Oskar Lafontaine
Der alte neue Parteichef

Einst stand er der SPD vor, nun schickt sich Oskar Lafontaine an, Vorsitzender der fusionierten Linkspartei zu werden. Zwar muss sich der Volkstribun von der Saar die Spitzenfunktion mit dem Noch-Chef der PDS, Lothar Bisky, teilen, was Lafontaine allerdings für nebensächlich hält.

BERLIN. Oskar Lafontaine kennt seinen Wert: Für den Westaufbau der vereinigten Linken sei es nun mal „notwendig, dass ich an der Spitze stehe – wenn mein Name auf dem Wahlzettel steht, bringt das einfach mehr Stimmen“. Seit dem Wochenende ist auch offiziell klar, dass der Mann, der in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre der SPD vorsaß, nun die neue Linke zu einer echten Konkurrenz im Westen der Republik machen will.

Der Optimismus, die Linke werde nach Bremen auch in anderen Westländern reüssieren, ist ebenso groß, wie „die Gefahr, dass sich die SPD wieder zu einer sozialdemokratischen Partei entwickelt“, bis auf weiteres klein bleibe, sagt Lafontaine. Dafür steht nach Sicht der Linken auch die neue Parteispitze. Selbst Andrea Nahles habe schließlich der Agenda 2010 und der Beteiligung an „völkerrechtswidrigen Kriegen zugestimmt“, attackiert Lafontaine die geschwächte SPD-Linke. Parteichef Beck und Vizekanzler Müntefering seien ohnehin nur damit beschäftigt, „ob sie den Sozialabbau mit Merkel oder mit Westerwelle betreiben“, lästert der Saarländer über seine „neoliberale“ Ex-Partei, mit der er deshalb bis auf weiteres auf keinen Fall koalieren will.

Eigentlich wollte Lafontaine, nachdem er den SPD-Vorsitz 1999 im Zorn aufgegeben hatte, ja so eine Art „CSU von links“ in Ostdeutschland aufbauen. Vor fast exakt zwei Jahren jedoch verließ er die SPD endgültig und übernahm die WASG. Wenn sich nun Mitte Juni die westdeutsche Wahlalternative und die ostdeutsche Linkspartei/PDS zusammenschließen, wird Lafontaine Vorsitzender einer Partei mit rund 70 000 Mitgliedern. Co-Parteichef wird der bisherige Vorsitzende der Linkspartei, Lothar Bisky. Welche Rolle dieser künftig spielen wird, zeigt sich auch daran, dass Lafontaine ihn an diesem Morgen erst nach einer knappen halben Stunde erstmals überhaupt erwähnt.

Klar, im Zentrum steht nun der Westaufbau der Linken. Aus rund 15 000 Mitgliedern von WASG und PDS im Westen sollen binnen fünf Jahren möglichst 30 000 werden – und es soll so ein Gegengewicht zu den noch immer rund 60 000 PDS-Mitgliedern im Osten entstehen. Inhaltlich will sich Lafontaine auf regelmäßige Mitgliederbefragungen stützen. Hätte das seine alte Partei, die SPD, bei Hartz IV und den Auslandseinsätzen der Bundeswehr genauso gehandhabt, „hätte sie heute rund zehn Prozent mehr“, streut Lafontaine Salz in die Wunden, die bei vielen Sozialdemokraten längst nicht verheilt sind.

Der nächste direkte Kampf um die Wählerstimmen mit den „verkommenen“ Sozialdemokraten steht Anfang 2008 auf dem Programm: Sowohl in Hessen als auch in Niedersachsen, wo im Januar gewählt wird, rechnet sich die dann auch offiziell vereinigte Linke Chancen auf einen Einzug in den Landtag aus – auch wenn die Fusion an der Basis noch für Probleme sorgen wird.

In Hamburg hoffen sie im Februar gar auf ein ähnliches Spitzenergebnis wie in Bremen, wo die Linke gut acht Prozent einfuhr. Zum einen wegen der städtischen Struktur, vor allem aber wegen der programmatischen Aussagen der Sozialdemokraten vor Ort. Dass der Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Ex-Kulturstaatsminister Michael Naumann, sich offen zu Agenda 2010 und Hartz IV bekennt, „ist eine wunderbare Vorlage für uns“, jubiliert Lafontaine.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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