Panne in Epfendorf
Warum ein Schwaben-Dorf über Nacht pleitegeht

Ausgerechnet den Schwaben muss das passieren: Von einem Tag auf den anderen wird aus der sparsamen Gemeinde Epfendorf im Landkreis Rottweil eine der am höchsten verschuldeten Gemeinden Deutschlands. Was ist geschehen?
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Vergangenen Sonntag öffnete Peter Boch den Wirtschaftsteil der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er wollte kaum glauben, was er dort las. „Das konnte einfach nicht stimmen“, sagt Boch, Bürgermeister der schwäbischen Dorfs Epfendorf. In einer Tabelle über hoch verschuldete Gemeinden schnitt seine 3000-Seelen-Heimat denkbar schlecht ab – Rang neun bundesweit.

Die Pro-Kopf-Verschuldung, so die deprimierenden Zahlen, liege bei mehr als 14.000 Euro. Das beschauliche Epfendorf – ein Pleiteort? Boch weiß es besser: Die Zahl ist mehr als 26-mal höher als die tatsächliche Verschuldung der Gemeinde. Diese liegt bei gerade einmal 534 Euro.

Die Zahlen hatte das Statistische Bundesamt berechnet, das die Schuldenstände deutscher Gemeinden Ende 2012 verglich. Die Behörde bezog sich nicht nur auf die reale Verschuldung, sondern rechnete auch die mittelbaren Beteiligungen und unmittelbaren Beteiligungen mit ein.

Die Rohdaten erhielten sie von den Landesämtern. Da passierte der Fehler. Das Statistische Landesamt  Baden-Württemberg gab für Epfendorf einen Anteil von 49,5 Prozent am Gemeindeelektrizitätsverband Schwarzwald-Donau an. Dieser hält etwa ein Prozent am Energieversorger EnBW. In Wirklichkeit hält Epfendorf aber keine zwei Prozent am Zweckverband. Durch diesen Fehler stieg der vermeintliche Schuldenberg der Gemeinde in die Höhe.

„Da Sonntag war, konnte ich erstmal nichts machen und habe meinen Kaffee zu Ende getrunken“, sagt Boch. Gleich am nächsten Tag telefonierte der Bürgermeister dann mit der Zeitung und dem Statistischen Bundesamt. Schnell fanden die Behörden ihren Fehler und entfernten Epfendorf aus der Liste.

„Der Fehler tut mir leid“, sagt Franz Burger, Referatsleiter beim Statischen Landesamt Baden-Württemberg. Wie es dazu kam, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass auch die Zahlen anderer Baden-Württembergischer Gemeinden nicht stimmen können, da sich die Anteile der Gemeinden am Gemeindeelektrizitätsverband auf 100 Prozent addieren. Deshalb wurden auch die anderen Gemeinden des Bundeslandes erst einmal aus der Studie entfernt.

Boch kann über die Angelegenheit mittlerweile schmunzeln. Zwar werde er immer noch auf der Straße angesprochen oder von anderen Bürgermeistern angerufen, doch der Fehler habe sich mittlerweile rumgesprochen. „Da das Landesamt so schnell reagiert hat, ist für Epfendorf kein Imageschaden entstanden“, sagt Boch.

Ganz ausgestanden ist die Angelegenheit aber noch nicht. Kaum standen die Zahlen in der Zeitung, fand sich schon ein Verweis darauf auf der Wikipedia-Seite der Gemeinde. „Die Gemeinde hat die höchste Pro-Kopf-Verschuldung aller Gemeinden in Baden-Württemberg“, steht da ganz unschmeichelhaft (Stand Mittwochvormittag), im Quellenverzeichnis findet sich weiterhin ein Link zum besagten Artikel. Deshalb möchte sich Boch beim Seitenbetreiber von Wikipedia melden und den Verweis entfernen lassen. „Das steht ganz oben auf meiner To-do-Liste.“

Kommentare zu " Panne in Epfendorf: Warum ein Schwaben-Dorf über Nacht pleitegeht"

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  • Winston Churchill: "Ich vertraue nur der Statistik, die ich selbst GEFÄLSCHT habe"

    Genauso isses...

    ...wer 50 % der Sesselfurzer erschießt und die andere Hälfte verhungern läßt, der hat zu 100 % alles richtig gemacht.

  • In den Behörden respektive Ämtern sitzen 80% Dilettanten.

  • Glaube keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast!!

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