Organisierte Kriminalität: Raubüberfälle, Drogenhandel und Schutzgelderpressungen

Organisierte Kriminalität
Raubüberfälle, Drogenhandel und Schutzgelderpressungen

In deutschen Großstädten häufen sich Straftaten von kurdisch-libanesischen Familienclans. Islamforscher führen die kriminellen Strukturen auf negative Fluchterfahrungen zurück. Die Polizei ist oft ohnmächtig.

BerlinEin spektakulärer Juwelier-Raub im Luxuskaufhaus KaDeWe. Ein Überfall auf ein internationales Pokerturnier, ebenfalls in Berlin. Als rechtsfreie Räume im Ruhrgebiet, in die sich die Polizei kaum mehr traut. Im niedersächsischen Lüneburg: ein blutig ausgetragener Streit zweier Großfamilien mit Schüssen vor dem Klinikum.

Fälle wie diese haben in den vergangenen Jahren immer wieder Aufsehen erregt. Sie haben eine Gemeinsamkeit: Viele der Verdächtigen stammen von Clans ab, die bei der Polizei als schwer integrierbar gelten. Insbesondere in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen werden Mitglieder verdächtigt, bei illegalen Geschäften des Rotlicht-Milieus oder im Drogenhandel mitzumischen.

Mit Blick auf „die Erosion des Rechtsstaats“ zählten libanesische Clans zu den gefährlichsten Gruppen in der Organisierten Kriminalität, heißt es bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Unzählige Straftaten spielen sich demnach in der Türsteher-Szene, im Rotlicht-Milieu oder im Glücksspiel-Geschäft ab. „Auch Bremen hat seit rund zehn Jahren ein Problem mit einem Familienclan, vor allem was den Drogenhandel in nicht geringer Menge angeht und die Polizei vor eine sehr große Herausforderung stellt“, sagt Jochen Kopelke, GdP-Landesvorsitzender von Bremen.

Wie aus einem internen Lagebericht des Polizeipräsidiums Duisburg hervorgeht, geben in Duisburg-Marxloh zwei libanesische Großfamilien den Ton an. Marxloh, das ist der berüchtigte Stadtteil Duisburgs, in den sich die Polizei zeitweise nur mit Verstärkung in die Straßen wagte. Drogenhandel, Schutzgeld, Einbrüche, Randale - erst unter dem Einsatz starker Polizeikräfte kühlt sich die Gewalt auf den Duisburger Straßen seit dem vergangenen Sommer langsam ab.

„An der Spitze der Berliner Unterwelt stehen (...) unangefochten die arabischen Großclans“, klagte auch der frühere Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky (SPD) im Sommer 2015 in der „Bild“-Zeitung. „Sie bestimmen die Regeln und setzen sie brutalst und wenn es sein muss auch mit Waffengewalt durch.“

Wenn von kriminellen Clans die Rede ist, fallen unterschiedliche Namen: Von „kurdisch-libanesischen Clans“ ist die Rede, von „arabischen Familien“, von „Mhallamiye-Kurden“. Es geht um eine Bevölkerungsgruppe, zu denen deutschlandweit nach Schätzungen etwa 15.000 Menschen zählen. Doch weshalb stehen gerade sie derart stark im Mittelpunkt polizeilicher Ermittlungen? Nach Einschätzung von Islam- und Migrationsforschern sind die kriminellen Strukturen in dieser Szene auf negative Erfahrungen in der fast 100 Jahre langen Fluchtgeschichte zurückzuführen.

Mit der Migration der arabischsprachigen Volksgruppe der Mhallamiye-Kurden hat sich der Berliner Islamwissenschaftler Ralph Ghadban auseinandergesetzt. In den ersten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts flüchteten Tausende von ihnen aus wirtschaftlichen Gründen aus Dörfern aus dem südöstlichen Teil der Türkei in die libanesische Hauptstadt Beirut, wie der Forscher erklärt. Statt Arbeit oder eine neue Heimat zu finden, wurden sie dort jedoch wie Aussätzige behandelt: Erwachsene durften keinen Job annehmen, Kinder keine Schule besuchen. In Ghettos waren sie auf sich gestellt und umso stärker aufeinander angewiesen - dies erkläre noch heute die Verbundenheit und den engen Zusammenhalt der Stammesmitglieder, sagt Ghadban.

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