21.11.2007

DIW-Studie: Ohne Zuwanderung würde sich Deutschland leeren

23 000 Menschen wanderten 2006 nach Deutschland ein - viel zu wenige, um den Bevölkerungsrückgang stoppen zu können. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat nun ausgerechnet, wieviel Zuwanderung dafür nötig wäre - und was geschähe, wenn alles weitergehe wie bisher.

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HB BERLIN. Seit 2003 nimmt die Einwohnerzahl Deutschlands kontinuierlich ab, weil Wegzüge und Sterbefälle die Geburten und Zuzüge deutlich übersteigen. Nach Berechnungen des DIW müssten jährlich rund 270 000 Menschen zuwandern, um 2050 eine stabile Bevölkerung von etwa 80,3 Millionen zu erreichen. Mit nur 100 000 Zuwanderern im Jahr würde die Einwohnerzahl in Deutschland hingegen auf 69,6 Millionen sinken.

Eine Einwanderung von 270 000 Menschen nach Deutschland hatte es zuletzt 2001 gegeben. Seit dem so genannten Asylkompromiss von 1992, der hohe Hürden für Asylsuchende aufbaute, ist die Zahl der Zuwanderer von damals über einer Million kontinuierlich zurückgegangen. In diesem Jahr werden sogar noch geringere Zuwandererzahlen als 2006 erwartet. Ende vergangenen Jahres zählte Deutschland 82,3 Millionen Einwohner, darunter 7,3 Millionen Ausländer.

Das DIW geht davon aus, dass die Zuwanderungszahl in wenigen Jahren wieder stark ansteigen wird. „Die ab 2011 geltende Freizügigkeit für Bewerber aus den neuen EU-Staaten und die Sogwirkung am Arbeitsmarkt werden uns für Einwanderer wahrscheinlich wieder attraktiver machen“, sagte DIW-Expertin Erika Schulz. Neben der Zuwanderung wird laut DIW wahrscheinlich auch eine steigende Lebenserwartung den Schrumpfungsprozess abfedern.

Großen Einfluss hat die Zuwanderung der Studie zufolge auf die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 60 Jahre). Mit nur 100 000 Einwanderern im Jahr werde die Zahl der Erwerbstätigen 2050 bei nur noch 31 Millionen Menschen liegen. Beträgt der Zuwanderungsgewinn hingegen jährlich 270 000 Personen, stünden rund 37 Millionen Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Die Bundesregierung hatte Anfang 2005 mit dem Zuwanderungsgesetz Aufenthalt und Integration von Ausländern neu geregelt und damit den Zuzug von Spätaussiedlern und Asylbewerbern weiter gebremst. Nach dem Gesetz können nun allerdings Hochqualifizierte und Selbstständige unter bestimmten Bedingungen in Deutschland arbeiten. „Inwieweit dies die Wanderungsströme beeinflusst, bleibt abzuwarten“, sagte Schulz. Mit dem drohenden Fachkräftemangel werde die Politik aber wahrscheinlich die Tore für ausländische Arbeitskräfte noch weiter öffnen.

Die Einwanderung von Hochqualifizierten aus Entwicklungsländern ist nach einer Studie des OECD-Entwicklungszentrums allerdings ein zweischneidiges Schwert: Zwar finden Bewerber aus der dritten Welt in ihren Herkunftsländern keine adäquate Beschäftigung. In vielen Fällen, etwa im medizinischen Bereich, fehlten sie aber als Fachkräfte im eigenen Land.

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