Partei im Umbruch
Gibt es die AfD bald doppelt?

Frauke Petry führt nun die AfD, Bernd Lucke nimmt seinen Hut. Was bleibt nun übrig von der Partei? Wird es bald zwei Mini-Parteien geben? Die FDP will jedenfalls kein Auffanglager für frustrierte AfD-Mitglieder werden.
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Bernd Lucke verlässt die AfD. Es ist ein schmerzvoller Abschied, wie er selbst sagt. In einer Erklärung, in der er sein Ausscheiden aus der von ihm selbst gegründeten Partei begründet, schreibt er, es falle ihm „unendlich schwer“. Sicher, Lucke geht auch, weil sie ihn nicht gewählt haben, die mehr als 3000 Parteimitglieder, die am vergangenen Samstag in der überhitzten Essener Gruga-Halle saßen. Doch er hat sich auch nicht hergeben wollen für den rechtspopulistischen Kurs, der auf dem Parteitag die Diskussion bestimmte.

Er lässt jedoch weiterhin offen, ob er eine neue Partei gründet. Er wolle den Schritt „nicht übers Knie brechen“ sagte Lucke am Donnerstag dem Sender MDR-Info. „Zur Zeit treten die Mitglieder scharenweise aus der AfD aus. Je stärker dieser Exodus ist, desto wahrscheinlicher wird die Gründung einer neuen Partei.“

Nach Luckes Rückzug verlassen weitere Mitglieder die Alternative für Deutschland. Eine Gruppe von AfD-Mitgliedern aus dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf erklärte am Donnerstag den Bruch mit der Partei. In einer Erklärung hieß es: „Die AfD ist nicht mehr die Partei, für die wir uns begeistert und eingesetzt haben.“ Man hoffe auf einen Neuanfang gemeinsam mit Lucke außerhalb der Alternative für Deutschland.

Auch mehrere Unternehmer gaben ihren Rückzug aus der 2013 gegründeten Partei bekannt. Nach Informationen der „WirtschaftsWoche“ wollen unter anderem der Gründer der auf Außenwerbung spezialisierten Wall AG, Hans Wall, und der Aufsichtsratschef der Nanofocus AG aus Oberhausen, Hans Hermann Schreier, die Partei verlassen.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland erwartet kurzfristige Rückschläge. „Es wird eine Delle, es wird einen gewissen Einbruch geben bei den Wahlen“, sagte Gauland am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“. „Aber es hat auch einen Vorteil: Dass die Partei jetzt sozusagen geschlossener auftritt. Und von daher kann es auch sehr positive Effekte haben.“ Im kommenden Jahr stehen Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an.

Die FDP sieht die Spaltung der AfD kritisch. Öffentlich reibt sich Parteichef Christian Lindner nicht die Hände ob der Aussicht auf einen Schwung neuer Mitglieder. Via Twitter teilt Lindner mit: „#FDP nimmt Ex-#AfD'ler idR nicht auf. Auch Lucke-Lager passt nicht zu uns. Wollen: liberale Überzeugungstäter, keine Mitläufer.“

Man werde genau hinschauen, schreibt Lindner weiter. Zwar wird im Mitgliedsantrag eine frühere Parteimitgliedschaft nicht abgefragt – doch die Bewerber würden vor einer Aufnahme geprüft.

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  • Na dann sprechen Sie mal mit einem Immobilienmakler oder einem Gutachter, der ein Objekt in einem sozialen Brennpunkt oder eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus mit ausschließlich ausländischen Namen an den Türklingel zu verkaufen. Oder alternativ mit Anwohnern im baden-württembergischen Meßstetten hinsichtlich der Landes-Erstaufnahmestätte. Ankömmlinge, die mit unseren kulturellen Gepflogenheiten nicht vertraut sind, verrichten dort ihre Bedürfnissse in die Vorgärten von Einfamilienhäuser, Flaschen und Müll werden ebenfalls wahllos entsorgt, Grünflächen vor Einkaufsläden belagert, nächtliche Krawalle, Diebstahldelikte und Einbruchserien steigen rapid an.

  • Herr Dannenberg, ich bewege mich zwar auch in denen von Ihnen zitierten Kreisen, teile aber denoch Ihre Ansicht. Um in diesem Geschäft erfolgreich zu sein, gehört auch ein gewisses Maß an Bierzelt-Atmosphäre. Wer damit nicht umgehen kann, dürfte für das "Haifisch-Becken" Politik kaum geeignet sein.

  • @Da ist was verkehrt gelaufen
    Da werden sie nicht ganz unrecht haben, und "mit den Formen die akademische Kreise pflegen", da ist es auch nicht so weit her. Meiner Meinung nach hat gute Lucke Angst um seine akademische Reputation, was man auch immer darunter versteht mag. Er hat leider nicht die Kunst verstanden wie Z.B Gabriel, süffisant austeilen und eben so gut einzustecken.

    "Das Problem des Herrn Lucke bestand wohl darin, dass er sich ungerne in die Niederungen der Politik und deren Umgangsformen begeben hat und diese verwechselte mit den Formen die akademische Kreise pflegen".

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