Ohne Krankenschutz
Die Unversicherten

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Krankenkassenrückstände in Milliardenhöhe


Die kann ihn aber nicht behandeln. „Eine Untersuchung bei einem Neurologen ist dringend erforderlich“, sagt der Internist Herbert Breker von der MMM. Der MMM fehlen dafür aber das Geld und der Spezialist. Deswegen empfiehlt er Majcrak die neurologische Abteilung einer Klink in Köln-Merheim aufzusuchen. Breker hofft, dass seine Kollegen wie er Epilepsie als eine lebensbedrohliche Krankheit einstufen und Majcrzak deswegen behandeln. Ob die AOK die Medikamente übernehmen wird, die Majcrzak künftig täglich sein Leben lang nehmen muss, ist noch nicht klar. Zur Not hat die MMM ein paar auf Vorrat, doch ihnen fehlen die Gelder um den Polen täglich damit zu versorgen.

Die Bundesregierung hat erkannt, dass viele Versicherte ihre Beiträge und ihre entstandenen Rückstände nicht zurückzahlen können. Deswegen hat sie im vergangenen Jahr den Säumniszuschlag auf Rückstände von fünf auf ein Prozent reduziert. Dies gilt auch rückwirkend für alle Rückstände, die seit der Einführung der Versicherungspflicht entstanden sind.

Außerdem beschloss der Bundestag allen Krankenversicherten die bis 2013 zur gesetzlichen Krankenkasse zurückkehren sämtliche Beitragsrückstände zu erlassen. Von dieser Stichtagsregelung machten allerdings laut des „Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen“ nur 13.600 Menschen Gebrauch. Der Spitzenverband gab auf Nachfragen von Handelsblatt Online nicht bekannt, wie viele Versicherte es insgesamt gibt, die ihre Beiträge nicht bezahlen können. Die Rückstände der gesetzlich Krankenversicherten beziffert sie für Ende 2012 auf 4,5 Milliarden Euro.


Nicht nur für Patienten ist der nicht vorhandene Versicherungsschutz ein Risiko. Auch Krankenhäuser kämpfen damit. In Großstädten wie München oder Berlin und in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet suchen häufig Unversicherte Krankenhäuser auf. „So kommen für die Kliniken sechs-oder gar siebenstellige Summen zusammen“, sagt Andreas Wegener, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der „Deutschen Krankenhausgesellschaft. „Durch die Freizügigkeit in Europa hat sich das Problem verstärkt.“ Unversicherte müssen im Notfall behandeln werden und die Krankenhäuser benötigen zudem oft eine Voruntersuchung, um zu entscheiden, ob behandelt wird oder nicht.

Das kostet alles Geld. Geld, das die Patienten oft nicht haben. So müssen die Krankenhäuser für die Kosten aufkommen. Nur in einigen Landkreisen gibt es öffentliche Rücklagen für Krankenhäuser, die Unversicherte behandeln. Deshalb fordert Wegener genau wie die MMM, dass der Staat künftig für die Behandlung aller Unversicherter aufkommt.

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  • Jeder, jeder muss zwangsweise einzahlen. Es kann nicht sein, das diese (...) von der Allgemeinheit leben dürfen.

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wenn die GKV nicht ständig ihre Leistungen kürzen würde, wären die Beitragssteigerungen noch höher als in der Privaten. Es ist einfach, auf der PKV herumzuhacken - viele (unwissende) plappern natürlich die Bildparolen nach.
    Wer glaubt denn, dass die Überführung der Rückstellungen in die GKV das Problem lösen würde? Die Milliarden hätte die Öffentliche Hand schneller verprasst für Flughäfen, Bahnhöfe oder Elbphilharmonien als wir piep sagen können!

  • Solange sich die Politiker hinstellen und immer wieder unser Gesundheitssystem in den Himmel heben, wird sich am Grundübel nichts ändern.
    Die Politiker werden von der Gesundheitslobby dazu eingespannt, in keinem Falle etwas am System zu ändern.
    Jeder fährt gut dabei und kann die Versicherten abzocken.
    Egal ob GKV oder PKV jeder will nur Junge versichern in der Hoffnung das keine Leistungen entstehen.
    Man nehme die GKV, die mit aller Macht verhindert das Personen ab 55+ noch in ihr System kommen.
    Bei der PKV ist es umgekehrt, man saugt die Kohorten der 60 jährigen bis aufs Blut aus, und unternimmt alles, dass diese nicht einmal innerhalb der PKV wechseln können.
    Das ganze System stinkt. Wie kann ein System funktionieren, bei dem PKV und GKV gegeneinander arbeiten.
    Wir haben kein funktionierenden Dualsystem, sondern zwei geschlossene Systeme die mit den Versicheten den Affen machen. Der Versicherte steht zwischen den Stühlen und hat nur mit Schikanen, Ablehnungen und Gesetzen zu tun. Die im Zweifel immer für den Versicherer gut ausgelegt werden.
    Man sollte echt daran gehen, das jeder nach seinen finanziellen Möglichkeiten an der Finanzierung beteiligt wird, und es auch in der PKV ein gesundes Verhältnis von Versicherungsbeitrag und Einkommen gibt. Der angebliche Vorteil in den Leistungen der PKV kann nicht rechtfertigen, dass man im Rentenalter in Armut gerät, und Sozialleistungen beantragen muss. Ein Gesundheitssystem das auf der einen Seite Rücklagen hortet, und trotzdem im Alter unbezahlbar wird, gehört abgeschafft.
    Da sollte man echt überlegen, ob nicht ein Umlagesystem für alle das bessere wäre. Macht endlich die Bürgerversicherung für alle. GIbt den Privatversicherten ihre Altersrückstellungen und überführt das ganze in ein gesetzliches System. Dann sollen die privaten sich mit Zusatzversicherungen zu Tode kalkulieren.

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