Parteiaustritt nach 25 Jahren
Ex-Spitzen-Grüne empfiehlt ihrer Partei CDU als Vorbild

Antje Hermenau, eine der Mitgründer der Ost-Grünen, kehrt ihrer Partei den Rücken. Als Grund nennt sie vor allem den unentspannten Umgang der Grünen mit der CDU und das harte Auftreten gegenüber den Pegida-Anhängern.
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BerlinDie langjährige Spitzen-Grüne Antje Hermenau tritt aus ihrer Partei aus.. „Mein Versuch, mich an die Grünen anzupassen, ist gescheitert“, sagte Hermenau der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Hermenau, von 2004 bis 2014 Fraktionschefin der Grünen im Sächsischen Landtag, begründete ihren Schritt unter anderem mit dem Scheitern möglicher schwarz-grüner Bündnisse: „Ich habe ein Vierteljahrhundert meines Lebens dafür gestritten, entspannt mit der CDU umzugehen“, sagte sie. „Ein schwarz-grünes Bündnis ist für die Partei existenziell. Man muss das wirklich wollen, aus freien Stücken, und darf nicht wahltaktisch herummanövrieren. Aber dafür gibt es bei den Grünen einfach keine Mehrheiten.“

Als Demokratin akzeptiere sie das, so Hermenau weiter; sie halte den Kurs der Partei aber für falsch: „In den letzten Jahren haben sich viele Leute für uns geöffnet, die ein Großteil der Partei offenbar gar nicht haben will. Wenn die Grünen keine Volkspartei sein wollen, werden sie auch keine werden. Viele praktische Alltagsfragen erscheinen ihnen zu banal“, so die 50-jährige Sächsin. „Von der CDU könnten die Grünen mehr Bodenständigkeit lernen.“

Einen Eintritt in die CDU erwägt Hermenau nach eigenen Worten nicht: Sie fühle sich „politisch heimatlos“.

Der Generalsekretär der Sachsen-CDU, Michael Kretschmer, würdigte Hermenaus Einsatz für ein schwarz-grünes Bündnis in dem Bundesland. Hermenau habe „häufig über den grünen Tellerrand hinausgeschaut“. Die Absage der Grünen an Koalitionsverhandlungen mit der CDU habe nicht nur sie „und uns als Sächsische Union, sondern vor allem viele politisch interessierte Bürger enttäuscht“, erklärte Kretschmer auf seiner Facebook-Seite. Er hoffe, dass Hermenau auch ohne grünes Parteibuch als „ein streitbarer Geist für die sächsische Landespolitik erhalten bleibt“.

Exemplarisch kritisierte Hermenau den Umgang ihrer bisherigen Partei mit den Staatsfinanzen: „Die Grünen müssen sich fragen, ob sie Robin Hood sind, der sich stets neue Umverteilungskniffe ausdenkt, oder ob sie die Zukunft wollen. Mit SPD und Linken kommen sie aus dem Umverteilungsmodus nicht heraus.“

Im Gegensatz zu ihrer früheren Partei plädierte Hermenau dafür, Sympathisanten von Pegida nicht vorschnell zu verurteilen: „Das sind keine dumpfen Nazis von einem anderen Stern, sondern meine Leute, eben auch Sachsen“, sagte sie. „Sie wollen Flüchtlingen helfen, aber sich nicht ausnutzen lassen. Da ist viel Dumpfes dabei, das will ich nicht beschönigen. Aber es gibt auch eine echte Ratlosigkeit, die eine angemessene Antwort verdient.“

Manche Fragen, die Pegida aufwerfe, seien berechtigt, betonte Hermenau: „Die Euro-Rettung ist eine Farce, Sparguthaben und Versicherungen werden enteignet, und der Görlitzer Park in Berlin ist ein abschreckendes Beispiel für eine misslungene Integrationspolitik. Das überzeugt die Leute nicht.“ Die Organisatoren von Pegida seien austauschbar, „aber die Stimmung bleibt“.

Antje Hermenau, 1990 eine der Mitgründer der Ost-Grünen, war von 1994 bis 2004 Abgeordnete und auch Haushaltspolitische Sprecherin ihrer Partei im Bundestag. Nach der Landtagswahl in Sachsen 2014 Jahr gab sie alle politischen Ämter auf. Ein Regierungsbündnis mit der CDU, für das Hermenau vehement geworben hatte, lehnte ihre grüne Landespartei damals ab.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Parteiaustritt nach 25 Jahren: Ex-Spitzen-Grüne empfiehlt ihrer Partei CDU als Vorbild"

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  • @ marin geber „An rechter Dumpfheit nicht zu überbieten.“

    Wer keine Argumente hat, diffamiert. So einfach ist das für linke Schreihälse. Wenn sie auch sonst nichts auf die Reihe kriegen, das schaffen sie immer.

  • Wenn das alles Leser des Handelsblatt sind,dann armes Handelsblatt.An rechter Dumpfheit nicht zu überbieten.

  • Die Linken, und wenn man die CDU nicht als linke Partei zählen möchte, auch die anderen etablierten Parteien nutzen die Verbrechen des NS-Regimes für sich und ihren Machterhalt.

    Mit dem Verweis auf die NSDAP und ihre Gräuel, wird die gesamten politischen Rechte und jede Form von Nationalismus unter Deutschen unter Generalverdacht gestellt - das kann soweit gehen, dass die gesamte politische Rechte, -d. h. alles, was nicht der kulturell-linken, multikulturalistischen Weltanschauung entspricht - für böse, "menschenfeindlich", undemokratisch erklärt wird.

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