Online-Konto als Lösung? Alle Renten-Ansprüche auf einen Blick

Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie Bürger über ihre Vorsorge im Alter besser informiert werden können. Ziel ist es, Versorgungslücken rechtzeitig zu schließen. Jetzt steht ein Online-Rentenkonto zur Diskussion.
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Zwei Drittel der Deutschen kennen ihre zukünftigen Rentenansprüche nicht. Quelle: dpa
Von wegen sorgenloses Alter

Zwei Drittel der Deutschen kennen ihre zukünftigen Rentenansprüche nicht.

(Foto: dpa)

BerlinFür viele Arbeitnehmer ist es ein Schock: Wenige Monate vor dem geplanten Rentenbeginn gehen sie zu ihrer Rentenversicherung, um Lücken in ihrem Versicherungsverlauf zu klären und sich die erste wirklich verbindliche Rentenauskunft zu holen. Häufig ist die entsetzte Reaktion: „Was, so wenig? Und dafür habe ich 45 Jahre gearbeitet?“

Bei der betrieblichen Altersversorgung läuft es oft nicht anders. Wie hoch die vom Arbeitgeber per Direktzusage versprochene Betriebsrente am Ende wirklich ausfällt, wissen die meisten erst, wenn es so weit ist und die Rente tatsächlich ausgezahlt wird. Und plötzlich stellt man fest, es reicht hinten und vorne nicht.

Bei der privaten Lebensversicherung gibt es immerhin jährliche Standmitteilungen. Das Problem ist aber: Ein Gesamtbild über ihre künftige Altersversorgung haben heute nur die Bürger, die sich darum kümmern. Genau das tun aber gerade die Erwerbstätigen nicht, die eher wenig verdienen und auch kein großes Vermögen oder Erbschaften in Aussicht haben. Gerade für sie wäre es aber am wichtigsten, Versorgungslücken rechtzeitig zu identifizieren. Zwei Drittel der Deutschen kennen folglich ihre Rentenansprüche nicht. Gut ein Fünftel weiß nicht, ob das Geld im Alter reicht.

Deshalb besteht seit langem Konsens zwischen den etablierten Parteien, dass es gut wäre, wenn sich alle Bürger auf einen Blick ein Bild über den Stand ihrer Altersversorgung machen könnten. Und was liegt im Zeitalter der Digitalisierung näher, als dies über ein Online-Portal zu realisieren, auf das jeder Berechtigte mit seinem Computer oder seinem Smartphone zugreifen kann. Das Portal muss dabei vor unbefugten Zugriff geschützt sein – versteht sich von selbst.

Doch getan hat sich in der Angelegenheit nicht viel. Jetzt prescht das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) mit einem eigenen Vorschlag vor – gerade rechtzeitig vor der Bildung einer neuen Regierung. Es will erreichen, dass das Online-Rentenkonto Bestandteil des Koalitionsvertrags der möglichen Koalition aus Union, Grünen und FDP wird. Da trifft es sich gut, dass dieses Vorhaben auch im Wahlprogramm der FDP steht und die Grünen in der vergangenen Legislaturperiode schon Anträge für ein solches Konto gestellt haben.

Nach dem Vorschlag des DIA sind zuallererst einige Gesetzesänderungen nötig. Es müsse eine neue Informationspflicht für die gesetzliche Rente, die betriebliche Altersversorgung und für alle Anbieter privater Renten in den einschlägigen Gesetzen verankert werden. Und zwar müssten die Träger der Altersversorgung verpflichtet werden, die nötigen Daten elektronisch bereitzustellen, erläutert DIA-Sprecher Klaus Morgenstern. „Ohne solchen gesetzlichen Zwang wird es nicht gehen.“ Dies zeigen nach seiner Ansicht auch die Beispiele anderer Länder, in denen es solche Konten bereits gibt oder wo sie gerade eingeführt werden.

Was die technischen Details angeht, plädiert das DIA für eine schrittweise Umsetzung. So soll der nötige Datenstandard in einer Art Private-Public-Partnership gemeinsam mit den Altersvorsorgeträgern entwickelt werden. Die Daten über die künftigen Rentenanwartschaften sollten aber nicht in einer zentralen Datenbank vorliegen, sondern jeweils nach dem Einloggen des Konteninhabers bei den Altersvorsorgeanbietern abgerufen werden. Der Einblick in das Rentenkonto sollte auf jedem Gerät – also Smartphone, Tablet, Laptop oder PC – möglich sein.

Zur sicheren Identifizierung schlägt das DIA die „electronic Identity“-Funktion (eID) des neuen Personalausweises vor. Sollte die mobile Nutzung dieser Funktion mit dem Smartphone sich noch verzögern, weil nicht genügend geeignete Geräte im Umlauf sind, käme das Elster-Verfahren in Frage. Das nutzen auch die Finanzämter für die Abgabe der elektronischen Steuererklärung. Mit dem eID-Verfahren verfügt Deutschland nach Ansicht des DIA aber über eine sichere Methode, die mittelfristig beim Online-Rentenkonto zum Einsatz kommen sollte.

Negativbeispiel Gesundheitskarte
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20 Kommentare zu "Online-Konto als Lösung?: Alle Renten-Ansprüche auf einen Blick"

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  • Hätt das Mädel Finken-Aktien, hätt es im Alter was zu Tanzen. So aber ach du Schreck ist die Kohle für immer weg. Ha Ha Ha

  • Korrektur zum Kommentar von 16:37 Uhr:

    (…) penibel kontrollieren. Und auch sonst für jede Menge geldverschlingende "Beschäftigung" innerhalb des eigenen Paralleluniversums sorgen …

  • Die Überschrift macht mich etwas ratlos.

    Was mich angeht, so bekomme ich jährlich für alle meine Renten eine Angabe über die bisherige Anwartschaft und eine Prognose über die zu erwartende Rentenhöhe bei Rentenbeginn.

    Ich weiß also, was ich zu erwarten habe. Wo liegt der Mehrwert eines "Online-Rentenkontos"? Mehr Rente ;)?

  • @Herr Peter Spiegel, 29.09.2017, 16:43 Uhr

    "Kann es sein, daß die Produktivität jährlich steigt ..."

    Ist so. Nur merken leider immer noch viel zu viele nichts davon. Jedenfalls nicht im positiven Sinne. Stichwort: fehlende Chancengleichheit, nicht nur, aber auch aufgrund oft extrem ungleicher Vermögens- oder besser: Ressourcenverteilung.

    Und NEIN, das soll jetzt k e i n Plädoyer für noch mehr Umverteilung und Geldtransfers sein. Sondern eins für ein anderes politisches System, das die Bezeichnung "Demokratie" verdient.

  • Frau Annette Bollmohr@ Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie immer weniger Bauern immer mehr Leute versorgen ? Kann es sein, daß die Produktivität jährlich steigt und ist es so, daß in der Kampfpresse für Rentensenkung , das immer verschwiegen wird ?

  • Für mich ist diese ganze Rentendebatte genauso eine Scheindebatte wie die über die „Obergrenze“.

    Man hangelt sich einfach von einem/einer Tag/Monat/Jahr/Wahlperiode zur nächsten und hofft, dass die jüngeren Generationen schon genug andere, aktuell drängendere Probleme haben, als dass sie auch noch Zeit und Gelegenheit hätten, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen.

    Dieser Schmu klappt jedenfalls so lange ganz gut, wie die Mehrheit der heutigen Rentner – trotz der im Laufe der Zeit kontinuierlich ansteigenden Zahl von Ausnahmen - im Großen und Ganzen immer noch ganz gut versorgt ist.

    Von wem, bitte, soll das Geld für Renten (und Pensionen) denn in Zukunft „erwirtschaftet“ werden, wenn auf einen Rentner immer weniger Beitragszahler kommen?? (Siehe hierzu auch:
    http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/porsche-personalvorstand-andreas-haffner-wer-eine-lehre-macht-muss-bleiben-koennen/20384394.html / http://www.handelsblatt.com/my/politik/deutschland/fluechtlinge-in-deutschland-scheindebatte-um-die-obergrenze/20384400.html)

    Während viele Betriebe in Handwerk und Industrie händeringend Lehrlinge suchen, aber keine mehr finden, weshalb Tausende Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, kloppen sich die Politiker über irgendwelche offenbar völlig aus der Luft gegriffene Zahlen. Und stören ansonsten nach Kräften, indem sie, wenn sie gerade nicht streiten, die Einhaltung nicht selten weltfremder bürokratischer Vorschriften penibel kontrollieren.und auch sonst für jede Menge geldverschlingende "Beschäftigung" innerhalb des eigenen Paralleluniversums sorgt (*-Krisen, Haushaltsdebatten, Kriege etc pp). Grad so, als stünden motivierte potentielle Azubis Schlange wie vor über 30 Jahren einmal.

    Da fragt man sich echt, wozu wir überhaupt noch Politiker brauchen. Die nötigen Institutionen und Strukturen schaffen, damit das gesellschaftliche Leben im Allgemeinen und die Wirtschaft im Besonderen vernünftig funktionieren kann, könnten wir Bürger nämlich auch selber.

  • Das Österreichische Modell? Was ist das ?
    Jeder in der "Deutschen Rentenversicherung" Versicherte bekommt jährlich einen Rentenauszug
    mit eine ausführlichen Erklärung dazu und wenn der Versicherte das nicht verstehen kann, dann kann es sich die Sache von der Rentenversicherung erklären lassen.

  • Frau Melanie Sollinger - 29.09.2017, 14:10 Uhr

    Das Österreichische Modell?
    Das wäre zu einfach, das würde ja funktionieren

    Leider würden dann etliche Konzerne keine wachsenden Gewinne auf Kosten von Renten generieren können. Nein nein, wir müssen unsere Geldelite schon weiter füttern. Am Ende hätten die Rentner noch was davon, das geht nicht.

  • Herr Holger Narrog - 29.09.2017, 13:44 Uhr

    Sehe ich nicht so, die Entwicklung des Rentenkontos hat ja kaum eine Änderung. Einmal im Jahr erfolgt dann der Update. Wow. Dann kann ich sehen, dass ich x Punkte dazubekommen hab, das kann ich mir dann ein Jahr lang anschauen, bis zum nächsten Update. Oder gar ein monatliches Update um den halben Punktzuwachs zu bestaunen und festzustellen, dass es immer noch lächerlich wenig ist.

    Völliger Unsinn, kostet nur Unmengen an Geld für IT-Systeme, die man vorhalten muss, falls sich mal jemand auf diese Seite verirrt. Frägt sich, welche Firma hier um einen Auftrag gebettelt hat, könnt ihr nicht mal wieder so Millionen-Softwareprojekt machen ...

  • Jürgen Fritz: Ökonomische Zukunft Deutschlands liegt auf dem Rücken von nur 8 Millionen Bürgern
    Von Gastautor Jürgen Fritz7. August 2017 Aktualisiert: 21. September 2017 21:16
    Nur 27 Millionen Nettosteuerzahler auf fast 83 Millionen Einwohner. Davon 12 Millionen vom Staat Abhängige, die von den verbleibenden 15 Millionen ebenfalls mitversorgt werden müssen. Und jetzt auch noch Millionen Immigranten zu 90 Prozent ohne adäquate Qualifikation. Wann wird das Ganze kippen?

    http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/juergen-fritz-oekonomische-zukunft-deutschlands-liegt-auf-dem-ruecken-von-nur-8-millionen-buergern-a2184356.html

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