Opel
Hessen stellt sich bei GM quer – USA hoffen

Die Debatte um Staatshilfen für den deutschen Autobauer Opel spitzt sich zu. Während Bund und Länder erbittert um Milliardenhilfen streiten, meldet sich nun die US-Regierung zu Wort. Deren Sonderbeauftragter Ron Bloom hofft darauf, dass ausländische Regierungen Opel zu Hilfe eilen werden. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich indes dagegen ausgesprochen.
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HB BERLIN/FRANKFURT. "Wer in der Lage ist, binnen weniger Tage mehrfach 200 Mio. Euro an Überbrückungskrediten zurückzuzahlen, der ist in meinen Augen liquide", sagte Hessens Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) dem Handelsblatt. Der amerikanische Staat halte 60 Prozent an GM. "Ich gehe davon aus, dass auch der amerikanische Staat liquide ist. Deshalb sehe ich keinen Anlass, eine Diskussion darüber zu führen, wie Hilfen für GM aussehen sollten", sagte Posch.

Der hessische Wirtschaftsminister, in dessen Bundesland künftig nicht nur die deutsche, sondern auch die Europa-Zentrale Opels sitzen soll, stellt sich damit hinter Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Der sieht sich zunehmend Kritik aus den Bundesländern mit Opel-Standorten ausgesetzt. Die Ministerpräsidenten kritisieren, dass Brüderle Staatshilfen in Frage stelle. Für Posch liegt die Verantwortung für das Sanierungskonzept beim Unternehmen selbst. "Bundeswirtschaftsminister Brüderle hat insofern vollkommen Recht", sagte Posch.

GM will bis Ende des Monats ein Sanierungskonzept vorlegen. Der Opel-Mutterkonzern ist laut Worten des neuen Opel-Chefs Nick Reilly darauf vorbereitet, eigene Mittel für den Umbau des Europageschäfts aufzuwenden. GM hoffe aber weiterhin auf Staatshilfen von den europäischen Regierungen. GM habe einen vorläufigen Plan, der "weniger gewagt" sei als der des kanadischen Autozulieferers Magna. Zu Einzelheiten wollte sich der Manager gestern aber nach wie vor nicht äußern. "Wir müssen ein Paket schnüren und ich hoffe, dass jede einzelne Regierung vorbereitet ist, ihren Beitrag genauso wie GM zu leisten", sagte Reilly.

Davon geht die die US-Regierung offenbar aus. Nach den Worten des Auto-Beauftragten Ron Bloom hofft Washington auf staatliche Hilfen für Opel aus Europa. Die Regierung werde sich in die Diskussion darüber nicht einmischen, stehe aber für Beratungen bereit, sagte der Chef der Auto-Task-Force der Nachrichtenagentur Reuters. "Ob sich ausländische Regierungen beteiligen, ist eine Frage zwischen der Opel-Mutter General Motors und den ausländischen Regierungen", sagte Bloom. "Ich denke, wir hoffen darauf, dass sie es tun, weil es für alle Beteiligten gut ist, aber wir werden Deutschland, Polen, England und Spanien nicht sagen, was in ihrem Interesse ist. Das müssen sie selbst herausfinden."

General Motors habe den Spielraum, in Töchter im Ausland zu investieren, wenn diese den Konzern stärkten, betonte Bloom. Im Falle Opel sei der Verwaltungsrat zu dieser Einschätzung gekommen. "Wenn man Anteile an einem Weltkonzern hat, dann muss man sagen: OK Jungs, ihr kümmert euch darum, den Aktienwert zu steigern. Und das ist, was sie versuchen zu tun."

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hat sich gegen eine deutsche Staatshilfe für Opel ausgesprochen. Die Autofabriken aller Hersteller litten in Westeuropa derzeit unter einer Überkapazität von drei Millionen Fahrzeugen pro Jahr, sagte Dudenhöffer am Mittwoch in Duisburg. Die vom Opel-Mutterkonzern General Motors angestrebte Sanierung ziele auf den Abbau einer Produktionskapazität von knapp 350.000 Wagen.

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  • bin ich was froh, dass endlich die FDP mitspielt.

    Man kann ja von den Herren in Gelb halten was man will, aber wirtschaftspolitisch sind sie einfach besser!

    Warum soll der Steuerzahler bitte lächerliche 30.000 Arbeitsplätze mit Milliarden finanzieren um dann doch in ein oder zwei Jahren die Arbeitsplätze zu verlieren?

    Dann gebt den Leuten einfach die Chance von Vorne zu beginnen.

    Aber die idioten von GM haben wohl so gar nix dazugelernt...typisch alte Männer halt...stur und fast schon kindisch diese lächerliche Drohung...30.000 Arbeitslose mehr sind wohl ein kleiner Preis im Gegensatz zu den Aufwendungen für jeden Einzelnen Steuerzahler, sorry Opelaner - auch ich war einmal Opel-Fan - bis ihr angefangen habt, Schrottmotoren zu produzieren und Modelle zu bauen, die sich fahren wie VW. Warum dann nicht gleich ein VW?

  • Es geht hier eigentlich nicht um Staatshilfe, sondern um Unternehmenskultur und Ausfuehrung eines business Modells.Fiat und Magna haben eine andere Geschwindigkeit,haben eine andere Unternehmenskultur; sind aber auf ihre Art extrem ergebnisorientiert und unkonventionell, und insbesonders Magna laesst die Mitarbeiter ueberproportional am Unternehmenserfolg teilhaben, verlangt aber in schwierigen Situationen genauso beitraege von der belegschaft. Das Management ist ueberproportional involviert.
    Und das fehlt bei GM. Das Opel Management und die Opel belegschaft hat in dieser schwierigen Phase gezeigt, dass Sie sich auf das Geschaeft konzentrieren koennen. Jetzt gibt es aber wieder die "Ablenkung" GM, und das ist das eigentliche Problem.

  • Arbeit zu erhalten ist Geld wert für uns Steuer-zahler. Hier gehts ums Geschäft liebe Politiker.
    Abwägen, rechnen und dann Geld für Euer Volk verdienen oder sparen, daß ist Eure Aufgabe. Kühl kalkulieren und bloß keine verletzten Emotionen. Diese Krise wird nur von den besten erfolgreich durchstanden. Seid die besten!

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