GKV, die mit aller Macht verhindert das Personen ab 55+ noch in ihr System kommen.
    Bei der PKV ist es umgekehrt, man saugt die Kohorten der 60 jährigen bis aufs Blut aus, und unternimmt alles, dass diese nicht einmal innerhalb der PKV wechseln können.
    Das ganze System stinkt. Wie kann ein System funktionieren, bei dem PKV und GKV gegeneinander arbeiten.
    Wir haben kein funktionierenden Dualsystem, sondern zwei geschlossene Systeme die mit den Versicheten den Affen machen. Der Versicherte steht zwischen den Stühlen und hat nur mit Schikanen, Ablehnungen und Gesetzen zu tun. Die im Zweifel immer für den Versicherer gut ausgelegt werden.
    Man sollte echt daran gehen, das jeder nach seinen finanziellen Möglichkeiten an der Finanzierung beteiligt wird, und es auch in der PKV ein gesundes Verhältnis von Versicherungsbeitrag und Einkommen gibt. Der angebliche Vorteil in den Leistungen der PKV kann nicht rechtfertigen, dass man im Rentenalter in Armut gerät, und Sozialleistungen beantragen muss. Ein Gesundheitssystem das auf der einen Seite Rücklagen hortet, und trotzdem im Alter unbezahlbar wird, gehört abgeschafft.
    Da sollte man echt überlegen, ob nicht ein Umlagesystem für alle das bessere wäre. Macht endlich die Bürgerversicherung für alle. GIbt den Privatversicherten ihre Altersrückstellungen und überführt das ganze in ein gesetzliches System. Dann sollen die privaten sich mit Zusatzversicherungen zu Tode kalkulieren.

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