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Papstbesuch: Eine Übung für Gewaltenteilung

Wichtiger als die Entscheidung, ob Priester heiraten dürfen oder nicht ist die Frage, ob die Welt vor die Hunde geht - und dazu hat der Papst wichtiges mitzuteilen.

"Der Papstbesuch ist eine Übung für Gewaltenteilung bei geregelten Funkverkehr zwischen staatlicher und kirchlicher Kompetenz." Quelle: dpa
"Der Papstbesuch ist eine Übung für Gewaltenteilung bei geregelten Funkverkehr zwischen staatlicher und kirchlicher Kompetenz." Quelle: dpa

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Doch die Rede des Papstes steht zur öffentlichen Diskussion, an der sich auch die Abgeordneten beteiligen können. Dazu ist jedoch Zuhören die erste Voraussetzung , wenn Diskussion nicht zum Selbstgespräch verkommen soll.

Es gibt Dinge, zu denen die Religionen mehr zu sagen haben als Wissenschaft und Politik. Die Würde des Menschen ist nicht das Ergebnis eines wissenschaftlichen Experimentes oder eines politischen Projektes. Die tiefste Quelle ist nicht eine Verstandeseinsicht, sondern der Glaube, dass alle Menschen Ebenbilder Gottes und vor ihm gleich sind.

Ist das nichts? In einer Welt, in der das Geld den Wert des Menschen bestimmen will, ist das viel, fast alles.

Allein mit Gesetzen kommen wir nicht gegen die Verwirtschaftung der Welt an. Die Raffgier findet immer ein Schlupfloch, mehr als der Gesetzgeber stopfen kann. Ohne Moral lässt sich kein Staat und keine Wirtschaft machen.

„Was sind Staaten ohne Gerechtigkeit anders als große Räuberbanden“, sagte Augustinus. Religionen sind ein Fundus für Voraussetzungen, die der Staat nicht selbst schafft, ohne die er aber nicht funktionieren kann. Die Trennung von Staat und Kirche ist eine Gewaltenteilung, aber kein Inspirationsverbot.

Ins stille Kämmerlein dürfen sich die Kirchen nicht zurückziehen. Aber die Hebel der staatliche Macht bedienen sie nicht. Und das ist gut so. Das haben die Christen schmerzhaft lernen müssen und dafür Jahrhunderte gebraucht. Teilen des Islam steht dieser Lernprozess noch bevor.

Der Papstbesuch ist eine Übung für Gewaltenteilung bei geregelten Funkverkehr zwischen staatlicher und kirchlicher Kompetenz.

Ich bin zwar beim Zölibat anderer Meinung als der Papst, aber wichtiger als die Entscheidung, ob Priester heiraten dürfen oder nicht ist die Frage, ob die Welt vor die Hunde geht - und dazu hat der Papst wichtiges mitzuteilen.

Der Autor war von 1982 bis 1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

  • 23.09.2011, 22:47 UhrAnonymer Benutzer: Emden09

    Das schlimme Herr Blüm ist, dass sie so tun, als würden Sie das hier wirklich glauben, dass ausgerechnet Herr Ratzinger etwas zu "Würde des Menschen" beigetragen habe. Bin ich der einzige, der sich erinnert, dass Ratzinger unmittelbar vor seinem jetzigen Job HDAX Amt des Großinquisitors innehatte? Ja, die Kirche hatte die Inquisition inzwischen euphemistisch im Glaubenskongregation umbenannt und den Großinquisitor nannte sie folgerichtig Vorsitzenden der Glaubenskongregation. Aber mal ehrlich Menschenwürde ist bei den heutigen Politikern und war sogar bei der Stasi besser aufgehoben als bei den Inquisitoren.

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