Papst Benedikt XIV. in Berlin
Merkel spricht mit Papst über Finanzkrise

Beim Papstbesuch hat Angela Merkel mit dem Pontifex über die Euro-Krise gesprochen. Ein himmlisches Wunder erwartet die Kanzlerin nicht - sie glaubt fest an Europa. Der Papst sorgt sich derweil um seinen eigenen Glauben.
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BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in einer Privataudienz beim Papst die Themen Europa und Finanzmärkte angesprochen. „Wir haben über Finanzmärkte gesprochen, über die Tatsache, dass die Politik schon die Kraft haben sollte, für die Menschen zu gestalten und nicht getrieben zu sein“, sagte die Kanzlerin nach einem Gespräch mit dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Donnerstag in Berlin. Dies sei eine sehr große Aufgabe in der Zeit der Globalisierung.   

Das Thema Europa interessiere den Papst sehr, sagte Merkel am Donnerstagmittag nach dem Treffen am Sitz der Deutschen Bischofskonferenz in Berlin. „Ich habe hier noch einmal sehr, sehr deutlich gemacht, dass die europäische Einigung für uns Deutsche unverzichtbar ist.“ Sie bedeute Wohlstand und Freiheit. Die Kanzlerin wurde bei dem Gespräch mit Benedikt XVI. von ihrem Ehemann Joachim Sauer begleitet.    

Von der Kanzlerin bekam der Papst ein jahrhundertealtes Notenblatt mit gregorianischen Gesängen aus einem deutschem Messbuch geschenkt. Papst Benedikt XVI. hatte eine Majolika, ein speziell angefertigtes keramisches Kunsthandwerk, mit einem Brunnenmotiv als Gastgeschenk mitgebracht.

Höhepunkt des ersten Tages des Papst-Besuches in seinem Heimatland ist die Rede vor dem Bundestag am Nachmittag. Mehrere Dutzend Abgeordnete wollen der Rede fernbleiben, weil sie den Bundestag nicht als geeignetes Forum für die Rede eines Kirchenoberhaupts ansehen. Zeitgleich mit der Rede wollten in der Innenstadt mehrere zehntausend Menschen mit einem bunten Umzug gegen den Besuch und gegen die Sexualmoral des Papstes protestieren. Auf dem Flug nach Deutschland hatte der Papst erklärt, solange die Proteste friedlich blieben, seien sie in einer freien Gesellschaft in der säkularisierten Welt normal.

Im Reichstagsgebäude wollte der Papst sich dann mit Vertretern der jüdischen Gemeinde treffen und danach zum Olympiastadion fahren. Dort sollte der Pontifex mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), zusammentreffen und sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Zum anschließenden ersten großen Gottesdienst des viertägigen Besuchs wurden 70.000 Menschen erwartet.    

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Der Papst beklagt Gleichgültigkeit gegenüber Religion

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  • "...Geld und Gold, das sich die katholische Kirche sich (wie auch immer) angeeignet hat..."
    Die Kirche ist rein rechtlich betrachtet nichts bedeutend anderes als ein 2000-jähriger (Fischer-)Verein, welcher sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert hat. Der Vatikan hat keine Soldaten zu Raubzügen. Warum soll der Verein katholische Kirche einer weltlichen Fehlkonstruktion sein Vereinsvermögen stiften? Wird hier nicht immer von Trennung von Staat und Kirche gesprochen?

  • "...Geld und Gold, das sich die katholische Kirche sich (wie auch immer) angeeignet hat..."
    Die Kirche ist rein rechtlich betrachtet nichts bedeutend anderes als ein 2000-jähriger (Fischer-)Verein, welcher sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert hat. Der Vatikan hat keine Soldaten zu Raubzügen. Warum soll der Verein katholische Kirche einer weltlichen Fehlkonstruktion sein Vereinsvermögen stiften? Wird hier nicht immer von Trennung von Staat und Kirche gesprochen?

  • Merkel spricht mit Papst über Finanzkrise? Hat Merkel Ratzinger um eine Kollekte gebeten? Das wäre aus meiner Sicht der einzig sinnvolle Grund für ein Gespräch der beiden. All das Geld und Gold, das die katholische Kirche sich (wie auch immer) angeeignet hat und nun nutzlos im Vatikan rumliegt könnte man gut für die Rettung des so alternativlosen Euros verwenden. Damit hätte der Vatikan ein einziges Mal in seiner langen Geschichte etwas Gutes getan.

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