Organspende-Skandal
Die Politik sagt Organspende-Manipulation den Kampf an

Der Skandal um angeblich gekaufte Organspende-Entscheide hat das Vertrauen in das System erschüttert. Ein neuer Vorschlag gegen Manipulationen sieht mehr Kontrolle vor, ein anderer die Streichung von Boni.
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Berlin / RegensburgAngesichts der mutmaßlichen Manipulationen bei der Vergabe von Spenderorganen fordert der bayerische Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) ein Verbot von Bonuszahlungen für Transplantationen. „Die Bezahlung der Ärzte muss leistungsgerecht sein, darf aber nicht von der Anzahl ihrer Operationen abhängen“, sagte Huber der „Bild am Sonntag“. „Es muss jeder Anschein vermieden werden, dass es einen Wettlauf um Prämien gibt.“

Es gehe nicht darum, alle Ärzte unter Generalverdacht zu stellen, sagte Huber. „Gerade deshalb müssen wir Fehlanreize wie Bonuszahlungen für Transplantationen verbieten.“ Dem CSU-Politiker zufolge wurde durch die jüngsten Schlagzeilen um die Organspende Vertrauen erschüttert. Viele potenzielle Spender fragten sich: „Dient meine Organspende nicht nur dazu, ein Leben zu retten, sondern auch dem Profit?“

Auch das Bundesgesundheitsministerium drängt auf Reformen. Um Datenmanipulationen zu verhindern, wäre die Einführung eines „Sechs-Augen-Prinzips“ zielführend, schrieb Ministerialdirektorin Karin Knufmann-Happe in einem der Nachrichtenagentur dpa vorliegenden Brief an die Bundesärztekammer.

Die Kammer hatte angekündigt, ein Mehr-Augen-Prinzip bei der Anmeldung von Patienten für die Warteliste und die Organzuteilung einzuführen. Bei der Umsetzung geht es nun darum, wie die Unabhängigkeit eines oder mehrere weiterer Ärzte, die hinzugezogen werden, wirklich gesichert werden kann.

Die Justiz ermittelt derzeit an den Unikliniken in Göttingen und Regensburg, ob im Zusammenhang mit Transplantationen Akten manipuliert und so bestimmten Patienten bevorzugt Spenderorgane verschafft wurden. Zudem wurde bekannt, dass immer mehr Organe in einem Schnellverfahren und nicht im Standardverfahren streng nach den Wartelisten vergeben werden. Dies löste bei vielen Deutschen Sorge aus, dass die Zuteilung nicht gerecht erfolge.

Nachforschungen des betroffenen Regensburger Uniklinikums haben nach Angaben der Leitung bislang keine weiteren verdächtigen Fälle ergeben. Es seien alle Transplantationen der vergangenen Jahre bis heute untersucht worden, teilte die Klinik am Freitag mit.

Ein Oberarzt steht unter Verdacht, zuerst in Regensburg und später im Göttinger Uniklinikum Krankenakten gefälscht zu haben, damit seine Patienten schneller eine neue Leber erhalten. Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt. Die entsprechenden Krankendaten werden derzeit von Experten untersucht. Mit ersten Ergebnisse sei in etwa vier Wochen zu rechnen, sagte ein Sprecher der Anklagebehörde.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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