Opel
Europa ist über Opel zerrissen

Belgien zürnt, Polen gibt sich ganz entspannt und die EU-Kommission will einen Sondergipfel der Industrieminister einberufen. Der mögliche Verkauf der GM-Tochter Opel und die Rolle der Bundesregierung dabei stoßen in Europa auf ein unterschiedliches Echo. Klar ist allerdings jetzt schon: auf Bundeskanzlerin Merkel kommen unangenehme Fragen zu.

HB DÜSSELDORF. Die EU-Kommission will angesichts des angestrebten Verkaufs von Opel an den Zulieferer Magna die Industrieminister der betroffenen EU-Staaten einberufen. "Das Treffen soll allen beteiligten Mitgliedstaaten Transparenz und Informationen zusichern", sagte ein Sprecher der Kommission am Freitag in Brüssel. Der Sprecher mahnte erneut, dass der Restrukturierungsplan "wirtschaftlich stimmig" sein müsse. Staatshilfen müssten zudem allen Aspekten der EU-Regeln entsprechen. "Es muss garantiert werden, dass das Unternehmen in Zukunft überlebensfähig ist." Die Kommission pocht darauf, dass bei der Gewährung von Staatshilfen für Opel keine Standorte benachteiligt werden dürfen. Die Behörde könnte die 4,5 Milliarden Euro Kredite und Bürgschaften für Opel als unerlaubte Beihilfen ablehnen.

In Belgien führten die Opel-Pläne bereits zu heftiger Kritik. Der belgische Finanzminister und Vize-Premierminister Didier Reynders forderte eine Untersuchung auf europäischer Ebene über möglichen Protektionismus in Deutschland. Der belgische Opel-Standort Antwerpen gilt als gefährdet. In der Hafenstadt wird mit rund 2580 Beschäftigten der Opel Astra produziert. Bisher habe noch kein Mitgliedstaat eine formale Beschwerde eingelegt, sagte der Sprecher.

In Spanien kündigten Gewerkschaften Proteste an, falls im Opel-Werk Figueruelas nahe Saragossa Jobs gestrichen werden. Großbritanniens Wirtschaftsminister Peter Mandelson bestritt, dass Magna eher britische als deutsche Arbeitsplätze abbauen werde.

Anders fallen die Reaktionen in Polen aus. Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat sich zuversichtlich über die Zukunft des polnischen Opel-Standortes geäußert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe ihm versichert, dass es keine Absichten gebe, die Fabrik in Gleiwitz zu schließen, sagte Tusk am Freitag im Parlament in Warschau. Gleiwitz könne "ganz ruhig" sein, sagte Polens Regierungschef.

Seite 1:

Europa ist über Opel zerrissen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%