Operation „R2G“ „Rot-Rot-Grün ist längst kein Schreckgespenst mehr“

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Skepsis bei den Grünen

Die Grünen-Politikerin Brugger ist skeptisch, weil sie von Seiten der SPD eine gewisse Zurückhaltung registriert, sich aktiv in „R2G“-Gespräche einzubringen. „Ich vermisse in den entsprechenden Kreisen die Seeheimer der SPD ebenso wie den linken Flügel der Linkspartei“, konstatiert sie. „Nur wenn wir alle ernsthaft miteinander ins Gespräch kommen und nicht nur diejenigen, die sich ohnehin schon politisch gut verstehen, kann rot-rot-grün eine Option werden und das Dauer-Abo der CDU auf die Kanzlerschaft eine wirkliche Alternative bekommen.“

Brugger sieht außerdem Gemeinsamkeiten jenseits der großen Kontroversen um Auslandseinsätze und Rüstungsexporte, etwa bei Themen, die die Stärkung von Solidarität und Zusammenhalt in der Gesellschaft betreffen. Auch in der Umwelt- und Bürgerrechtspolitik gebe es „in großen Teilen grundsätzlich eine gemeinsame Linie“.

Dass eine rot-rot-grüne Koalition funktionieren kann, weiß Astrid Rothe-Beinlich. Sie ist Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion im Thüringer Landtag. Seit Ende 2014 wird das Bundesland erstmals von einer rot-rot-grünen Koalition unter einem linken Ministerpräsidenten regiert. „Um ein solches Bündnis auch auf Bundesebene zu realisieren, müssten allerdings grundlegende Differenzen, etwa in der Außenpolitik überwunden werden“, sagt Rothe-Beinlich. „Ich halte dies nicht für generell unmöglich, meine aber, dass es bis dahin noch ein sehr, sehr weiter Weg ist - insbesondere bei der Linken im Bund.“ Trotzdem ist Rothe-Beinlich überzeugt, „dass es lohnt, Brücken zu bauen und Kompromisse zu suchen, statt in Frontalopposition zu verharren und Gräben zu vertiefen“.

Auch der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, sieht vor allem noch bei der Linken Klärungsbedarf, was ein mögliches Linksbündnis betrifft. „Bei der Linkspartei gibt es viele, die wollen, aber nicht dürfen, weil ein linksnationaler Flügel um Sahra Wagenknecht blockiert“, sagte er. Liebich glaubt indes, dass auch Linksfraktionschefin Wagenknecht für eine „Operation R2G“ zu gewinnen wäre. „Auch wenn es Punkte gibt, die ich nicht teile, bin ich mir ziemlich sicher, dass Sahra Wagenknecht ein Mitte-Links-Projekt unterstützen würde, wenn es in unserer Partei darüber eine gemeinsame inhaltliche Verständigung gäbe“, sagt er.

Kellner würde Liebichs Optimismus gerne teilen, wartet aber erst einmal ab. „Es wird sich zeigen, was in den nächsten Monaten und bei den anstehenden Landtagswahlen passiert. Wir Grüne sind bereit, sehr genau zu prüfen, was geht und was nicht“, sagte er. Ein direktes Gespräch mit „R2G“-Befürwortern könnte der Grünen-Politiker schon am Mittwoch führen. Die „Denkfabrik“, ein von der SPD ins Leben gerufener Gesprächszirkel, lädt zum „R2G“-Sommerfest. Die Gäste erwartet, wie es in der Ankündigung heißt, ein „unterhaltsamer bunter Abend im Restaurant „Der Thüringer“ in der Thüringer Landesvertretung in Berlin“.

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