Oswald Metzger
„Ich werde schon nicht verarmen“

Oswald Metzger ist gescheitert: Der ehemalige grüne Finanzexperte kann sich im Kampf um eine Bundestagskandidatur in Oberschwaben nicht durchsetzen. Trotz eines achtbaren Ergebnisses scheint damit die bundespolitische Laufbahn Metzgers beendet zu sein.

BIBERACH- Am Ende muss sich Oswald Metzger wie Jogi Löw gefühlt haben. Er hat es in einem fast fünfstündigen Wahlmarathon zwar bis ins Endspiel geschafft, dort aber eine knappe Niederlage einstecken müssen. 398 zu 552 lautete das Ergebnis nach dem dritten Wahlgang - gegen Metzger und für Josef Rief. Metzger hatte alles auf eine Karte gesetzt und verloren. "Das war meine Schicksalswahl", sagt er später.

Die Nacht zum Mittwoch werden weder Metzger noch die CDU-Mitglieder des oberschwäbischen Wahlkreises 292 so leicht vergessen. Für den ehemaligen Finanzexperten der Grünen war es wahrscheinlich das Ende seiner bundespolitischen Laufbahn, für die CDU in Biberach eine wichtige Demonstration parteipolitischer Geschlossenheit. Der wohl prominenteste Parteiwechsler des Landes verliert gegen den geballten Widerstand der schwäbischen CDU-Basis. Konservativ schlägt exotisch. Die fast 1000 CDU-Mitglieder wollen lieber einen aus ihren Reihen als Direktkandidaten in den Bundestag, einen, den sie kennen, und nicht jemanden, den zwar alle in Berlin kennen, der aber erst vor wenigen Monaten in die CDU gewechselt ist.

Dass der Medienprofi Metzger es im entscheidenden Wahlgang immerhin auf fast 42 Prozent schafft, ist ein Achtungserfolg. So viel hatten ihm viele vorher nicht zugetraut. Nur Metzger hat an sich geglaubt - und bis zum Schluss auf einen Überraschungssieg gehofft. "Vielleicht kippt die Stimmung im letzten Wahlgang doch noch für mich", war einer dieser hoffnungsvollen Sätze von Oswald Metzger.

Wie schwer es der Finanzexperte und Buchautor an diesem Abend haben wird, war schon während der Vorstellung der vier anderen Mitbewerber um den begehrten Wahlkreisposten zu spüren. Versteckt, aber wohlplatziert verteilten Metzgers Konkurrenten verbale Attacken. Man dürfe seine Einstellungen zur Partei nicht wechseln wie Krawatten, sagte beispielsweise die diplomierte Verwaltungswirtin Carmen Bogenrieder, man dürfe "Überzeugungskraft nicht mit Überredungskunst verwechseln", schob Landwirtschaftsmeister Josef Rief nach, und Bürgermeister Peter Diesch betonte, dass "Entscheidungen in Berlin nicht auf weichen Talkshow-Sofas fallen, sondern in Ausschüssen hart erarbeitet werden müssen".

Solche Sätze sagen viel über das Verhältnis der CDU in Oberschwaben zu ihrem ungeliebten Neuzugang. Dass die CDU im Kreis Biberach in den zurückliegenden drei Monaten 200 neue Mitglieder aufgenommen hat (immerhin ein Plus von 15 Prozent), dass die Neubesetzung des Wahlkreises bundespolitisches Interesse hervorgerufen hat, zählt an diesem Abend nicht. Im Gegenteil, man hätte am liebsten darauf verzichtet.

Metzger wusste um die Vorbehalte. Auf seiner Wahlkampftour durch Oberschwaben hat er immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass seine marktliberale Gesinnung, seine Vorstellungen von Ehe und Beruf und vor allem seine Medienpräsenz vielen CDU-Mitgliedern reichlich missfallen. "Ich habe den Ruf einer fleischgewordenen One-Man-Show, dabei bin ich ein echter Teamspieler", hat Metzger kürzlich verzweifelt gesagt.

Bei seiner Vorstellungsrede, die er als Einziger frei hält, kommt Metzger schnell auf den Punkt und versucht noch einmal seinen Parteiwechsel zu erklären. Der Linksrutsch der Grünen, den er nicht länger mittragen wollte, ist dabei nur ein Grund. Vielmehr erinnert Metzger daran, dass ihm früher viele CDU-Politiker gesagt haben, er sei in der falschen Partei. "Jetzt bin ich da, und es ist auch nicht recht", sagt Metzger. Dann redet er über politische Glaubwürdigkeit und die Kontinuität seiner politischen Ansichten, für die ihn schon Helmut Kohl gelobt habe. Ersten Applaus bekommt Metzger, als er sich anbietet, "einem Mann wie Oskar Lafontaine in Talkshows den Mund zu stopfen".

Gereicht hat es nicht. Ein paar Monate sind nicht genug, um verunsicherte CDU-Mitglieder in Oberschwaben umzustimmen. Da hat sich Metzger verkalkuliert. Auch das ist Demokratie.

Einen Plan B hat der Polit-Promi nicht. Erst einmal will er sein Buch fertig schreiben, eins über den Zeitgeist der Politik. Zudem stünden noch jede Mende Vorträge in seinem Terminkalender. "Ich werde schon nicht verarmen", sagt er scherzhaft.

Finanziell bestimmt nicht. Aber sicher wird es ab jetzt ein wenig ruhiger um Metzger.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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