Papier ist geduldig
Warum Brüderle jetzt auf einmal Schäuble vertritt

Rainer Brüderle oder Thomas de Maizière? Oder doch Jörg Asmussen? Bei der Vertretung für Wolfgang Schäuble ist man sich nicht immer einig. Wenns sein muss, dann gilt eben wieder die Geschäftsordnung.
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Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) vertritt seinen erkrankten Kabinettskollegen Wolfgang Schäuble (CDU) beim Treffen der G20-Finanzminister Ende Oktober in Südkorea. Wer die Geschichte hinter der kurzen Meldung nicht kennt, geht zunächst von einer Selbstverständlichkeit aus. Nach der Geschäftsordnung des Bundeskabinetts ist Brüderle der Vertreter Schäubles und steigt für 48 Stunden zum "Superminister" auf.

Doch Papier kann geduldig sein, vor allem, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel den Vertreter Schäubles skeptisch sieht. Wie etwa im Mai, als der FDP-Minister auf einer Brasilienreise mitten in der Euro-Krise über die Höhe des Rettungspakets philosophierte. Die Kanzlerin brüskierte ihn danach: als Schäuble krank wurde und ein Ersatzmann nach Brüssel musste. Brüderle war angeblich nicht zu erreichn. Darum schickte die Kanzlerin Innenminister Thomas de Maizière.

Dann kam Opel, Karstadt, Ford und Hochtief. Brüderle lehnte Staatsinterventionen ab, stieg zum Star des Kabinetts auf. In der Union und FDP gibt es zudem Stimmen, die eine erneute Vertretung Schäubles durch seinen Staatssekretär Jörg Asmussen (SPD) ablehnen. Eine Debatte, ob de Maizière den erkrankten Schäuble ablösen könnte, will die Kanzlerin ebenfalls vermeiden. Nun gilt eben die Geschäftsordnung wieder. Brüderles geduldiges Warten hat sich gelohn.

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