Opposition zufrieden
BDI bedauert den Verzicht Röttgens

Der überraschende Rückzug des CDU-Spitzenpolitikers Norbert Röttgen vom Wechsel an die BDI-Führung sorgt für gemischte Gefühle: der Industrieverband ist enttäuscht, doch die Opposition begrüßte die Entscheidung.

HB BERLIN. BDI-Präsident Jürgen Thumann äußerte großes Bedauern über Röttgens Verzicht und das Scheitern der wichtigsten Personalie seiner Amtszeit. Thumann zeigte aber auch Verständnis nach der heftigen Debatte um Röttgens zunächst geplante Doppelfunktion als Parlamentarier und Spitzenfunktionär beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der frühere Verbandschef Hans-Olaf Henkel, der die Diskussionen um Röttgen angefacht hatte, betonte am Samstag, Thumann sei nicht beschädigt.

Röttgen soll nach den Worten von Fraktionschef Volker Kauder weiter Parlamentarischer Geschäftsführer der Union bleiben. Er werde Röttgen nochmals vorschlagen und ihn bitten, das Amt bis zur Wahl auszuüben, sagte Kauder dem „Focus“. „Ich hoffe, dass alles so bleibt wie vor diesem kleinen Ausflug.“ Die Opposition würdigte die Entscheidung des Christdemokraten und erhöhte den Druck auf dessen Fraktionskollegen Reinhard Göhner, sich ebenfalls zwischen seinem Bundestagsmandat und dem Posten beim Arbeitgeberverband BDA zu entscheiden.

Thumann hatte Röttgen zum neuen BDI-Hauptgeschäftsführer verpflichtet und zunächst anerkannt, dass der CDU-Abgeordnete noch bis zum Ende der Wahlperiode im Herbst 2009 im Bundestag bleiben wollte. Vor einigen Tagen wandten sich Thumanns Vorgänger Henkel und Michael Rogowski in einem offenen Brief in scharfer Form gegen eine Doppelfunktion Röttgens. Sie forderten Thumann auf, den CDU-Politiker zum Mandatsverzicht zu bewegen. Röttgen, ein Vertrauter von Bundeskanzlerin Angela Merkel, gab am Freitagabend überraschend seinen Verzicht auf den BDI-Posten bekannt.

„Ich bedauere Herrn Röttgens Entscheidung sehr, aber respektiere, dass er angesichts der öffentlichen hitzigen Diskussion seinem Mandat den Vorzug gibt“, erklärte Thumann. Nach einem Bericht das Magazins „Focus“ hatte er darauf gesetzt, dass Röttgen von sich aus erkenne, dass die Doppelbelastung aus BDI-Amt und Bundestagsmandat auf die Dauer nicht zu schaffen sei. Skeptikern habe Thumann erklärt: „Lassen Sie den doch erstmal anfangen. Das geht doch gar nicht zusammen. Lassen wir ihn das doch selbst erkennen.“ Der BDI-Chef habe die Personalie auf keinen Fall gefährden wollen, indem er Röttgen zur sofortigen Aufgabe des Mandats gezwungen hätte.

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