Organspende-Skandal
Bahr will schärfere Kontrollen durchsetzen

Angesichts des Organspende-Skandals in Deutschland stellt der Gesundheitsminister das Transplantationsgesetz auf den Prüfstand. Mögliche Lücken sollen geschlossen werden. Erste Änderungen teilte er bereits mit.
  • 3

BerlinAls Konsequenz aus den Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen will Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr strengere Regeln durchsetzen. „Wir brauchen mehr Kontrolle und wir brauchen unangemeldete Prüfungen in den Einrichtungen“, sagte der FDP-Politiker der Nachrichtenagentur Reuters wenige Tage vor einem Krisentreffen mit Verbänden und Organisationen in Berlin. Es müsse zudem klar geregelt sein, dass ein einzelner Arzt nicht die Macht habe, bei der Organvergabe zu täuschen. „Hier müssen wir das Mehraugenprinzip durchsetzen, damit mehr Kontrolle stattfindet“, sagte Bahr. Für Ärzte, die gegen Regeln verstießen, müsse es harte Strafen geben.

Der Minister unterstrich, das neue Transplantationsgesetz mache bereits klare Vorgaben. „Wir werden jetzt schauen, wo mögliche Lücken sind und diese dann schließen.“ Zur Prüfung gehöre auch, warum bei dem Vorfall in Regensburg keine Konsequenzen gezogen worden seien. „Es kann nicht sein, dass solche Vorgänge keinerlei Folgen haben.“ Bei der Untersuchung der Strukturen werde auch die für die Organisation der Organspende zuständige „Deutsche Stiftung Organtransplantation“ (DSO) nicht ausgenommen.

Bahr stellte sich im Kern hinter die Vorschläge, die unlängst bei einem Spitzentreffen von Bundesärztekammer, Krankenhausgesellschaft und gesetzlicher Krankenversicherung erarbeitet worden waren. Auch diese sehen ein Mehraugenprinzip, unangemeldete Kontrollen und scharfe Sanktionen vor. Bahr sagte, er erwarte von der Selbstverwaltung von Ärzten und Kassen aber weitere Vorschläge.

Hintergrund sind Vorfälle in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg. Dort sollen ausgewählten Patienten gegen Geld Spenderlebern verschafft worden sein, indem Daten über ihren Krankheitszustand manipuliert wurden und sie so auf der Warteliste nach oben gerückt sind. Für Montag hat Bahr zu einer Spitzenrunde geladen, um über Konsequenzen zu beraten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Organspende-Skandal: Bahr will schärfere Kontrollen durchsetzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Frei von der Leber formuliert. ;-)

  • Auch hier zeigt sich Herr Bahr als gesundheitspolitischer Irrläufer.
    Mit reiner Klientelpolitik neoliberalen Zuschnitts allerdings schafft man es vielleicht, gewachsene und durchaus robuste Sozialsysteme vollends an die Wand zu fahren.
    Sollte das das Ziel aller staatlichen Gesundheitspolitik gewesen sein dürfte Bahr jedenfalls der bezweifelbare Verdienst zugestanden sein, als einer der Totengräber von Gesundheitspolitik in die Annalen der Republik einzugehen.

    Dass die Bismarck-Administration die Sicherungssysteme nicht als Sozialkiki implementiert hatte dürfte spätestens dann klar werden, wenn die Versicherungsbranche zusammen mit dem medizinisch-industriellen Komplex das Gesundheitssystem vollends übernommen hat und die Bürger spätestens dann merken werden, was hier gespielt wird: systematische Erosion der öffentlichen Gesundheitsvor- und fürsorge zugunsten eines stake- oder shareholder value.

  • "Der Gesundheitsminister will den Organhandel künftig stärker kontrollieren."

    Wenn das Wort "Organhandel" von Herrn Bahr stammt, sollte man ihn sofort absetzen. Hat allerdings der ungenannte Schreiberling dieses Wort hier eingefügt, dann sollte überdenken, ob er weiterhin bei der schreibenden Zunft bleiben will.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%