Opel in Bochum
„Die Politik kann nicht Standorte gegen Unternehmen sichern“

Opel lässt die Autoproduktion in Bochum auslaufen, Tausende Jobs sind bedroht. Nun warnt Bundestagspräsident Lammert vor zu hohen Erwartungen an die Politik. Anschaulich erklärt er ihre Grenzen.
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Berlin/BochumNach dem angekündigten Aus für das Bochumer Opel-Werk warnt Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) vor zu hohen Erwartungen an die Politik. Man dürfe "ihre Möglichkeiten weder überschätzen noch überdehnen", sagte Lammert in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd in Berlin.

Die Politik habe für die Zukunftsperspektiven von Regionen und Standorten zweifellos eine erhebliche Rolle. "Aber man sollte der Politik nicht Produktentscheidungen oder Marktsicherungsaufgaben zuweisen wollen, die nach allen Erfahrungen wirklichkeitsfremd sind. Wenn der Staat anfängt, Autos zu produzieren, dann kommen Trabis raus."

Politik könne Voraussetzungen dafür schaffen, dass es Betriebsansiedlungen gibt. "Aber die Politik kann nicht Standorte gegen Unternehmen sichern." Lammert fügte hinzu, da, wo es eine originäre politische Verantwortung gebe wie bei der Infrastruktur, "wird sie offenkundig wahrgenommen".

Mit Ausnahme der neuen Länder gebe es keine andere Region in Deutschland, die in ähnlicher Weise von der Politik im Strukturwandel begleitet worden sei wie das Ruhrgebiet. Allein in Bochum hätten Stadt, Land und Bund hohe dreistellige Millionenbeträge investiert.

Opel hatte am Montag angekündigt, 2016 die Autoproduktion in Bochum auslaufen zu lassen. Es droht der Verlust Tausender Jobs. Lammert hat seinen Wahlkreis in Bochum.

Der CDU-Politiker sagte, er sei "in jeder Beziehung und seit vielen Jahren" persönlich enttäuscht vom Opel-Mutterkonzern General Motors (GM). "Es gehört zur Tragödie des Unternehmens, dass aus Sicht des Opel-Managements notwendige Entscheidungen zu neuen Produkten und neuen Märkten nicht umgesetzt werden können, weil in der GM-Konzernzentrale in Detroit ganz andere Absichten bestehen", betonte Lammert.

Er fügte hinzu, das, was auf Bochum zukomme, sei "am bittersten für die unmittelbar betroffenen Menschen". Ihm erscheine aber die Einschätzung übertrieben, "dass der Verlust an Arbeitsplätzen eine Größenordnung habe, die die Region nicht bewältigen kann".

Lammert empfahl, "sich auf Optionen zu konzentrieren, die Zukunftspotenzial haben". Der erst vor wenigen Jahren angesiedelte Gesundheitscampus biete etwa in einer Wachstumsbranche Beschäftigungsperspektiven.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Opel in Bochum: „Die Politik kann nicht Standorte gegen Unternehmen sichern“"

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  • Vision Zukunft :

    ich hätte opel 2000 komplett abgeschrieben und
    jeglichen Kampf für den Erhalt der Arbeitsplätze
    für überflüssig gehalten .
    Dieser Zustand ist mit der Modellpflege der vergangenen
    Jahre nun Makulatur.
    Ein großes Problem ist und bleibt der Eigentümer.
    GM ist für die Modellpolitik 2000 verantwortlich.
    GM hat mit dem kontiniurlichen ,
    amerikanischen Miß- Management diese Situation
    erst erarbeitet .
    Was macht man am besten mit GM ?
    Die Arbeitsplätze in Bochum sind erhaltenswürdig .
    Bevor Deutschland Billionen nach Europa verteilt , kann
    Deutschland Opel zurückkaufen und in Deutschland
    das EK verteilen ?!
    Da die Arbeitsagentur so oder so zahlen muß ,
    Hartz IV , dank Schröder , eine Katastrophe ist
    sind die Kosten existent und beträchtlich.
    Der Know How Verlust - horizontal und senkrecht -
    muß auch mitbetrachtet werden .
    Made in Germany gehört zu einem Wert
    für dem auch die Politik kämpfen muß!
    GM muß weg.

  • Hm, GM und Opel, Opel wird von GM künstlich zur Konkurrenz gemacht, aber nur im Europa-Geschäft. Hauptziel von GM ist es die amerikanisch gesteuerten Standorte profitabel zu machen. Opel fällt daher über den Rand, weil die Amis für Opel den Export aus der EU raus nicht vorsehen wollen.

    Allerdings, wenn ich mir das Opel Blitz-Zeichen so ansehe, wäre Opel prädestiniert dafür die Elektro-Autos weltweit zu vertreiben. Dummerweise gefällt mir der Ampera garnicht, so vom Autogesicht her, obwohl er baugleich mit dem GM Volt sein soll. Da hat es ein Designer ein wenig überzogen - und bei dem Preis ist Design schon alles, weil es sind keine Freaks die sowas kaufen, sondern Leute denen was an der Umwelt liegt.

  • Es ist völlig legitim von GM entscheidungen zu treffen. Es wäre ziemlich dämlich, wenn GM und die Tochter beide auf dem asiatischen Markt tätig werden. Opel ist zu klein und hat keine Existenzberechtigung mehr. Der Traum von einem selbständigen Opel ohne GM war so naiv, dass er nciht zu übertreffen ist.

    Was Rösler und Lammert kritisieren ist daher verlogen oder dümmlich (wenn sie daran selbst glauben).

    Wenn Mitarbeiter oder Werke zu viel sind. Müssen sie reduziert werden. Ist das so unlogisch?

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