Paradiesische Zustände für Wissenschaftler
Amerika zieht Talente aus aller Welt an

Die junge Frau am Tisch gegenüber lauscht melancholisch dem Gespräch über die Studien- und Forschungsbedingungen an der amerikanischen Elite-Universität Yale. "Leider muss ich im Sommer zurück nach Berlin", sagt die Politikwissenschaftlerin, "hier in Yale sind die Bedingungen einfach perfekt."

HB NEW YORK. Ein Beispiel von vielen. Es zeigt, warum der wissenschaftliche Nachwuchs der Welt nach wie vor ins Forschungsparadies Amerika pilgert. Unter den rund 20 000 deutschen Wissenschaftlern in Amerika befinden sich nach Angaben der German Scholars Organization (GSO) etwa 6 000 besonders hoch qualifizierte Nachwuchskräfte. Die meisten von ihnen sind nicht nur gekommen, weil sie hier die besten Arbeitsbedingungen vorfinden. Ausschlaggebend ist oft, dass sich die Elite vieler Wissenschaftszweige in den USA konzentriert. Wer also in seinem Fach an die Spitze will, muss über den Großen Teich.

Die besten Köpfe, eine gute Finanzausstattung und hervorragende Karrierechancen machen die USA zu einem Magneten für Wissenschaftler aus aller Welt. Die meisten Universitäten finanzieren sich durch Studiengebühren, staatliche Zuschüsse und Forschungsaufträge aus der Wirtschaft. Größter Auftraggeber im Forschungsgeschäft ist jedoch das amerikanische Verteidigungsministerium mit einem Volumen von jährlich knapp 63 Mrd. Dollar.

Im Gegensatz zu Deutschland hat der Nachwuchs an den amerikanischen Unis außerdem viel Zeit für die Forschung und wird nicht als billige Lehrkraft missbraucht. Mit regelmäßigen Publikationen können und müssen sich die Talente vergleichsweise schnell einen Namen machen. Wer seine Leistungsfähigkeit nicht unter Beweis stellt, muss seine Sachen packen. Entsprechend groß ist der Wettbewerb unter Wissenschaftlern und Universitäten.

Dass Wissenschaft und Forschung hier einen so hohen Stellenwert haben, ist durchaus kein Zufall: Schon die Verfassungsväter Benjamin Franklin und Thomas Jefferson waren namhafte Wissenschaftler ihrer Zeit. Amerika hat von Beginn an großen Wert auf die Förderung der Wissenschaften gelegt. Doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die USA auch in der Forschung zur unangefochtenen Supermacht. Dabei profitierten sie von der starken Zuwanderung namhafter Wissenschaftler aus Europa. So haben Amerikaner seit 1950 in den Naturwissenschaften etwa die Hälfte aller Nobelpreise eingeheimst.

Allerdings hat die Attraktivität Amerikas unter den Forschern in jüngster Zeit etwas gelitten. Strikte Einwanderungsbestimmungen und das konservative politische Klima unter der Regierung Bush haben Wissenschaftler aus anderen Ländern abgeschreckt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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