Opposition und Grüne spekulieren über Schröders Taktik
Schwarz-rote SPD-Träume

Mit dem Verzicht auf eine Koalitionszusage an die Grünen hält sich Gerhard Schröder alle Optionen offen. In der Opposition kursieren bereits Spekulation darüber, in welche Richtung der Kanzler seinen Rettungsanker auszuwerfen versucht. Es heißt, Schröder setze auf eine große Koalition.

HB BERLIN. "Der Kanzler ist ein Spieler - deshalb behält er auch diese Option in der Hinterhand", sagte FDP-Generalsekretär Dirk Niebel. Rot-Grün sei inhaltlich am Ende und habe weitgehend keine Gemeinsamkeiten mehr. Niebel: "Das geht weit über die Zerrüttung in einer Ehe hinaus."

Doch die FDP will sich ihren Aufstieg in die Regierung nach einem möglichen Wahlsieg der Union nicht verhageln lassen und rührt kräftig die schwarz-gelbe Werbetrommel. Niebel betonte erneut die Absicht seiner Partei, mit einer klaren Koalitionszusage für die Union in den Wahlkampf zu gehen. "Frau Merkel und Herr Stoiber haben jetzt eine reelle Chance, einen Schlussstrich unter Rot-Grün zu ziehen. Die müssten ja dämlich sein, wenn sie irgendetwas anderes ins Kalkül ziehen würden."

Die Grünen sehen indes den Spekulationen über eine große Koalition gelassen entgegen. "Ich nehme wahr, dass offensichtlich einige Leute träumen", sagte Parlamentarischen Geschäftsführers Volker Beck zu Äußerungen aus dem konservativen Seeheimer Kreis der SPD. "Das wird uns eher Wähler zutreiben." Anhänger von Rot-Grün müssten dann Grüne wählen. "Wer SPD wählt, kann auch Merkel bekommen - viele Leute haben darauf keinen Appetit", sagte Beck.

"Wenn Rot-Grün klappt, machen wir es", betonte der Abgeordnete. "Wir werden aber auch klarmachen, warum die Grünen auf jeden Fall unverzichtbar sind." So hätten die Grünen in der Arbeitsmarktpolitik stärker als die SPD eine "Philosophie des Mitnehmens" und der gesellschaftlichen Integration von Alleinerziehenden, Langzeitarbeitslosen oder Migranten.

Die Grünen hätten in der Vergangenheit die rot-grüne Reformpolitik nicht genügend abgegrenzt vom "sozialen Kahlschlag, den Union und FDP wollen", sagte Beck. "In Nordrhein-Westfalen ist uns noch nicht gelungen deutlich zu machen, wo hier der Unterschied besteht."

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