Parteiausschluss von Wolfgang Clement
Angeschossen, aber noch nicht erlegt

Die Männer von der SPD-Basis in Bochum haben ihr Ziel erreicht: Die Partei hat Wolfgang Clement, den ehemaligen Bundeswirtschaftsminister, ausgeschlossen. Doch der wehrt sich mit allen Mitteln gegen die Entscheidung der Schiedskommission in Nordrhein-Westfalen.

BOCHUM. Nur selten bekommen Großwildjäger ein wirkliches Prachtexemplar vor die Flinte. Umso glücklicher sind sie, wenn sie das Wild getroffen haben. „Ich hab' gedacht, dat gibt'et nich'“, sagt Manfred Kupz. Es ist kurz nach sechs am Donnerstagmorgen, als ihm ein Arbeitskollege die unerwartete Nachricht unterbreitet: „Clement fliegt ausse Partei. Ihr hab dat ja doch noch geschafft.“

Soeben hat Kupz seine Schicht bei Thyssen-Krupp Steel in Bochum angetreten. Als Vorsitzender des Bochumer SPD-Ortsvereins Voede hat er den Parteiausschluss Clements maßgeblich mitbetrieben. Allenthalben klopfen ihm jetzt die Stahlwerker auf die Schulter: „Endlich hat es mal den Richtigen erwischt. Dieser arrogante Typ.“

Freilich, was dem einen die Trophäe, gilt anderen als Wilderei. Kaum jemand hatte es für möglich gehalten, dass einer der Könige des sozialdemokratischen Reservats seinen Meister finden würde. Nun ist es geschehen. Wolfgang Clement, Ex-Arbeits- und Wirtschaftsminister, Ex-Parteivize und Ex-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, soll die SPD verlassen. Ausgeschlossen. Gedemütigt. Persona non grata.

Wie konnte es so weit kommen?

„Lieber Genosse Wolfgang Clement, mit Deiner Aufforderung, in Hessen die SPD nicht zu wählen, hast Du erneut deutlich gemacht, dass Du das Mannschaftsspiel der demokratischen Meinungs- und Willensbildung innerhalb unserer SPD nicht akzeptieren willst.“ So beginnt ein Brief, den Clement Ende Januar bekommt – von Rudolf Malzahn. Der Vorsitzende des Ortsvereins Bochum-Hamme ist sauer, stinksauer. Und seiner Empörung macht er auch Luft.

Eine Woche vor der Landtagswahl in Hessen hat Wolfgang Clement die Energiepolitik der SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti zerpflückt und von ihrer Wahl abgeraten. Ist das noch die Solidarität einer alten Arbeiterpartei? „Nein“, meint Malzahn.

Sein Brief an Clement ist gepfeffert: „Wahrscheinlich gilt nach wie vor der richtige Spruch der kleinen Leute: Wes Brot ich ess', des Lied ich sing'.“ Damit spielt er auf Clements Engagement für die RWE-Kraftwerktochter RWE Power an. Das, wirft Malzahn Clement vor, habe dem ehemaligen Bundesminister „die sozialdemokratische Sicht der Dinge vernebelt“. Malzahns Appell: „Gib Dein Mitgliedsbuch ab. Es wäre für Dich und für uns eine Erleichterung.“

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