Otto Fricke
Otto Fricke, der Chefaufklärer der FDP

Otto Fricke ist momentan der Chefaufklärer, wenn es um die Verschwendung um Steuergeldern geht. Als Vorsitzender des Haushaltsausschusses befragt der FDP-Politiker Gesundheitsministerin Schmidt zur Dienstwagenaffäre - und auch Wirtschaftsminister Guttenberg hat er nun vorgeladen.

BERLIN. Wer Otto Fricke (FDP) in diesen Tagen erwischen will, muss Geduld haben. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Deutschen Bundestag ist ein gefragter Mann. Seit er die Dienstwagenaffäre von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) ins Rollen gebracht hat, gibt es kaum eine ruhige Minute. Kamerateams klingeln manchmal schon morgens um sechs Uhr, Radiosender und Zeitungsjournalisten betteln den ganzen Tag nach Interviews. „Ich hätte nie gedacht, dass das Thema eine solche Wirkung entfaltet“, sagt Fricke auf seine typisch bescheidene Art.

Und doch ist der FDP-Politiker bestens mit den Mechanismen des Wahlkampfes vertraut. Nur zu gut weiß der 43-jährige Jurist, dass die Dienstwagenaffäre der Gesundheitsministerin ein herber Rückschlag in der Wahlkampfstrategie von SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier ist. Da kommen brisante Unterlagen über zweifelhafte Fahrten mit dem Dienstwagen oder mit dem Regierungsflieger gerade recht, um einen Aufschrei in der Öffentlichkeit zu organisieren. Glaubhaft kann der Chef des Haushaltsausschusses darauf verweisen, dass es ihm vor allem um den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern geht.

Um nicht den Eindruck von Parteilichkeit zu erwecken, kritisiert Fricke auch, dass sich Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) Gesetzesentwürfe von Kanzleien hat schreiben lassen. Weil Fricke massive Interessenkonflikte wittert, muss zu Guttenberg – neben Gesundheitsministerin Schmidt – heute im Haushaltsausschuss aussagen.

In der FDP hat sich Fricke in den vergangenen Jahren hohes Ansehen erworben. Er gilt als kompetent, fleißig und zuverlässig. Selbst Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), mit dem der liberale Haushaltsexperte immer wieder beim Thema Schuldenabbau aneinander geraten ist, schätzt Fricke. „Guter Mann“, sagt Steinbrück – mehr Lob kann ein Oppositionspolitiker wohl kaum vom Bundesfinanzminister erwarten.

Wie es mit dem Nachwuchstalent der FDP nach der Bundestagswahl weitergeht, ist noch unklar. Fricke gilt als „Allzweckwaffe“. Das ist ein Kompliment, macht eine genaue Karriereplanung aber schwierig. Als Bundesfinanzminister steht Hermann-Otto Solms in den Startlöchern. Vielleicht wird Fricke Staatssekretär. „Ich bin gerne Parlamentarier“, sagt er.

Sven Afhüppe
Sven Afhüppe
Handelsblatt / Chefredakteur
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