Parteichef und Schatzmeister teilen sich ein Büro: Ebbe in der FDP-Kasse

Parteichef und Schatzmeister teilen sich ein Büro
Ebbe in der FDP-Kasse

Das liberale Jahr begann mit einer Panne: der Kopierer im Thomas Dehler-Haus streikte, wollte nicht mehr Kopien vom Neujahrsbrief des Vorsitzenden an die Partei für die Journalisten drucken.

BERLIN. Das Malheur wirft einen weiteren Schatten auf die ohnehin nicht von der politischen Sonne verwöhnte kleine Oppositionspartei: Ausgerechnet das Superwahljahr 2004 wird sie mit der seit Liberalen-Gedenken kleinsten Mannschaft bestreiten müssen: Von einst 54 Mitarbeitern zuletzt in Bonn sind zu Neujahr nur noch 26 übrig – „aber die Menschen mögen ja eh keine reichen Parteien“, tröstet sich der Bundesgeschäftsführer Hans-Jürgen Beerfeltz.

Damit sei nun aber die „Bottomline“ erreicht, versichert Schatzmeister Günter Rexrodt – schließlich muss er sich nun das Büro mit dem Parteichef Guido Westerwelle teilen. Im Zweifel wird im Zehn-Minuten-Takt „umdekoriert“, inklusive der passenden Fotos auf dem Schreibtisch, versprechen Mitarbeiter. Glücklicherweise können beide in ihre (getrennten) Abgeordnetenbüro ausweichen, Rexrodt zudem in die großzügigeren Räumlichkeiten der Beratungsfirma WMP.

Verkauft haben die verschuldeten Liberalen die alte Parteizentrale in Bonn, für knapp 13 Mill. Euro. Ihr Schuldenberg beträgt nun satt 27 Mill. „nur“ noch 12,5 Mill. Euro.

So klein die Verhältnisse, so groß die Ansprüche: Nach einem „Seuchenjahr“ 2004 (Walter Döring) und einem „anno horribilis“ 2004 (Parteizentralenjargon) will Westerwelle beim Traditionstreffen zu Dreikönig in Stuttgart die Latte, wieder einmal, ganz hoch hängen: Dass das alles nicht reicht, was die großen Parteien im Reformjahr da geliefert haben, dass ein radikaler Wechsel nötig ist bis hin zur Abschaffung der gesetzlichen Krankenkasse und dem gesetzlichen Rentenalter. Eine Wertedebatte muss her, weg von Neidgesellschaft und Gleichmacherei, hin zu „Anerkennungskultur“ und „Leistungsgerechtigkeit“.

Noch im Januar will die FDP konkret werden und ihr Steuer-Stufenmodell im Bundestag einbringen. Doch wirklich gefragt sein wird sie 2004 einzig bei der Wahl des Bundespräsidenten, bei der es auf ihre Stimmen ankommt. Der Job des Vorsitzenden ist es, die Truppe auf einen Kandidaten einzuschwören und eine Blamage wie 1999 zu verhindern. Sobald die Union ihr Gezänk über den richtigen Mann oder Frau beendet hat, kann Westerwelle sich wieder als treuer Verbündeter positionieren. Bis dahin muss er sich mit dem Hinweis auf die „außerordentlich guten Gespräche“ mit seiner neuen Duzfreundin Angela Merkel und Edmund Stoiber zum Thema Staatsoberhaupt begnügen.

Wahltechnisch kann es für Westerwelle eigentlich nur bergab gehen. Denn bisher hat die FDP unter seiner Ägide nur zugelegt – und dem Chef trotzdem immer wieder kräftig vors Schienbein getreten. Da wäre es gar nicht schlecht, wenn alle Wahlen zeitgleich stattfänden, wie Westerwelle vorschlägt – für die Wahlkämpfe fehlt ihm ohnehin das nötige Personal und Kleingeld.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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