Ominöser Lauschangriff trifft CDU
„Wesergate“ in Bremen

Ein illegaler Lauschangriff gegen Spitzenpolitiker der Bremer CDU überschattet die Neuauflage der großen Koalition in der Hansestadt, die an diesem Montag besiegelt werden soll.

HB/dpa BREMEN. Landesparteichef Bernd Neumann und Fraktionschef Jens Eckhoff wurden bei der Neuordnung von Politik und Personal der CDU in den vergangenen Wochen abgehört, möglicherweise sogar schon jahrelang. Hochleistungswanzen sendeten die Gespräche in den Äther, die in ihren Büros in der Parteizentrale geführt wurden. Ein junger Hobbyfunker empfing die Signale und deckte die „Wesergate“-Affäre auf. Die Hintergründe sind völlig unklar.

Unter dem Druck wachsender Spekulationen durchbrach Neumann jetzt die Nachrichtensperre und nannte erstmals Einzelheiten. Danach erschien der blinde Amateurfunker aus der Nachbarschaft in der vorvergangenen Woche im CDU-Haus und erklärte, er habe mit seiner Funkanlage dort geführte Gespräche empfangen. Die Hinweise seien sehr vage gewesen, sagte Neumann am Samstag der dpa. „Ich konnte das gar nicht glauben.“ Zur Sicherheit sei ein Unternehmen mit der Überprüfung seines Büros beauftragt worden. Ein Elektriker fand in einer Steckdose eine Wanze.

Tags darauf legte der CDU-Mann das Gerät dem Verfassungsschutz vor, der die Wanze als „hoch professionell“ einstufte und ihm aus Ermittlungsgründen absolutes Stillschweigen empfahl. „Nicht einmal meiner Frau durfte ich etwas erzählen.“ Alle zuständigen Bundes- und Landesstellen sowie niedersächsische Abhörexperten seien eingeschaltet worden.

Am vorvergangenen Freitag (20. Juni) erschien der Hobbyfunker mit seiner Mutter dann erneut in der CDU-Zentrale. Diesmal stand er vor dem Büro von Fraktionschef Eckhoff. Der Junge zitierte Passagen aus Gesprächen, die soeben in dessen Zimmer geführt worden waren. Der künftige Bausenator war entsetzt und verständigte sofort die Polizei. Auch bei ihm wurde eine Wanze entdeckt. Eine Suche in den anderen Räumen der Parteizentrale blieb laut Neumann dagegen ohne Ergebnis.

„Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, wer dahinter steckt. Ich habe keinerlei Anhaltspunkte, weder im privaten noch im politischen Bereich“, sagte Neumann. „Ich finde es schockierend, wie mit krimineller Energie in die Privatsphäre eingedrungen worden ist.“

Energisch dementierte er einen Bericht des Nachrichtenmagazins „Focus“, er habe die Polizei zu spät über die Abhöraktion informiert. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ sehen die Verfassungsschützer bisher keinen politischen Hintergrund der „Wesergate“-Affäre. Die Staatsanwaltschaft vermute den Täter eher in der Union oder im privaten Umfeld. Die Wanzen könnten auch schon vor drei Jahren installiert worden sein.

Pech könnte der hilfsbereite Hobbyfunker haben, der die Affäre ans Licht gebracht hat: Laut „Spiegel“ droht ihm möglicherweise ein Verfahren wegen Verstoßes gegen das Telekommunikationsgesetz.

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