Paketbomben-Terror
Piloten fordern Frachtkontrolle durch Bundespolizei

Verkehrsminister Ramsauer will das Personal für das Luftfahrt-Bundesamt aufstocken, um die Luftfracht nach Deutschland besser kontrollieren zu können. Der Pilotengewerkschaft Cockpit geht das nicht weit genug: Sie fordert, dass die Luftfracht künftig wie die Passagiere von der Bundespolizeri kontrolliert werden.
  • 0

brg/HB DÜSSELDORF. In der Debatte um eine schärfere Kontrolle der Frachtflugzeuge nach den jüngsten Funden von Paketbomben hat die Pilotengewerkschaft Cockpit gefordert, die Überwachung der Luftfracht in die Hände der Bundespolizei zu geben. Bislang ist dies Aufgabe des Luftfahrt-Bundesamtes. "Wir sind der Meinung, das sollte die Bundespolizei übernehmen", sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg gegenüber Handelsblatt Online. Die Bundespolizei, die derzeit die Passagierkontrolle verantwortet, habe die "größere Expertise" und sei "international viel besser verdrahtet", so Handwerg. Das Bundesamt für Luftfahrt hingegen sei zudem "personell stark unterbesetzt" und werde den bisherigen Aufgaben "nicht gerecht".

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte zuletzt mehr Personal beim Luftfahrt-Bundesamt angekündigt, um der Bedrohung Herr zu werden. "Wir werden den Mitarbeiterstab im Luftfahrt-Bundesamt weiter aufstocken, um eine bestmögliche Kontrolle der Fracht in der gesamten Lieferkette, vom Versender über den Transporteur bis zur Verladung im Flugzeug zu gewährleisten", sagte der CSU-Politiker den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Das dem Verkehrsministerium nachgeordnete Amt hat derzeit rund 420 Mitarbeiter.

Cockpit-Sprecher Handwerg forderte im Hinblick auf das heutige Treffen der EU-Sicherheitsexperten ein Gesamtkonzept für die EU. Schärfere Kontrollen in Deutschland allein brächten nur wenig, "grenzübergreifende Überwachung" und "intelligente, unregelmäßige Kontrollen" seien für die Gefahrenabwehr unbedingt notwendig. Auch das Bundesverkehrsministerium sieht nach dem Fund von Paketbomben aus dem Jemen vor allem Mängel bei den Kontrollen der Luftfracht aus dem EU-Ausland. Das geht nach Angaben aus Koalitionskreisen vom Freitag aus einem Bericht des Verkehrsressorts hervor. Bei der Kontrolle von Fracht, die aus Drittstaaten in die EU komme und weitertransportiert werde, gebe es Schwachstellen im Sicherheitssystem. Die EU verlasse sich dabei zu stark auf die Kontrollen des entsprechenden Staates im EU-Ausland. Die erfolglose Frachtkontrolle der Paketbombe an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hält das Ressort dagegen für einen Einzelfall.

Kommentare zu " Paketbomben-Terror: Piloten fordern Frachtkontrolle durch Bundespolizei"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%