Olaf Scholz
Der weite Weg des „Scholzomats“

Olaf Scholz tritt als SPD-Spitzenkandidat bei den fällig gewordenen Neuwahlen in Hamburg an. Und seine Chancen sind gar nicht schlecht, Christoph Ahlhaus zu besiegen. Dabei kann Scholz auf eine wechselhafte Karriere zurückblicken. In der SPD galt er einst als Organisationstalent und Strippenzieher, aber auch als Scholzomat.
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HB HAMBURG. Wenn nicht noch völlig unvorhersehbare Dinge passieren, heißt der nächste Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz. Der 52 Jahre alte SPD-Bundestagsabgeordnete liegt schon jetzt in der Beliebtheit vor dem CDU-Amtsinhaber Christoph Ahlhaus, der zuletzt mit Fotos von sich und seiner Frau ist der Pose eines Sonnenkönigs in einem Klatschblatt für hochgezogene Augenbrauen an der Elbe sorgte. Von Scholz und seiner Frau Britta Ernst, ebenfalls SPD-Politikerin, sind solch pompösen Bilder nicht zu erwarten. Scholz wird als fleißig und bescheiden beschrieben, er wohnt im unspektakulären Stadtteil Altona.

Dort lebt der Rechtsanwalt und Kaufmannssohn seit seinen Studententagen und hält regelmäßig Stadtteilgespräche ab. Den Hamburgern wurde Scholz erst ein Begriff, als er 2001 den glücklosen Innensenator Hartmuth Wrocklage ablöste. Scholz versuchte energisch, gegen Kriminalität durchzugreifen: Er stoppte den Stellenabbau bei der Polizei und kündigte Programme gegen Jugendkriminalität sowie Härte gegen Drogendealer an. Aber zu spät.

Die SPD verlor die Wahlen gegen die CDU unter Ole von Beust und die Schill-Partei, die voll auf die Ängste der Bürger gesetzt hatten und die innere Sicherheit zum Hauptthema im Wahlkampf machten.

Diese Niederlage stoppte die Karriere von Scholz nicht: Er kehrte bei der nächsten Bundestagswahl zurück ins Parlament. Im Oktober 2002 ermöglichte der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering den Karrieresprung des Hamburgers auf den Posten des SPD-Generalsekretärs. Scholz gilt damals als Organisationstalent und Strippenzieher. Er wurde aber auch als „Scholzomat“ verspottet, weil seine Rhetorik oft monoton war.

Im Oktober 2005 schlug Müntefering Scholz dann als Ersten parlamentarischen Geschäftsführer vor, 2007 wurde er Arbeitsminister. Mit seiner Hilfe wurde vermieden, dass die große Wirtschaftskrise zu Massenentlassungen führte. Scholz sorgte dafür, dass die Firmen ihre Leute lange in staatlich finanzierte Kurzarbeit stecken konnten. Als dann Ende 2009/Anfang 2010 die Aufträge wieder hereinkamen, konnten die deutschen Betriebe sofort loslegen, weil sie ihre Stammbelegschaften gehalten hatten.

Nachdem die große Koalition in Berlin vorbei war, wurde Scholz SPD-Landeschef in Hamburg. So wie es aussieht einte er den notorisch zerstrittenen Landesverband. Ein Sieg bei der Bürgerschaftswahl im nächsten Jahr könnte für ihn Sprungbrett sein: Gerhard Schröder hatte den Arbeitsrechtler 2001 - wie andere jüngere SPD-Politiker auch - sogar als möglichen Kanzlernachwuchs bezeichnet.

Kommentare zu " Olaf Scholz: Der weite Weg des „Scholzomats“"

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  • Scholzomats? besser kann man Scholz nicht bezeichnen. Ein politischer Apparat, bei dem man die Gefühle vergessen hat.

  • Ja, und bei den bilderberg "Konferenzen" war er ja auch.


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