Ohne Strategie gegen die AfD?

Die reversible Selbstzerstörung der Volksparteien

Im September stehen Landtagswahlen vor der Tür. Umfragen sagen den Volksparteien ein neues Desaster voraus. Was passiert, wenn die AfD in Mecklenburg-Vorpommern stärkste Partei und in Berlin zu CDU und SPD aufschließen sollte?
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Die Jahrzehnte lang geltende Architektur der demokratischen Politik gerät ins Wanken. Quelle: AP
Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Angela Merkel

Die Jahrzehnte lang geltende Architektur der demokratischen Politik gerät ins Wanken.

(Foto: AP)

BerlinDeutschlands Volksparteien verhalten sich derzeit wie die Musikkapelle auf der Titanic. Ihr Schiff ist schwer Leck geschlagen, man sinkt und spielt doch die alten Lieder munter weiter. Die Denkzettelwahl vom März war der Eisberg der politischen Volksparteien-Kreuzfahrt. Die SPD ist in zwei Flächenstaaten hinter die AfD zurückgefallen, der Volksparteiencharakter schwindet, und in bundesweiten Umfragen rutschen die Sozialdemokraten nun sogar unter die demütigende Marke von 20 Prozent ab.

Jede normale Institution würde sich nach Rettungsbooten umsehen, es würde der Kapitän infrage gestellt, man würde den Kurs dringend wechseln und ein entschiedenes Wendemanöver versuchen. Die SPD hingegen hält blindtapsig Kurs unter die Wasserlinie.

Besonders zielstrebig versenkt sie sich derzeit in Berlin. Am 18. September wählen die Berliner das Abgeordnetenhaus, es wird die nächste Landtagswahl mit bundesweiter Signalwirkung. Hauptstadt ist schließlich Hauptstadt. Die Umfragen sagen der SPD bereits eine schwere Schlappe voraus, sie käme derzeit nur noch auf einen Stimmen-Anteil von 23 Prozent, das ist der schlechteste Wert, den Infratest-dimap für die Berliner SPD seit einem Jahrzehnt gemessen hat. Ein Stadtbezirk nach dem anderen fällt stimmungsseitig der AfD entgegen.

Anstatt nun einen kämpferischen Wahlkampf gegen die politische Gezeitenwende zu eröffnen, startet die Berliner SPD lieber einen internen Machtkampf. Michael Müller wagt als Regierender Bürgermeister eine Attacke auf seinen eigenen Parteivorsitzenden Jan Stöß und will diesen noch vor der Wahl aus dem Amt jagen und selber Vorsitzender werden. Persönliche Machtspiele prägen nun das Bild einer zerstrittenen Berliner SPD. Dabei ist das öffentliche Bild des Regierenden ohnedies angekratzt, weil das Management der Flüchtlingskrise in Berlin einen eher miserablen Eindruck macht. Der nun offen ausgetragene Machtkampf ist neues Wasser auf die Mühlen der AfD.

Die Selbstzerstörung der SPD in Berlin könnte fatale Folgen haben. Sollte nämlich die Sozialdemokratie auch in ihrer Hochburg Berlin den Volksparteienstatus verlieren und auch in der Hauptstadt der Republik abrutschen, dann wäre die symbolische Wirkung dieser Niederlage desaströs. Bis hin zur Titelseite der New York Times würde der historische Aufstieg der AfD registriert. Zumal schon jetzt die Gefahr besteht, dass die SPD auch in Mecklenburg-Vorpommern (wo ebenfalls im September gewählt wird) von der AfD überholt wird. Dort könnte die AfD - wenn das Momentum der Rechtspopulisten weiter trägt - sogar stärkste Partei überhaupt werden. Umso verblüffender ist die Nicht-Reaktion von SPD und CDU auf diese historische Herausforderung.

Sigmar Gabriel, ratlos-verzweifelt
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31 Kommentare zu "Ohne Strategie gegen die AfD?: Die reversible Selbstzerstörung der Volksparteien "

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  • Für reversibel halte ich die Selbstzerstörung der Altparteien nicht.Die Antivolksparteien sind bis ins Mark verrottet ,das ist irreversibel.Vermutlich ist auch das geplant,zumindest behauptet Kissinger alles was geschieht wäre geplant.
    Wenn wir die alten griechischen Stadtstaaten,wo die Demokratie erfunden wurde,betrachten,so sehen wir daß es jeweils nur 50 Jahre gedauert hat bis die Demokratie am Ende war und ein starker Mann (Tyrann) Ordnung schaffen mußte.Unser "Staat" besteht jetzt 70 Jahre ,wir sind am Ende.

  • @ Riemke

    Wegen der Satire wird in Deutschland extra für dowe Satiriker die Todesstrafe wieder eingeführt. Vollstreckung nach Sendung.

  • Verehrter Herr Datko!

    Die AfD hat politisch bereits viele Wohltaten für ihre wähler verteilt, stimmts?
    Mit der AfD werden die Deutschen in Tagen sehr, sehr, sehr viel mehr erreichen als in den vergangenen 70 Jahren, oder was? Die Millionäre verlieren ihr Vermögen und Hartz IV werden Millionäre, nicht wahr?
    Glaubem iSie soichen Unsinn? Na dann!

  • @Herr Peter Noack

    -Die Deutschen werden erst nach Merkel wissen, was diese Politik ihnen gebracht hat.- (Zitat)

    Die meisten Deutschen wissen das jetzt schon.
    Ich mache mir Gedanken, wer den Schutt dieser Politik wegräumen soll und wie lange das dauert.

  • Ich rate allen, die mit dem Personal und der Politik des Altparteienblocks nicht mehr einverstanden sind:
    !!! Werden Sie Mitglied in der AfD !!!

    Sie nur zu wählen reicht in katastrophalen Zeiten wie diesen nicht mehr. Sie können sich dort einbringen, sinnvoll mitarbeiten. Die AfD braucht jeden Mann und jede Frau mit Realismus und Pragmatismus.

    Die Altparteien verursachen auf zentralen Politikfeldern nur noch horrende Mißstände und für uns alle entsetzliche Verheerungen. Baustellen und Übelstände gibt es sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene genügend; nur Stichworte:
    * die Eurokrise spitzt sich immer mehr zu
    * die mit den Geldschöpfungsaktionen der EZB und der Nullzinspolitik zugekleisterten Probleme drohen auch die deutsche Wirtschaft zu ersticken.
    * das Asylproblem- und die z.T. illegale Masseneinwanderung von Millionen von Mohammedanern
    * eine Familienpolitik existiert nicht
    * auf Länderebene die Bildungsmisere
    * die Infrastruktur verkommt usw. usf.

    Live aus dem verregneten Buxtehude
    16 Uhr local time.
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Duesseldorf

  • Herr Weimer weist zu Recht daraufhin, daß derzeit die SPD wie auch die CDU ihre Selbstdemontage als Volksparteien betreiben. Dabei dürfte die Ursache für diese Entwicklung vor allem darauf zurückzuführen sein, daß beide Parteien nach der Wahrnehmung eines zunehmenden Teils der Wähler nicht mehr die Interessen des Landes und seiner Bevölkerung in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen. Trotz einer immer noch intakten Konjunktur dürfte sich gerade in der Mittelschicht das Gefühl breit machen, daß diese in den kommenden Jahren die Millardenausgaben für sinnlose Griechenland -Rettungspakete und die Integration von Flüchtlingen zu stemmen hat, während es an überfälligen Investitionen in Bildung, Infrastruktur und Wohnungsbau sichtbar fehlt.
    Wenn die Volksparteien ein weiteres Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindern wollen, ist eine Kehrtwende erforderlich. Ansonsten sind in der Tat irreversible Veränderungen in der Parteienlandschaft zu befürchten. Die daraus resultierenden Konsequenzen sind dabei nicht absehbar.

  • Aha! Ich lache mich tot. Das Handelblatt war doch stets vorneweg, die AfD platt zu machen, wenn sie genau das, was das Blatt jetzt bejammert, beim Namen genannt hat. Dieses "Fachblatt" für die Wirtschaft hat es sogar fertig gebracht, die handwerkliche Funktionsunmöglichkeit des "Euro" mit Werbebannern zu verhüllen.

    Jetzt kommen die ersten journalistischen Wendehälse heraus, die es schon immer gewusst haben wollen. Gratuliere.

  • "Durch eine falsche Migrationspolitik, durch ein Ignorieren massenhafter Sorgen in der Bevölkerung, durch eine dumpfe politische Korrektheit, durch eine Verkrustung der Machtapparate und auch durch unsägliche Machtkämpfe in den eigenen Parteien."

    Was ist denn jetzt auf einmal los?

    Wenn die AfD genau dies (wenn auch in einem schärferen Ton) kritisiert dann ist dies falsch, menschenverachtend und rassistisch. Genauso haben doch die Medien vor allem in den letzten Monaten argumentiert. Ja auch das Handelsblatt!

    Es wachen wohl doch so langsam einige auf? Naja lieber spät als nie!

  • Das ist Demokratie!

    Das Volk ist der Souverän, und die politischen Parteien konkurrieren um die Gunst
    des Souveräns. Wenn jetzt die AfD stark gewinnt, weil CDU & Co vielfach genau das tun, was große Teile des Volkes nicht wollen, dann ist das gut und richtig so. Dass den Verlierern und ihren journalistischen Hilfstruppen das nicht gefällt, kann nicht überraschen, ist aber nicht wichtig.

  • Ja Herr Noack, und wo stehen die "Partner jetzt? Die CDU will sich in BW unbedingt in BW unbedingt als Juniorpartner anbiedern, und das bei den Grünen - wohl wohl bekomms.
    Ach ja, was hat den die Merkel und CDU richtig gemacht. Euro, und die tausendste Rettungsaktion, können es wohl nicht gewesen sein. Vielleicht der Ausstieg ausstieg, oder die ewige Rechtsbrecherei.
    Genau, es war die Flüchtlingspolitik, mit Selfie, und den Satz, dann ist das nicht mehr mein Land

    Zitat: Die Kanzlerin Frau Dr. Merkel regiert mit verschiedenen Koalitionspartnern seit 11 Jahren. Natürlich hat sie alles falsch

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