Oldenburger Grünkohlkönig
„Jetzt kommt XX-Large“

Seine Hauptaufgabe ist die Energiewende. Doch nun hat Bundesumweltminister Altmaier eine weitere Aufgabe: Er regiert künftig als Oldenburger Grünkohlkönig. Für einige seiner Vorgänger war dieses Amt ein Karriereknick.
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BerlinEinen Würdenträger von überzeugender Statur hatten sie sich gewünscht – und sie bekamen ihn. Denn dass Peter Altmaier etwas von gutem Essen versteht, zeigt schon seine Leibesfülle. Die Wahl des Bundesumweltministers zum 56. Oldenburger Grünkohlkönig war da nur konsequent. Am Montagabend übernahm der CDU-Politiker für ein Jahr das Amt von Günther Oettinger. Dessen Vorgänger Philipp Rösler (FDP) sei Größe S gewesen, befand der EU-Energiekommissar. Sich selbst stufte er mit Größe M ein. „Jetzt kommt XX-Large.“ Doch Altmaier verriet kurz darauf freimütig: „XXL passt mir schon lange nicht mehr.“

Der Wechsel erfolgte beim traditionellen „defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ (deftiges Oldenburger Grünkohlessen) in der Vertretung des Landes Niedersachsen in Berlin. Seit 1956 nutzen die Oldenburger den Abend, um für ihre Stadt und die Region im Nordwesten der Republik zu werben. Schon als Bonn noch Bundeshauptstadt war, etablierte sich das Essen als Politpromi-Treff. Nur wegen der Hochwasserkatastrophe 1962 und während des Golf-Kriegs 1991 fiel es aus.

Vor der Wahl des neuen Königs stand wie üblich die Abdankung des alten. „Nachdem schon der Papst geordnet zurücktreten kann, warum nicht der Kohlkönig“, fragte Oettinger in die Runde der rund 330 Gäste und resümierte: „Es war eine schöne Zeit.“ Und der Mann aus Baden-Württemberg bekannte: „Grünkohl mit Speck und Pinkel ist meine Lieblingsspeise geworden, zumindest wenn auf der Speisekarte ansonsten nur Labskaus, Halver Hahn und Braunkohl steht.“

Vor der Inthronisation seines Nachfolgers gab es erst einmal schwere Kost: Aufgetischt wurden rund 200 Kilogramm Grünkohl, 95 Kilogramm Kassler, 60 Kilogramm Pinkel (Grützwurst), 50 Kilogramm Kochmettwurst und 38 Kilogramm Speck. Heruntergespült wurde dieser Mix mit herbem friesischem Bier. Zur Abrundung folgte als Dessert Rote Grütze. Schnaps sollte bei der Verdauung helfen.

Zu diesem deftigen Essen gehören traditionell deftige Reden. „Den einen oder anderen König hat es in den letzten Jahren aus der Kurve getragen“, meinte Niedersachsens neuer Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) fast genüsslich. Das galt Christian Wulff, Grünkohlkönig 2005 und Ex-Bundespräsident, Annette Schavan (CDU), Grünkohlkönigin 2009 und Ex-Bundesbildungsministerin, sowie Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Grünkohlkönig 2010 und Ex-Bundesverteidigungsminister. Auch Oldenburgs Oberbürgermeister Gerd Schwandner machte sich schon Sorgen: „Kohlkönig – Das war früher ein Kanzler-Kickstart. Ist es heute ein Karriereknick?“

Das sah der neue König gelassen. Ja, zwischendurch habe der eine oder andere auf dem Thron etwas geschwächelt. „Die Kandidaten wurden immer schöner, aber auch immer ranker und schlanker“, meinte der 140-Kilo-Mann Altmaier mit Blick auf seine direkten Vorgänger zu Guttenberg, Rösler und Oettinger. Aber er erinnerte daran, dass auch CDU-Altkanzler Helmut Kohl und der heutige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schon Oldenburger Kohlmajestäten waren – wie er ebenfalls keine Leichtgewichte. „Einen von der Gewichtsklasse Helmut Kohl, Sigmar Gabriel oder Peter Altmaier, den trägt so schnell nichts aus der Kurve.“

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Altmeier ist genau so medien- und öffentlichkeits geil wie Merkel. Keine Deämlichkeit ist dumm genug, als dass er nicht mitmacht.
    Und auf seine Leibesfülle muß er nun nicht gerade stolz sein
    Wir reden von zu dicken Kindern, da sollte er lieber mal ein Vorbild abgeben

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