Orden wider den tierischen Ernst
Die Zwei Wesen des Markus Söder

Ob als Träger des Aachener Karnevals-Ordens oder als grüner Oger „Shrek“ in Nürnberg: Der bayerische Finanzminister Markus Söder pflegt das Image des Fastnacht-Feierbiests. Doch der ehrgeizige Minister kann auch anders.

Aachen/DüsseldorfNach geglücktem Fass-Anstich im Münchner Hofbräuhaus eilt Markus Söder zum Rednerpult. Der CSU-Superminister hält eine launige Rede über sein Verhältnis zum Landesvater Horst Seehofer. „Ob ich mit Horst Seehofer tauschen möchte?“, werde er oft gefragt. Seine Antwort: „Jetzt schon?“ Söder, in typisch bajuwarischer Tracht, gestikuliert, lacht, nimmt das Publikum mit, läuft zur Hochform auf. „Unsere Sorge ist nicht, wann er aufhört. Unsere Sorge ist, ob er überhaupt aufhört“, sagt er in Richtung Seehofer unter dem Beifall des Publikums.

Söder kann Bütt. Das hat er nicht erst bei seinem Auftritt beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus vor gut zwei Jahren gezeigt. Der 49-Jährige kultiviert sein Image als närrisches Feierbiest. Seine aufwendigen Kostüme bei der Fastnacht in Franken – immer perfekt abgestimmt mit Ehefrau Karin – sorgen jedes Jahr aufs Neue für Aufmerksamkeit.

Ob als Euro-Punker in der Eurokrise oder Eisbär während seiner Amtszeit als bayerischer Umweltminister – seine Kostüme verbindet Söder gerne mit mehr oder weniger subtilen, politischen Botschaften. Da scheint seine Auszeichnung mit dem „Orden wider den tierischen Ernst“ fast logisch. „Söder kann nicht nur politische Gegner, sondern auch sich selbst humorvoll auf die Schippe nehmen“, lobt der Aachener Karnevalsverein, der den gebürtigen Franken an diesem Samstag mit dem Karnevals-Orden auszeichnet.

Auch wenn Aachen und Söders Geburtsort Nürnberg knapp fünf Autostunden entfernt liegen: Der Auftritt bei der Verleihung des „Ordens wider den tierischen Ernst“ wird für die Rampensau Söder ein Heimspiel. Auch der Präsident des Aachener Karnevalvereins, Werner Pfeil, ist voll des Lobes: „Einen besseren Botschafter als ihn können sich Fasching, Fastnacht oder Karneval nicht wünschen.“

Doch Markus Söder kann auch anders: Beim Thema Flüchtlingskrise ist ihm in diesen Tagen nicht zum Scherzen zu Mute. Mit Filzhut und ernster Miene, das verschneite Wildbad Kreuth im Hintergrund,  gibt er in dieser Woche dem Parlaments-Sender Phoenix ein Interview: „Das deutsche Volk ist tief verunsichert“, sagt er. Der Staat komme seiner Kernaufgabe, für Sicherheit zu sorgen, nicht mehr nach. Daher brauche Deutschland eine Obergrenze bei der Aufnahme von Flüchtlingen und Grenzkontrollen.

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Querulant, der sich auch mal im Ton vergreift

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